Plattenkritik

Heirs - Fowl

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Release Date: 27.10.2010
Datum Review: 12.03.2011

 

Postrock ist eigentlich gar nicht so langweilig, wie es manchmal scheint. Das bewiesen einst Größen wie GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR, die ihre Musik frei von irgendwelchen stilistischen und technischen Grenzen entfalten ließen - und das noch lange bevor Genrevertreter anfingen, die immer selben Melodien in die immer selbe Stimmung einzubetten. Nicht dass die meisten dieser Vertreter das schlecht machen würden, aber man sehnt sich dann doch manchmal nach etwas Abwechslung. Die boten HEIRS auf ihrem Debüt „Alchera“ und zeigten, dass wie bei GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR Grenzen und Normen völlig überbewertet sind. 15 minütige musikalische Geschichtserzählungen mit allerlei Dynamik und Bombast boten HEIRS dabei vielleicht nicht. Aber ob es nun der leicht Drone-artige Unterton in der Instrumentalisierung ist, oder die leicht verstörenden Sounds; HEIRS packten das alles irgendwie ein wenig anders an, und hatten damit Erfolg.

Daran hat sich auch mit ihrem Zweitwerk „Fowl“ nichts geändert – also an der Attitüde, die ja schon mit dem Artwork mehr als deutlich wird. Musikalisch hingegen hat sich einiges getan, und mit Fug und Recht darf mittlerweile gefragt werden, ob das denn überhaupt noch in diese Schublade „Postrock“ passt. Weg mit dem melodischen Geschredder, weg mit den harmonischen Melodie: (Fast) alles was HEIRS nun noch brauchen ist einen wüstenartigen, monotonen Drone-Teppich, vielleicht noch einen nicht minder monotonen Schlagzeugrhythmus und ein paar sägende Sounds. Nur hin und wieder, da kocht das beruhigende Saitengeplänkel des Vorgängers wieder auf, beispielsweise in „Burrow“, oder dem schlichtweg wunderschönen „Mother“. Fakt ist aber: HEIRS sind schwerfälliger geworden, während das entspannte Postrock-Geplätscher etwas in den Hintergrund rücken musste. Stücke wie das gerade schon gelobte „Mother“ wirken dann jedoch noch mal um einiges befreiender, wie eine Oase in der trockenen Drone-Wüste.

HEIRS machen es ihren Hörern nicht unbedingt einfach. Wenn minutenlang derselbe Rhythmus bleibt, wenn sich Sound und Melodie nach Minuten nur marginal verändern, wird dem Hörer zunächst ein Brett vor dem Kopf gehämmert. Nichts mit romantisierender Entspannungsmusik, HEIRS wollen mehr vom Hörer. Doch die einzelnen Schrauben zu lösen, und das dicke Brett aus dem Blick zu entfernen, das ist eine durchaus spannende Aufgabe. Und macht „Fowl“ zu einer der erfrischendsten „Postrock“-Veröffentlichungen (nichtsdestotrotz) seit langem.

Tracklist:

1. Dust
2. Fowl
3. Burrow
4. Tyrant
5. Men
6. Mother
7. Drain

Alte Kommentare

von Anonymous 12.03.2011 14:11

Kann man sich mal anhören, aufjedenfall nicht übel!

von Der Mann mit der Tasche 13.03.2011 09:28

Live ein schauriges Spektakel mit B-Horror-Porn-Sequenzen und dem mystischsten aller elektronischen Instrumente: Theremin! Friedshofsmusik 2.0!

von simtz 13.03.2011 21:05

fand die visuelle untermalung eher gesagt etwas langweilig, aber das theremin ist wirklich cool :)

Autor

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Olivier H.

Autoren Bio

"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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