Plattenkritik

Hammerfall - Infected

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Release Date: 20.05.2011
Datum Review: 15.05.2011

Hammerfall - Infected

 

 

Warum erfindet man das Rad neu, wenn man mit dem alten bisher doch ganz gut gefahren ist? Diese Fragen müssen sich HAMMERFALL stellen lassen. Die einfachste Lösung wäre natürlich die, dass man sich beim alten Style so dermaßen gelangweilt hat, dass dieser nun komplett über Bord geworfen wurde. Komplett, dass heißt: Neue musikalische Ausrichtung, neues graphisches Design des Bandlogos, ja, sogar Bandmaskottchen Hector musste bei „Infected“ vom Albumcover weichen.
Dafür wurden aber auch das, meist hymnenhaften, sich auf auf eingängige Melodien und simple Refrains konzentrierende, Songkonzept über Bord geworfen. HAMMERFALL klingen anno 2011 düsterer, heavy und die Lieder sind wesentlich vertrackter als auf den vorherigen Werken – wobei das hier nichts heißen soll, es handelt sich immer noch nicht um Prog-Metal.
Das einzige was bei den Schweden wohl beim alten geblieben ist, ist der Hang zu textlichen Bezügen auf Ruhm, Ehre und Heavy Metal, dieses Mal erweitert mit einer Zombiethematik. Diese wird auch auf dem nicht sonderlich gelungenen Coverartwork zum Ausdruck gebracht, welcher ein Zombiehand zeigt.
Der Albumopener „Patient Zero“ stampft zuerst mit einem schweren Riff los um im Mittelteil dann das Tempo ein wenig anzuziehen und schlussendlich wieder zum Ursprungsriff zurückzukehren - wohl kein weltbewegendes Konzept, im Vergleich zu älterem Material der Schweden doch recht einfallsreich. Eines der typischsten HAMMERFALL-Stücke auf „Infected“ ist das treffend betitelte „Bang Your Head“, welches zwar mit einem zum fremdschämen einladenden Refrain abschreckt („Bang your head, stay united“), ähnlich wie „666 – The Enemy Within“, aber live die Matten zum wirbeln bringen dürfte. Mit „Send Me A Sign“ ist natürlich auch die obligatorische Ballade auf auf dem Album, die sich im Laufe der Zeit in Lautstärke und Intensität immer weiter steigert. „Redemption“, der letzte Track, überrascht dann noch einmal mit spacig klingenden Keyboardeinsätzen und einem ausladenen Instrumentalteil am Ende des Liedes. Alle anderen Stücke auf „Infected“ klingen selbst nach einigen Durchläufen ziemlich beliebig und scheitern daran, dass sich HAMMERFALL zwar daran versuchen festgefahrene Strukturen aufzubrechen, dabei oftmals aber zu unfokussiert zu werke gehen und die Songs nicht auf den vielzitierten Punkt bringen können.
Wie soll man das achte Album nun in die Vita der Band einordnen? An frühere Glanztaten wie „Crimson Thunder“ können die Schweden wahrlich nicht anknüpfen, dennoch muss man ihnen Respekt dafür zollen, einen Schritt gewagt zu haben, der sie einige Fans kosten könnte. Es befindet sich noch sehr vieles im Songwriting im Umbruch und HAMMERFALL müssen noch ihren endgültigen neuen Stil finden. Die Ansätze dessen sind auf „Infected“ aber bereits zu hören, und klingen musikalisch erfrischend.

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Manuel

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Ich schreibe Artikel. Manchmal schlecht, manchmal gut, immer über seltsame Musik.