Plattenkritik

I Hate Our Freedom - This Year's Best Disaster

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Release Date: 23.03.2012
Datum Review: 13.03.2012

I Hate Our Freedom - This Year's Best Disaster

 

Dieses Album ist wie das Bett im alten Jugendzimmer. Man ist längst ausgezogen und die Eltern nutzten den sich ergebenden Platz und richteten sich ein Gästezimmer ein. Auch wenn man letztendlich vor allem selbst darin schläft. Genau bei solchen Gelegenheiten spürt man sie noch, die vergangene Zeit. Heimliches Rauchen am geöffneten Fenster. Die erste eigene Anlage, bei der immer die Boxen geknackt haben, sobald eine bestimmte Lautstärke erreicht wurde. Provisorisch mit Klebeband, an den Dachschrägen, angebrachte Poster.

Aber das Einzige was wirklich übrig geblieben ist - das alte Bett. Man legt sich hinein und kennt jeden Winkel und jede Lücke im Federkern. Es ist sofort bequem und man kann sich trotz der knapp bemessenen Ausmaße ausbreiten.

Genauso ist This Year’s Best Disaster von I Hate Our Freedom. Auch hier bekommen alte Bekannte aus schon fast verblichener Vergangenheit wieder eine Hauptrolle. Mitglieder aus Bands wie Texas Is The Reason, Milhouse oder Thursday spielen hier voller Emphase und fast schon jugendlicher Energie auf. Möglicherweise, weil sie in ihren bekannten Vorgängerbands nie im Rampenlicht standen, oder auch einfach weil sie Spaß an der Musik empfinden.

Hört man sich die Songs an lässt sich eher zweiteres vermuten. "Jam New York City" prescht voller Energie nach vorne und erweist sich als ein Zwitter aus Quicksand und Thursday. "Sans Symapthie" drosselt die Energie etwas und schwelgt in 90er Emo Erinnerungen – Jimmy Eat World mit Wut. Auch ansonsten ist Schwelgen vielleicht das richtige Wort, denn über dem ganzen Album schwebt das Damoklesschwert der Nostalgie. Das schöne ist nur, dass sich I Hate Our Freedom dessen durchaus bewusst sind und einen Dreck darauf geben.

Man weiß genau woran man bei This Year’s Best Disaster ist. Die Band verleugnet ihre Herkunft nicht. Genau aus diesem Grund fühlt man sich beim Hören dieses Albums genauso schnell wohl, wie wenn man in seinem alten Bett im Elternhaus liegt. Man kennt es, weiß wo man es sich am bequemsten macht und wo es vielleicht etwas kratzen kann. Nichtsdestotrotz ist man nach einigen Tagen froh (mit leichten Rückenschmerzen) wieder in seine Wohnung zu fahren und sich in sein eigenes Bett zu legen.

Tracklist

1. Jam New York City
2. Sans Sympathie
3. Cut You In
4. Second Telling Of A First Degree
5. Letterbomb
6. Set It Off
7. The Poison And Pen
8. Godamn
9. Add Suicide To The List Of Things You Failed At
10. You’re Perfect, No Really

Alte Kommentare

von jensen 21.03.2012 11:27

Längst nicht mehr so hart und aggressiv wie das Debüt, aber trotzdem supergut!

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Kilian

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