Plattenkritik

Hellyeah - Stampede

Redaktions-Rating

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Release Date: 13.07.2010
Datum Review: 04.11.2010

Hellyeah - Stampede

 

Seit 20 Jahren bin ich nun eingefleischter PANTERA Fan, man könnte es fast schon eine Hysterie nennen, denn nichts und niemand kam und wird je an sie herankommen. Um so glücklicher macht es mich natürlich, dass Rex und Phil mit DOWN und nun auch Vinnie mit HELLYEAH nach PANTERA und DAMAGEPLAN wieder den Weg auf die Bühne gefunden hat. Man solle aus Respekt vor diesen Musikern auch ihre derzeitigen Bands so beurteilen, wie sie einem in den Weg kommen und sie nicht nach den Maßstäben der „Einen Band“ bemessen. Man kann die Pionierarbeit der Höllen-Cowboys allerdings auch nicht außen vor lassen. Wer derartige Musik einst schuf, der sollte auch in der Lage sein in Punkto Qualität wieder an alte Tage anknüpfen zu können, natürlich ohne sich dabei zu wiederholen.

Als HELLYEAH ihr erstes Album veröffentlichten, dachte ich eher an ein Spaßprojekt – schon mit ernstem Hintergrund, aber eben vielleicht mehr mit einem Lächeln im Gesicht. In den vergangenen Jahren zeigte die Band u.a. mit der Veröffentlichung ihrer DVD „Below The Belt“, dass ihr durchaus ernst ist und HELLYEAH sehr viel mehr als nur eine Schnapsidee war (im wörtlich gemeinten Sinne).
Nun liegt mir „Stampede“ vor und ich muss ehrlich sagen, dass ich nach dem nunmehr fünften Durchgang immer noch nicht ganz von der Herde mitgerissen wurde. Es passen für mich ein paar Dinge nicht zusammen. Vinnie war ja nun im Endeffekt (laut vorherige Interviews) derjenige, der mehrfach gebeten wurde in diese Band einzusteigen, bleibt die Frage wer die Musik schreibt. Denn die finde ich irgendwo eingängig und streckenweise langweilig. Dass Chad und Greg nicht die Aushängemusiker bei MUDVAYNE waren, weiß man frühestens seit „L.D.50“ - ohne beiden zu Nahe treten zu wollen. Chad hat diese polarisierende, für meinen Geschmack zu flache Stimme, die sein Kreischen aber wett macht. Nun wirft HELLYEAH einem einen Südstaaten-Rindertreiber-Burger vor, dessen Bulette nun die Stimme sein sollte. Meiner Meinung nach. Aber die Bulette ist einfach zu dünn und auf Dauer ein wenig fad. Im Kontext von HELLYEAH zumindest.
Die Gitarren sind schwierig. Schlicht gehalten und eher Groove orientiert, fehlt mir hier die technische Finesse. Live bestimmt eine Wand sind sie auf Platte eher unspektakulär. Ein bisschen wie bei MUDVAYNE eben, aber da gab es einen wunderbaren Bassisten, gegen den Bobzilla technisch nicht ankommt, auch wenn sein Sound fett ist. Das ganze wird getragen durch Vinnies Schlkagzeugspiel, welches nichts an seiner früheren Intensität verloren hat, und seinem Image. Hier kommen wir zum nächsten, für mich nicht stimmigen Punkt: Wenn ich in Illinios geboren wurde, warum singe ich dann über das harte Cowboyleben im Süden? „Outlaw or Redneck whatever you tink (…) it´s just a cowboy´s way“. Dann posiert man in Lederjacke und Hütchen. Wo man Vinnie und Bobzilla einfach eingestehen muss, dass sie sind, was sie hier darstellen, befällt mich bei dem Rest der Truppe ein leichtes Fremdschämen. Ich kann also nur hoffen, dass wir es hier nicht mit einem Marketing-Gag zu tun haben. Aber wer weiß das schon.
Natürlich kommt auch gleich ein wichtiger Bezug zu Dimebag in der ersten Zeile: „(...) so I did a shot and smiled with a black-tooth grin“. Wer jetzt damit nicht vertraut ist: Dies war der Name des Lieblingsgetränks der PANTERA Buben, benannt nach dem gleichnamigen Song von MEGADETH. Die unautorisierte Biographie Dimebags trägt ebenfalls diesen Namen. Ob das schlecht ist? Auf gar keinen Fall! Und damit leite ich den positiven Teil dieser Review ein:

„Stampede ist ein kompaktes und durchaus solides Album, dass man ruhig einmal beschnuppern darf, ohne Angst zu haben gleich einen Fehlkauf zu begehen. Der Opener „Cowboy Way“, „It´s on!“ und das ganz klassisch 80er Metal-Sahnestück „Pole Rider“. Die „Ok-Balladen“ „Stand Or Walk Away“ und „Hell Of A Time“. „Better Man“ und „Cold As Astone“ sind Rhythmusmonster á la carte und mein persönlicher Favorit: „Order The Sun“. Im Booklet sind alle Texte abgedruckt, die einfach ans Herz gehen und die ein Reinlesen wert sind.
„Stampede“ befindet sich irgendwo zwischen Südstaatenrock und Power Groove. Eine Mischung, die vielleicht eines Tages richtig zünden wird, wenn man sich noch mehr gefunden hat. Für Freunde von DAMAGEPLAN geeignet.

Tracklist:
01. Cowboy Way
02. Debt That All Men Pay
03. Hell Of A Time
04. Stampede
05. Better Man
06. It's On!
07. Pole Rider
08. Cold As A Stone
09. Stand Or Walk Away
10. Alive And Well
11. Order The Sun

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Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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