Plattenkritik

Huss und Hodn - Der Stoff aus dem die Regenschirme sind

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 27.03.2009
Datum Review: 17.01.2010

Huss und Hodn - Der Stoff aus dem die Regenschirme sind

 

„Der Stoff aus dem die Regenschirme sind“ – reflektierte Szenenstudie oder Berg der Albernheiten? Das wissen die beiden – HUSS UND HODN, also: Retrogott und Hulk Hoden – wohl selbst nicht so ganz. Ist auch egal. Wackness muss bekämpft werden – wie, das ist ja nicht wichtig.

Schon „Jetzt schämst du dich“ war eine gekonnte Aneinanderreihung sinn- und zusammenhangloser Punchlines und Wortsalven. Und auch der längst fällige zweite Ableger macht dem patentierten Doktor der Hurensohnologie zum Nachschlagwerk für gute Zitate. „Viele Leute finden alle meine Aussagen schrott / scheiß drauf, sogar Jesus kam im Auftrag von Gott“; „Was mich bei dir an Joseph Goebbels erinnert, du verkaufst die Leute für dumm und triffst auf relativ hohe Nachfrage". Alles also beim alten. Hulk Hoden erweist sich dabei nach wie vor als grundsolider Verfechter jazziger Beats in Anlehnung an die glorreichen 90er, genau wie Retrogott – welcher übrigens bekennender MF DOOM-Fan ist - in seiner gelangweilten oder einfach nur entspannten Art des Vortrags markant im deutschen Rap bleibt.

Zwischen aller Scheißegal- und Anti-Wackness-Mentalität tummelt sich hin und wieder auch mal das ein- oder andere ernsthaftere Statement. Das war auf „Jetzt schämst du dich“ beispielsweise „Pappmensch“, mit Gedankenfetzen über das Leben und den Tod. Auf „Der Stoff aus dem die Regenschirme sind“ scheint das ebenfalls immer mal durch: „Es gibt gut und böse, und weil ich weder noch kenn bin ich kein Christ, Buddhist oder Moslem / Ich bin nur ich selbst, überzeugt von mir selbst / Wenn ich Zweifel hab dann nicht an Gott sondern an mir selbst“. Doch Retrogott ist genauso wenig Verfechter großer Moralpredigten wie „Der Stoff aus dem die Regenschirme sind“ ernst ist. Vorrangig geht es um gechillte Beats, guten Flow und ständigen Wortwitz. Wenngleich Retrogott nicht immer – gerade in der etwas monotonen und schwächelnden späteren Mitte – so recht den Nagel auf den Kopf trifft. Und auch das Feature mit Sylabil Spill schmälert etwas den sonst so guten Eindruck.

Am Ende ist „Der Stoff aus dem die Regenschirme sind“ erneut eine unterhaltsame Platte geworden, welche einen würdigen, wenn auch nicht ganz an den Vorgänger heranreichenden Nachfolger darstellt und dank gelungener Zitate gen Golden Age noch zusätzlich Sympathiepunkte einheimsen kann. Etwas, wovon andere „wacke“ deutsche Vertreter sich durchaus noch gerne die ein- oder andere Scheibe abschneiden können.

Alte Kommentare

von Timo 17.01.2010 11:25

irgendwie packt mich diese platte weit weniger als jetzt schämst du dich.

von Def Jeff 17.01.2010 13:46

Weckness? Alter, laß es gut sein mit Hip Hop Reviews...

von Alex G. 17.01.2010 13:53

War das nicht: "Was mich bei dir an Joseph Goebbels erinnert ist, du machst einen auf Art aber bist trotzdem behindert."? So hab ichs zumindest im Kopf.

von Olivier H. 17.01.2010 14:31

@Def Jeff: Wo ist das Problem? @Alex: Das von dir genannte Zitat ist aus einem Song vom Debüt "Jetzt schämst du dich". Verwendet Herr Goebbels also zweimal als Aufhänger für ne Punchline! ;)

von Alex G. 17.01.2010 14:32

Ah, ok, man kann ja nicht alles wissen. Wollt nur mal nachfragen ;)

von Olivier H. 17.01.2010 14:41

Jo, ist ja kein Ding! ;)

von Instagib 17.01.2010 17:04

find huss&hodn auf dauer leider etwas nervig/anstrengend.für zwischendurch mal ganz nett, aber irgendwann geht mir die stimme vom retrogott etwas auf die nerven. beats sind klasse. würde mich über ne review vom neuen sichtbeton album freuen,oder überhaupt mal n paar aktuellere sachen.

