Plattenkritik

I Am Giant - I Am Giant

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Release Date: 30.11.2012
Datum Review: 30.11.2012

I Am Giant - I Am Giant

 

Gleich morgen kauf ich mir eine neue Waschmaschine. Eine mit Doppel-A-Plus-Sparstufe und Sternchen. Damit waschen nämlich macht dem Klimawandel den Garaus. Und Neuseeland bleibt noch lange und vollständig erhalten. Wäre doch viel zu schade um das Land, die Leute und die wunderbaren Nebelschwadenrocksongs von I AM GIANT.

Ob auch die dürre Coverlandschaft das heimische Idyll der Band zeigt, spielt dabei keine Rolle. „Neon Sunrise“ passt allerdings perfekt in den Kassettenspieler eines verrosteten Straßenkreuzers, der hustend einen Wüstenhighway bezwingt. Und wenn dann Ed Martin mit geschrammelter Unterstützung zum Chorus ausholt - genau in dem Moment bricht das Leben mit dem neuen Tag hinein - ein typischer Fall von "Sunrise" eben. Aber I AM GIANT aus London (dem in Neuseeland) trauen sich auf ihrer EP (als Release zum Herantasten an Europa) noch mehr: „Black Hole Of My Heart“ – ebenfalls auf dem aktuellen Album „The Horrifying Truth“ zugegen - schwimmt durch sechseinhalb Minuten verhangenden Alternativerock und gleitet durch Stadien und Stimmungen ohne aus dem Konzept zu geraten oder hibbelig auf der Stelle zu herumzutänzeln.
Oder „Purple Heart Live In London“, dass den Abschluss der knapp halbstündigen Warmlaufphase bestreitet: Die Gitarren wieder plärrend - laut und dicht über dickem, wenn auch mainstream-hungrigem Rockgerüst. Mal Spuren von COLDPLAY, dann doch geradeaus und simpel - so wie sich die FOO FIGHTERS schulterzuckend und überlegen durch die eigene Karriere schlagen.

I AM GIANT nehmen den Mund dabei niemals nur halbvoll - wer sich noch nicht in der "IAG Army" verpflichtet hat, kann sich praktisch automatisch als dem Weltuntergang gewappnet ansehen. Vorher wird aber bitte noch brav das Gehör angespitzt, wenn sich Martin, Paul Matthews und Andrew Kerr ohne Drummer Shelton Woolright niemand Geringeren als SLIPKNOT zum Kerzenschein-Covern vorknüpfen. Magisch, wie das an THE CLASSIC CRIME und ihre Seattle-EP erinnert - und bei "Duality" schier funktioniert. Vielleicht ist es die Luft oder die Natur, die zu Hause Melodien und Harmonien en masse von den Bäumen schüttelt, so dass man sich kaum bücken muss zum Aufsammeln und Weiterverwerten.
Im Zweifelsfall einfach mal an die Bustür klopfen, wenn I AM GIANT in der Woche nach dem Release der selbstbetitelten EP durch Deutschland streifen. Bei der Qualität der Arrangements und der Fülle der Produktion bleibt sicher Zeit für einen Plausch über das viel zu weit entfernte und viel zu selten bedachte Neuseeland. Oder besser: Bis heute viel zu selten bedachte Neuseeland.

Trackliste:

1. Neon Sunrise
2. City Limits
3. Black Hole Of My Heart
4. Blood Money
5. Duality
6. Purple Heart Live in London

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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