Plattenkritik

Horseback - Half Blood

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 25.05.2012
Datum Review: 16.05.2012

Horseback - Half Blood

 

Seine Hand an den Bauch gepresst taumelt der alte Mann durch die Prärie. Wo er auch hinsieht: Wüste, Sand, Hoffnungslosigkeit. Blut sickert durch seine Finger. Die finale Auseinandersetzung: er wird sie verlieren. Wie jeder Mensch. Der Teufel auf seiner Schulter kreischt es ihm unaufhörlich ins Ohr. Dennoch ist er auf der Suche. Nach Wasser, nach Heilung, nach Liebe. Vor allem anderen jedoch: nach Vergebung. Dies ist seine Geschichte. Nachhör- und fühlbar auf „Half Blood“, dem famosen neuen Werk von Jenks Miller, zumindest etwas besser bekannt unter dem Namen HORSEBACK.

Es ist ein Album, nein, ein knapp dreiviertelstündiges Monstrum, welches einem das Bandprojekt hier vor die Füße knallt, das zu verdauen nicht eben leicht fällt. Über den Nährwert braucht man sich jedenfalls keine Gedanken machen. „Half Blood“ ist weniger Fast Food, als vielmehr mit ausgesprochener Liebe zum Detail kreierte Molekularküche. In der Musik wie auch bei dieser progressiven Art des Kochens kommt es vor allem auf offensichtliche Widersprüche an. „Lachs mit Lakritzsoße“ übersetzt sich bei HORSEBACK beispielsweise in amerikanische Westernmusik mit Black Metal-Kreischgesang.

Was mindestens merkwürdig anmutet mutiert im Falle von „Half Blood“ erstaunlicherweise zu einem unglaublich einnehmenden Ganzen. Atmosphäre generiert sich hier aus bewusster Repetition einerseits und imposanten Breitwand-Drones andererseits. Nie jedoch verlieren HORSEBACK das große Ganze aus den Augen. Alleine dieser Punkt steht schon im krassen Gegensatz zum direkten Vorgänger „The Invisible Mountain“, den ich anno dazumal noch für seine Abwechslungsarmut und mangelnde Griffigkeit abgestraft habe. An diesem Eindruck hat sich nach wie vor nichts geändert. Umso erstaunlicher deshalb, wie fokussiert „Half Blood“ im direkten Vergleich klingt. Alle Teile greifen hier auf famose Art ineinander und erschaffen ein Bild des Unbehagens einerseits und der stillen Hoffnung, dass doch alles besser werden kann andererseits.

Die breitere Instrumentierung, derer sich HORSEBACK neuerdings bedienen leistet hierzu ihren Beitrag. Die seltene, dafür aber umso akzentuiertere Implementierung von Cleangesang und Piano-Einsatz sind für „Half Blood“ ein wahrer Segen. Lange nicht mehr habe ich eine Band gehört, das dermaßen pointiert und einnehmend auf der Klaviatur zwischen Reduktion und Soundmaximierung gespielt hat, ohne dabei einen der beiden Teile auch nur im geringsten zu vernachlässigen.

Am Ende liegt der alte Mann erschöpft im Staub. Seine letzte Stunde hat geschlagen und vor ihm tun sich Farben auf, von deren Existenz er im Laufe seines Lebens noch nicht einmal zu träumen gewagt hatte. Überwältigt schließt er die Augen, sein Mund zu einem zufriedenen Grinsen verzogen und seine Arme weit von sich gestreckt. Zu seiner Überraschung stellt er fest, dass seine letzten Momente in diesem Dasein zugleich auch seine schönsten waren. Genau hiervon handelt „Half Blood“ und noch von vielem mehr. Lange nicht mehr funktionierte ein Album so famos über das vielbeschworene Kopfkino. Möge sich jeder seinen eigenen Film dazu vorstellen.

Tracklist:

1. „Mithras“
2. „Ahriman“
3. „Inheritance (The Changeling)“
4. „Arjuna“
5. „Hallucinogenia I: Hermetic Gifts“
6. „Hallucinogenia II: Spiritual Junk“
7. „Hallucinogenia III: The Emerald Tablet“

Alte Kommentare

von fff 16.05.2012 12:58

grad mal reingehört für mich is das nur ein einziges album voller intros, nichts was mitreissen kann. 10/10 sollte man nur geben wenn wirklich für jeden was dabei ist, da war der author wohl nicht objektiv genug

von dafaq? 16.05.2012 14:26

"10/10 sollte man nur geben wenn wirklich für jeden was dabei ist, da war der author wohl nicht objektiv genug" dümmster Satz seit langem!

von Tobe 16.05.2012 17:47

stimmt. absoluter blödisnn. abgesehen davon gabs die diskussion doch schon gefühlte 26276735 mal.

von @ fff 16.05.2012 21:34

"10/10 sollte man nur geben wenn wirklich für jeden was dabei ist, da war der author wohl nicht objektiv genug" Ja, genau, deswegen gibt's Allschools, für Musik, die jedem gefällt...

von Lachs von Achtern 17.05.2012 03:45

Überwältigt umschließt der alte Mann seinen Penis mit seinem Mund und wird feststellen, dass die nächsten 30 Sekunden die schönsten in seinem Leben werden.

von nocte5t 17.05.2012 16:22

Bitte schafft einfach das Punktesystem ab. Reviews okay, aber das kann keiner mehr ernst nehmen. Alles wird abgefeiert. Selten mal eine Rezi <5 Punkten gelesen. Kann ja wohl schlecht sein, dass ALLES GRANDIOSE MEISTERMUSIK ist... .. Nee, nee, nee..

von dude 17.05.2012 18:50

word

von najaaa 18.05.2012 13:41

Punkte System abschaffen nein. aber das jeder scheiß abgefeiert wird stimmt leider teils. nicht auf diese CD bezogen. Nie gehört, aber obs 10/10 ist eigetnlich immer fraglich.

von blorg 18.05.2012 16:25

das problem an der sache ist doch: - Normal 1-3 = mies 4-5 = durchschnitt 6-8 = gut 9-10= überragend - Allschools 1-5 = mies 6-10=durchschnitt/gut/überragend

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Manuel F.

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Eher so der Kumpeltyp.

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