von Olivier H. 17.01.2010 17:32

Die neue von Hiob & Morlokk Dilemma werd ich demnächst wohl wie in Facebook gefordert machen, wobei die ja auch längst nicht mehr wirklich aktuell ist. Das Problem ist dass wir bis auf so Major Geschichten wie Mos Def oder Blakroc total selten Material in der Richtung bekommen - der Rest ist immer freiwillig rezensiert. Ich hoffe aber dass sich der Kontakt mit den Labels da in Zukunft verbessern wird!

von was für 17.01.2010 17:42

lutscher schreiben hier hip hop reviews? total peinlich. bleibt bei eurer röhrenjeansmusik und muttersöhnchen musik ihr bauern.

von Torben 17.01.2010 17:47

haha. lustiger kerl.

von SmackinIsaiah 17.01.2010 18:29

@Olivier Deff Jeff spielte wohl darauf an, dass es wAck, und nicht wEck geschrieben wird. Deswegen fühlen sich sicher wieder einige bestätigt, aber ignorier das am besten ;)

von Olivier H. 17.01.2010 18:32

Hip-Hop lives on the streets, not in the dictionary! Aber ich hab's trotzdem mal verbessert... ;)

von Hurensohn 18.01.2010 00:36

meine freunde es heißt doch aber whack 0.0

von DrFaust 18.01.2010 13:32

Alles nur Toys hier! :P

von Timo 18.01.2010 14:11

fragt sich nur warum die Jungs so oft schlecht über schwule reden müssen. "es muss so sein" is da irgendwie auch keine befriedigende antwort.

von Olivier H. 18.01.2010 14:38

"Schwul" ist doch längst im Volksmund als Beleidigung manifestiert. Das macht die Sache natürlich nicht besser, aber wenn wir jemanden als "behindert" bezeichnen drücken wir damit ja auch nicht gleichzeitig aus, dass wir etwas gegen behinderte haben. Da muss man denke ich trennen - nicht komplett, aber etwas.

von Timo 18.01.2010 15:04

@ oliver: das ist richitg & das lasse ich als argument auch zu. auch wenn es - wie du selbst sagst - nicht besonders gut ist. nur bei huss & hodn gibt es auch so sehr sehr viele textstellen wo nicht nur gesagt wird "das ist schwul" = "das ist whack/schlecht", sondern es wird sehr oft sehr direkt auf schwule menschen/männer eingegangen. da fragt sich schon, warum das 2 anscheind ziemlich intelligente und humorvolle menschen mit solcher begeisterung tun. und ich hab mich in meinem post natürlich auf diese textstelle aus esmusssosein hier bezogen: "Aber warum muss denn dein Rap immer was gegen ne Schwuchtel sein? Ich hab nichts gegen Schwule, aber... esmusssosein"

von The Grotesque 18.01.2010 15:31

kinder, hört nicht so eine scheiße, die euch das hirn verklebt. lasst mal wieder so richtig schön die sau raus und hört MUSIK

von Olivier H. 18.01.2010 16:29

@timo: Ist denke ich Teil dieser Stumpfsinn-Attitüde. Bei Huss Und Hodn ergibt das wenigste Sinn, und der wirkliche Ernst versteckt sich immer was unauffällig zwischen all den Punchlines. Finde das in dem Kontext daher auch noch in Ordnung - das (wenn auch nur eingeschränkt mit der Benutzung des Wortes "schwul") gehört dann für mich auch irgendwie dazu und macht die beiden (gerade in Punkto Humor) für mich sympathisch.

von Geschmaxpolizei 19.01.2010 01:13

Ja ok, vielleicht sind die Battletexte (teilweise) etwas origneller als die von der Konkurrenz, vielleicht sind die Beats nicht schlecht und vielleicht nehmen sie sich auch selber nicht so ernst wie die Kollegen aus Berlin. Trotzdem: Das bleibt Musik für 17-jährige Gymnasiumskiffer aus der "Baggy-Pants-Coolen-Clique" die sich für Bushido und Co. zu schlau halten. Nee tut mir leid, bin ich (zum Glück) zu alt für

von Raphael 19.01.2010 01:39

Endlich trifft es mal jemand auf den Punkt. Danke.

von Timo 19.01.2010 08:20

hi, ich bin kein 17-jähriger Gymnasiumskiffer, trage keine baggy-hosen und halte mich noch nicht mal zu klug für bushido und co. aber ich mag die jungs trotzdem. und jetzt? glaube nicht, dass du damit die h & h zielgruppe richtig umrissen hast.

