Plattenkritik

Hubertus Meyer-Burckhardt - Die Kündigung

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Release Date: 01.03.2011
Datum Review: 07.11.2011

Hubertus Meyer-Burckhardt - Die Kündigung

 

Simon Kannstatt ist ein Kämpfer. Ein Kämpfer für den Kapitalismus und einer der Soldaten, die im Truppentransport von Einsatz zu Einsatz hetzen.
Kannstatt ist Buchhalter für eine Firma, dessen Chef Altmann ein inkompetenter „Feuilletonist“ ist – ein Phrasendrescher, ein Nichtskönner. Doch dieser hat ihn entlassen Kannstatt steht nun sinnentleert vor den Trümmern seines Lebens und trifft die folgenschwere Entscheidung: Er muss seinen Chef liquidieren! Nicht aus verletztem Stolz, sondern weil dieser im Krieg der Globalplayer und international agierenden Banken versagt hat. Niemand schmeißt seinen General mitten in einer Schlacht aus dem Lager!
Der Sohn eines erfolgreichen und ehrgeizigen Vaters, wurde schon früh in die Knochenmühle der „Schaffenden“, der sinnentleerten, konformen Söldner des Finanz- und Wirtschaftswesen, getrieben. Verheiratet mit einer emotionslosen Materialistin, ist er nicht nur fern ab jeglicher Individualität und Spiritualität, sondern auch vollkommen unfähig außerhalb seines beruflichen Schaffenskreises sozial zu kommunizieren und zu interagieren. Er ist sich selbst so fremd, wie es sein Kind für ihn ist.
Nun, ohne Job, hat seine Existenz jeglichen Sinn verloren, außer dem einen: Seinen Chef töten! Ohne wirkliches Ziel jettet er von Flughafen zu Flughafen, von Motel zu Motel, bis er letztendlich auf dem Flug nach New York beschließt zu sterben. Sein altes Ego, nun ohnehin nur eine zwecklose Hülle soll dem Tode anheim fallen, und ein neues soll geboren werden. Eine Art Wiedergeburt. Diese Wiedergeburt wird unterstützt und letzten Endes zelebriert in Newark, USA, wo er auf Python trifft. Ein Althippie, Plattenladenbetreiber, Rock´n´Roll Historiker, Idealist und Feind jeglicher imperialistischen Grundeinstellung. Hier wird Kannstatt zu „Greenbaum“, zum Buchhalter des Rock´n´Roll, in dem er Pythons Laden auf Vordermann bringen soll. Hier wird „Grennbaum“ zum Leben erweckt und für Kannstatt beginnt ein neues Leben. Ein wirkliches, nicht nur ein gespieltes.

Meyer-Burckhardt debütiert in diesem Hörbuch mit brillantem Wortwitz, beißendem Zynismus und mit einer philosophischen Wahrheit, die die Tragweite eines Kafka besitzt. Dieses Buch besitzt nicht nur die Fähigkeit den Hörer zu amüsieren, nein, vielmehr besitzt sie auch die Intensität die es brauch, um jemanden ernsthaft an seinen bisherigen Ambitionen zweifeln zu lassen.
Ein dynamischer Spannungsbogen packt den Hörer und lässt ihn nur manches Mal wieder los. Der Plot ist innovativ und ansprechend.

Kritik ist dahin gehend zu äußern, dass dieses Hörbuch zwar Spaß macht, wodurch man die verstreichende Zeit nicht wirklich bemerkt, dass man aber manches Mal sehr vorsichtig sein muss, Kannstatt auf seiner Reise zum wahren Ich nicht zu verlieren. Die Gedankenkonstruktionen des Protagonisten und der anderen Figuren sind sehr groß und weitläufig, wodurch man sich manches Mal erneut an die Betrachtung eines solchen Gebildes machen muss, um es voll und ganz zu begreifen. Das mag den einen oder anderen stören. Auch ist es hilfreich zum Verständnis, wie auch für den Genuss des Charmes Hubertus Meyer-Burckhardts, wenn man sich eines gewissen deutschen Vokabulars als mächtig erweist. Zudem hat der Autor, das Buch selber liest, eine angenehme Sprechstimme und verwendet im Regelfall auch stilgerechte Betonungen. Nur „schwächelt“ er ab Ende der zweiten CD, wodurch manchmal nicht ganz klar ist, wann ein Satz endet. Teilweise entgleist ihm die Betonung, wie bei jemandem der in der Zeile verrutscht ist oder gerade beim Vorlesen mit den Gedanken woanders war. Das stört vor allem auf der dritten CD, legt sich dann aber wieder.

Ich habe sehr viel Spaß mit diesem Buch gehabt und kann es nur weiter empfehlen. Als reine Unterhaltung ist es aber nicht geeignet, da es dafür einen zu hohen Anspruch mit sich führt und das Buch einfach über eine bloße Entertaining-Funktion hinaus geht. Dadurch mag es nicht jedermanns Geschmack treffen.

7 Punkte
Linc

Alte Kommentare

von Clement 07.11.2011 15:46

ich bin gespannt!

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Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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