Plattenkritik

Ichor - Benthic Horizon

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Release Date: 22.10.2010
Datum Review: 20.10.2010

Ichor - Benthic Horizon

 

Plastik-Death-Metal triffts am besten. Wird Zeit, dass die neue Morbid Angel rauskommt!

Anfang der 90er Jahre musste ein kleiner Sack zum Zivilehrgang nach Trier. Drei ganze Wochen lang. Schon die Fahrt dahin mit dem Zug bereitete Kopfschmerzen ob der Trostlosigkeit der kommenden Wochen. Aber dann kam alles ganz anders, die älteste Stadt Deutschlands konnte überzeugen. Das lag an diversen Substanzen, coolen Verweigeren und natürlich am Exzellenzhaus, kurz Exhaus. Was sich dort abspielte, nachdem einem auf den Weg dorthin die Gullideckel in die Schnauze pflogen, kann nur mit Dauerfilmriss beschrieben werden. Genau diesen bereiten ICHOR auf ihrem zweiten Album, als Kinder dieser Stadt erinnern sie auf „Benthic Horizon“ an genau diese Wochen. Unter dem Deckmantel des Death Metals liefern sie den Soundtrack zum drauflosprügelnden Verlangen, einfach mal alles beiseite zu schieben und sich und seinen metallischen Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Brutal as fuck geht es auf „Benthic Horizon“ zu, wobei dem traditionellem Death Metal genauso gehuldigt wie eine unverhohlene Sympathie zu dessen moderneren Variante offen zur Schau getragen wird. Dabei haben aus Zeitgründen keine Intros, Outros, Zwischenklimpereien oder Gitarrensoli Platz genommen, es gibt von 1. bis 9. nur derbe auf die Glocke. Vor allem definieren sich die fünf ICHORokesen durch eine technisch ausgefeilte, aber immer songdienliche Gitarrenarbeit, die den großen Vorbildern des amerikanischen Todesbleis in nichts nach steht. Wobei auch die Skandinavier nicht zu kurz kommen, allerdings wurden die melodischen Leads gut versteckt und erst nach einigen Runden freigespielt. Dann setzt die Schlagzeugarbeit ind dermaßen ausgefülltes Fundament, dass kaum Zeit zum Durchatmen gewährt wird. Und dann erst das Grunzen, meine Güte, im ersten Augenblick schien es, dass der AUGUST BURNS RED Shouter nur noch voluminös zur Sache geht und im Rahmen einer Besichtigung des Trierer Domes eingefangen wurde. Zwischen höllischer Raserei und fiesen Breaks ist in der Mitte ein kurzes Zurücknehmen in den Midtempogroove platziert worden, der an ein plötzliches Schalten in den Rückwärtsgang bei zweihundert Klamotten nachspielt. Das alles ist verpackt in einen höchst lebendigen Sound, der bei extremer Fetthaltigkeit nicht zu dick aufträgt. Mit „Benthic Horizon“ in der Hinterhand brauchen ICHOR keine internationale Konkurrenz zu fürchten, ein solch brachiales Death Metalwetter haben in letzter Zeit nur wenige Bands auf die Rillen geschweißt und als Lückenfüller für Releases längst ausgelutschter Bands (siehe Prolog) sind sie schon längst viel zu gut. Absoluter Pflichtkauf für alle Death Metal Maniacs, die drei Wochen Zivildienst in Trier Anfang der 90er Jahre nachspielen wollen.

Tracklist:
1. The Gorgon
2. Barotrauma
3. Conquest Of Darkness
4. The Wreckage
5. Among The Swarm
6. ...more Victims
7. The Depth Within
8. The Deepest Blue Is Black
9. Possessor Of Soil

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Clement

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Ich fühle mich zu alt