Plattenkritik

Hostage Calm - Please Remain Calm

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Release Date: 09.10.2012
Datum Review: 11.10.2012

Hostage Calm - Please Remain Calm

 

Erst Beach Boys, dann lieber Jugendfieber und plötzlich „Für mich soll´s rote Rosen regnen“: HOSTAGE CALM stammen aus Connecticut, sind zu fünft und im Herzen sowas von Punk. Wer sich schon jetzt überfordert fühlt, sollte sich „Please Remain Calm“ eher mit Taschentüchern in den Ohren nähern.

„Please Remain Calm“. Der Albumtitel lässt sich auf vielerlei Gebiete des Alltags und der Lobhuldigung anwenden - in Zeiten in der sich Trends überschlagen und der hipste Scheiß hinter dem eben noch hippen Scheiß schon mit den Hufen scharrt. „On Both Eyes“ ist ein Song, wie er da gelegener nicht kommen könnte: HOSTAGE CALM eröffnen wunderbar lebendig und zugänglich mit Tempiwechseln, denen Verbeugung gebührt, gewitzten Lyrics und ansteckenden Melodiebögen. Frontmann Chris Martin stemmt merklich nicht allein das Zepter, welches sich nach „Hostage Calm“ vor zwei Jahren der musikalischen Weiterentwicklung außerhalb der engen Poppunk-Zelle verschrieben hat. Trotzdem ist „Brokenheartland“ nach den ersten Minuten noch natürlich und gelöst wie in etwa alte SAVES THE DAY, während „Woke Up Next To A Body“ den Sound der Nachbarsbubenband pflegt, die nebenan in der Garage höchst „dedicated“ und vom Fleiß gefesselt an ihrem Traum feilt.

„Please Remain Calm“ stürzt von detailverliebter Kleinkunst wie der Straßenparade „May Love Prevail“ mitsamt beflügeltem Glockespiel ins nächste Extrem - hier als „Patriot“ unter „A-Capella-Punk“ zu verzeichnen. „Old Railroad, Take Me Away To That Time When Men Held Something Close“ singt Martin darin seinem Bandgefüge voraus und plädiert einmal mehr an einen toleranten, zeitgemäßen und funktionierenden Menschenverstand. „Is There A Doctor In The House?
Cause I’m About To Get On The Ground - And Save This Mouth To Mouth“ droht er zuvor in „Don´t Die On Me Now“ – und man vermag es lieber, ihn ernst zu nehmen.

Insgesamt schlummert in „Please Remain Calm“ die Erfüllung dieses verborgenen Kindheitstraumes: Alles einfach so machen, wie es geschieht. Alles so nehmen, wie es kommt. Und am Ende mit „One Last Salute“ ein Ergebnis verkünden das mit Erfolg nicht geizen muss: HOSTAGE CALM steht das. Dieser naiv wankende Popanteil. Diese selten garstige, unterschwellige Punkrockader. Der nicht untergejubelt wirkende Donation-Anteil, der "Same-Sex-Marriage"-Supportern zu Gute kommt. Und als alleiniges Attribut ein Song wie „The “M“ Word“ – der in sich so vollkommen wie nach außen catchy, mitreißend und obendrein gesellschaftskritisch ist. Und der so unverschämt berechtigt gen „alte Schule“ gafft, dass rot werden für einen kurzen Moment wieder cool ist. So wie der Blumenhagel, der hier ganz klar über „Please Remain Calm“ parken darf.

Trackliste:

01. On Both Eyes
02. Don't Die On Me Now
03. Brokenheartland
04. Woke Up Next To A Body
05. Impossible!
06. May Love Prevail
07. The "M" Word
08. Patriot
09. Closing Remarks
10. One Last Salute

Alte Kommentare

von watwa 11.10.2012 22:07

solides album;) 7/10

von Niels 12.10.2012 11:02

Bin gespannt. Platte dürfte bald hier heintrudeln - die Songs, die ich gehört habe: der Wahnsinn. Allemal Platte des Jahres Material. Und dazu noch ne absolut sympathische und vor allem authentische Band, die momentan mit dem was sie macht ziemlich allein auf weiter Flur steht. Letztes Album war schon ziemlich gut, krankte aber für mich an der flachen und zu hellen Produktion. Jetzt saß J. Robbins hinter den Reglern - das kann nur Gutes bedeuten!!

von Torben 14.10.2012 11:32

echt stark!!

von xfelalx 19.10.2012 15:36

die letzte hatte mir leider garnix zu bieten, aber die ist echt (für mich) unerwartet gut geworden. 8 Punkte

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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