von Geschmaxpolizei 19.01.2010 09:50

@Timo: Für mich hört sich das einfach pubertär an, deswegen der Vergleich: Homo, schwul, wack, Hurensohnologie, Goebbels, nein danke das brauch ich nicht. Wundert mich das du das gut findest da ich deine Geschmäcker hier ansonsten oft teile. Es ist auch keine großartige Weiterentwicklung in irgendeiner Hinsicht. Wenn du mich fragst hat sich deutscher Rap so oder so ähnlich auch schon vor 15 Jahren angehört. Es kommt euch nur gut vor weil die Messlatte für deutschen Rap so niedrig liegt. Meine Meinung

von Alex G. 19.01.2010 09:57

Die Messlatte liegt so niedrig, weil sich die ganzen wirklich guten Leute mit wirkliche guten Texten und Inhalten einfach auflösen bzw. aufgelöst haben. Ich erinner da nur an die GRANDIOSEN Kinderzimmer Productions oder Texta (obgleich die ja aus Österreich kamen)

von Timo 19.01.2010 10:25

naja, was die texte angeht, da kann man selbstverständlich kritik üben, allerdings sollte man dabei auch immer den stets doppelt- bis dreifachen boden beachten, die (viele) huss & hodn texte auszeichnet. und die goebbels-punchline war uns ist immer noch der hammer (die aus "jetzt schämst du dich"). vielleicht tatsächlich n bisschen pubertär so einen namen aus reinen schockgründen zu verwenden (genauso wie die tschernobyl-line aus demselben track, aber spiel genau diesen track mal fast jedem beliebigen vor, der noch nix von huss & hodn gehört hat. spätestens bei diesen lines schreckt eben doch jeder hoch - insofern ist die provokation zumindest gelungen. was die beats angeht, sind die jungs allerdings wirklich über jeden zweifel erhaben. hier wird nicht nur aus hiphop-klassikern zitiert (die ihrerseits aus funk & jazz-classics zitieren), wie damals vor 15 jahren, hier merkt man dass da tatsächlich jemand ahnung hat, von dem gesampelten kram. jazz cats eben: http://www.youtube.com/watch?v=Xk64z6RcKP4

von HarlanEiffler 19.01.2010 14:28

Texta gibts noch :)

von Alex G. 19.01.2010 14:29

Tatsächlich? Ich dachte, die hätten auch das Handtuch geworfen. Dann freu ich mich jetzt!

von Olivier H. 19.01.2010 15:36

@Zielgruppen-, ehm, Argument: Machst es dir da vielleicht etwas zu leicht. Doch selbst wenn - wem kümmerts? Musikalisch macht mir das Ganze (gerade das Debüt) jedenfalls Spaß, auch wenn ich nicht hundertprozentig in das von dir beschriebene Raster passe. Und wenn nicht Musik eine Streitfrage ist, dann ist es wohl Humor. Und so sehr liegt das Niveau hier auch wieder nicht im argen... @Innovations-Argument: Die ganze Huss Und Hodn-Kiste ist doch sehr von der Oldschool geprägt. Und muss die sich neuerfinden? Zumal Retrogotts recht markanter Flow zumindest für das gewisse Maß an Eigenständigkeit sorgen dürfte! @Deutscher-Rap: Bin ich auch kein großer Fan von grundsätzlich. Es gibt, gerade derzeit, wieder einige Ausnahmen, die durchaus einigen an Substanz vorweisen können; grundsätzlich würde ich jedoch da auch das vorziehen, was man so aus den Staaten vorgesetzt bekommt (auch wenn da ebenfalls stark Auslese geführt werden muss - aber das ist ja überall so). Huss Und Hodn gehören da für mich jedoch zu den wenigen deutschen Ausnahmen.

von b477le 06.02.2010 02:19

sehr schönes album:) btw. die neue von audio88 & yassin ist aktuell auch sehr zu empfehlen!!

von Olivier H. 06.02.2010 12:50

@b477le: Ich warte SEHNSÜCHTIGST auf das Teil! Liebe den Vorgänger und ohnehin alles von Audio88. Leider hat der Herr auf meine Interview-/Review-Anfrage nicht geantwortet, sodass ein Review erst kommen kann, wenn die Preorder bei mir eintrifft. Schade!

von knethirn 06.02.2010 20:17

gute platte. in sachen deutsch-rap ist aber der gute maeckes eh unabgefochten an der spitze. (:

von ... 06.02.2010 20:18

*unaNgefochten

Autor

Bild Autor

Olivier H.

Autoren Bio

"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

Suche

Social Media