Plattenkritik

Hilmar Bender - Violent Evolution- Die Geschichte von Kreator (Buch)

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Release Date: 14.03.2011
Datum Review: 15.02.2011

Hilmar Bender - Violent Evolution- Die Geschichte von Kreator (Buch)

 

„Komprommisslose Härte, schnörkelloser Thrash, Gewalt als musikalische Ausdrucksform.“

Soviel zum Thema KREATOR. Hilmar Bender hat es gewagt, die Bandgeschichte aufzuschreiben und zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Muss man über KREATOR noch Worte verlieren? Im Grunde genommen ja und zwar eine ganze Menge. Was sind das eigentlich für knorke Typen? Ruhrpottkerle, die den Kohlestaub schon und noch mit der Muttermilch aufgesogen haben, im tiefsten Essen und dennoch immer ein versteckten Kompass nach den Zeichen der Zeit hatten.

Damals, 80´er Jahre, als sie begannen, die Ohren nach Musik zu strecken gab es in Essen Punk ohne Ende. Das war Mille, Jülle und Konsorten nur leider nicht Anti genug und so zog es sie hin zum Thrashmetal. Damit legten sie den Grundstein für eine steile Karriere, quasi direkt aus dem Proberaum auf die Bühnen der Welt. Einen kleinen Einbruch erlebt die Metalszene in den 90´ern und auch KREATOR bleiben nicht verschont, aber selbst das scheint der einzige Knick in der Laufbahn der Langhaarigen zu sein. Dennoch kommt dieser im vorgestellten Buch nicht ansatzweise tragisch zum Ausdruck. Den Dingen nicht zuviel Bedeutung beimessen, aber das Wichtige ernst nehmen und gut machen.

Zahlreiche Mitgliederwechsel, unzählige Alben bei diversen Produzenten, Touren durch alle Herren Länder. All das schildert Hilmar Bender und mit ihm konnten KREATOR keinen Besseren für dieses Buch finden, ist er doch tief verwurzelt in der Musikszene und selbst ein Pottjunge. Letzteres sei an dieser Stelle unbedingt lobend hervorgehoben, da es sich durchaus bereichernd und die Art von KREATOR betonend auf den Duktus auswirkt. Frei von der Leber weg. Ein großer Teil des Buches wird zwar von den Protagonisten der Geschichte KREATORS selbst bestritten, dennoch gibt es zu genüge Ergänzungen einzustreuen, Dinge hervorzuheben und ungezählte Erlebnisse zusammenzufassen. Der Einstieg ins Buch gestaltet sich etwas holprig. Durch die vielen Zitate der Beteiligten verliert man zunächst den Faden recht schnell, Bender gelingt es aber im Laufe des Buches zunehmend eine Struktur aufzubauen, welcher es leichter nachzuvollziehen gelingt und die unglaubliche Geschichte dieser Band nochmals en detail zu verfolgen. 28 Jahre Bandgeschichte gestalten die notwendige Spannung wie von selbst.

Ganz nebenbei wird auch mal ordentlich aufgeräumt. Vorurteile aus dem Weg gesprengt nach bester KREATORmanier. Musiker mit akademischem Abschluss bekommen ihr Fett weg, Gedankenspiele daran, wie Metal zu sein hat und sich der Metaler zu verhalten habe, lösen sich in Wohlgefallen auf, dem Ruhrpott wird der Lorbeerkranz poliert. Es fallen Sätze, die einen zum Schmunzeln und zum Nachdenken anregen. Wo KREATOR überall ihre Finger im Spiel hatten und haben, schafft auch dieses Buch wohl nicht gänzlich abzudecken. Wer beispielsweise auf den großen Aufbruch des Vorurteils, alle Metaler würden sich von rohem Fleisch ernähren gehofft hat, wird enttäuscht und darf weiterhin Milles Beiträge im KOCHEN OHNE KNOCHEN Magazin verfolgen. Auch werden keine Abgründe offenbart, keine Skandale, Streits oder Häme. Das Bild der in sich ruhenden Metaler erfährt Manifestation.

Dafür werden genug andere Töpfe geöffnet. Die schlussendliche Nähe von KREATOR zum Punk manifestiert sich immer wieder in der Wahl der Produzenten und Kollegen für Nebenprojekte. Die alte Zecke NAGEL taucht auch einmal mehr auf. Erfindungsreichtum, welcher zu immer neuen Sounderlebnissen führt, wird detailreich beschrieben. Improvisationstalent weist den Weg aus Mangel zu Perfektionismus. Und am Ende wollen KREATOR die Menschen doch einfach nur glücklich machen. An dieser Stelle würde ich gerne des Schlussabsatz zitieren, aber ich lasse es. Lest selbst! Ein Buch für Kreatorfans, Musikliebhaber, Punker, Metaler, Rocker, Hiphoper, Leute aus dem Pott, Personen mit Visionen, Menschen mit Schalk im Nacken und Spaß in den Backen.

Alte Kommentare

von Randy 15.02.2011 22:38

THrash bitte. Gerade bei DER Band.

von Blasta Tha Butcha! 15.02.2011 22:50

Wie recht du hast, Randy.

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Jule

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wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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