Plattenkritik

Heisterkamp - Schweren Herzens Popmusik

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Release Date: 03.09.2010
Datum Review: 02.12.2010

Heisterkamp - Schweren Herzens Popmusik

 

"Ich hab all das hier auf Knien geschrieben, ich war wohl müde zum stehen, zu rastlos zum liegen, zu starr um zu sitzen und sicher zu ziellos zum gehen." HEISTERKAMP, das sind Nicholas, ansonsten Sänger und Gitarrist bei JUPITER JONES, und Jan, ansonsten Sänger und Gitarrist bei JOHN Q. PUBLIC, bewaffnet mit Akustik-Gitarren, dem Herz auf der Zunge, dem Kloß im Hals und der Eifel im Genick.

Schweren Herzens Popmusik. Was sagt einem dieser Titel überhaupt? Ich musste direkt an NICK HORNBY denken: "Höre ich Popmusik, weil ich schlecht drauf bin? Oder bin ich schlecht drauf, weil ich Popmusik höre?" Selbst der größte Metaller packt an schlechten Tagen die Depri-Musik aus. Und ja, das ist meistens Popmusik. Natürlich fühlt sich der große böse Metaller nicht wohl dabei Popmusik zu hören, aber manchmal muss das einfach sein. Man macht alles dunkel und hört schweren Herzens Popmusik.

Seit 2006 sammeln Jan und Nicholas wann immer sie Zeit haben Lieder um irgendwann einmal ein gemeinsames Album herauszubringen. Es ist für sie eben weniger ein "Nebenprojekt mit eigenem Stressfaktor", es ist ein "musikalisches Tagebuch". Allerdings ein Buch, dass sich verdammt gut anhört. Natürlich wird in einigen Songs der Pathos mit dem Schaufelradbagger aufgetragen, aber bei all dem Herzblut bemerkt man ihn kaum. Auch meine Befürchtung, dass der Akustik-Pop auf Albumlänge doch etwas sehr eintönig ist, wird zerschlagen, denn dadurch, dass sich die Zwei bei den Leadvocals abwechseln, kriegen die Songs eine ganz spezielle Dynamik. Hinzu kommt noch das elektro-akustische Stück Tanzmusik Alaska in der Album-Mitte. Ungewöhnlich aber fantastisch.

Auch wenn Jan und Nicholas ihre Musik selbst als "Reinhard Mey für Menschen mit Geschmack" bezeichnen, so schwebt alleine durch Nicholas Stimme und die Ausrichtung der Musik immer der Name CHUCK RAGAN im Raum. Eine Hausnummer die man zu Recht und mit Stolz tragen kann. Denn es wird natürlich nicht nur die dunkle Seite des Daseins beleuchtet. Es gibt auch immer diesen kleinen leichten Hoffnungsschimmer, dass es immer am aller Dunkelsten ist, kurz bevor die Sonne aufgeht.

Das traurigste an diesem Album ist allerdings, dass das für mich grossartigste und emotionalste Stück Popmusik dieses Jahr nur in DIY-Manier erscheint und über die Bandhomepage vertrieben wird. Ich habe meine CD im September bekommen und seitdem hat sie das Autoradio nichtmehr verlassen. Denn keine andere Platte dieses Jahr lässt sich so herrlich mitsingen, wenn man nach der wenig erfolgreichen Balz von der Party nach Hause fährt. Und selbst ohne das direkte Gefühl der emotionalen Niederlage ist diese CD der perfekte Soundtrack für den Herbst und Winter. Ganz besonders wenn man jeden Tag selbst durch die Eifel fährt, auf dem Highway to Helmut.

Tracklist:
1. Willkommen
2. Highway to Helmut
3. Wenn wir wüssten
4. Schweren Herzens Popmusik
5. Sam
6. Im Hier und Morgen
7. Biographiehagel
8. Alaska
9. Kein trauriges Lied
10. Alle
11. Hier zerbrechen Stunden
12. Wo die Menschen sind
13. Bis es heilt

Alte Kommentare

von finn 02.12.2010 17:23

das traurigste an diesem album ist, dass es überhaupt erscheint. was ein unglaublicher schrott... o.O

von Hoellenfurz 02.12.2010 18:02

Genau finn! Christoph..welch unglaublich gutes&zutreffendes review! Seh es 100% genauso & ziehe auch die 9 Punkte Tafel. Ich hab mir von dem Album nix erhofft. Bei mir zündete es aber direkt beim ersten Durchgang. Wahnsinns Platte. Unter den Top 3 Alben dieses Jahr..mit Sicherheit!

von wo zum teufel 03.12.2010 00:58

is der dislike button und die minuspunktevergabe??? so ein schmarrn

von ich 04.12.2010 01:03

bin für die singer/songwriter-sache generell schnell zu haben. zumindest jenseits von jack johnson und milow. und das hier. naja. gefällt mir. richtig. doll. die sache stimmt. von überall her. 10 punkte gibts nicht. deren neune werden's ohne abstriche.

von Olvis 09.12.2010 12:48

Warum müssen sich eigentlich immer und überall gleich die Szene Nazis als erstes zu Wort melden?! Bei den Bands, die Ihr in Eurem Profil habt, solltet Ihr Open Minded und tolerant sein! Sonst seid Ihr nicht besser als die Vollspacken, die sich über "Emo-Schwuchteln" beim Groezrock und anderen Festivals aufregen und dann Strike Anywhere als Lieblingsband angeben (Texte sind ja egal - Hauptsache die Musik bummt gut)! Keiner zwingt Euch irgendwelche Musik zu hören, die Euch nicht gefällt! Aber diese dämlichen und unqualifizierten Äußerungen nerven echt...! Grabt Euch irgendwo ein!

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Georg

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