Plattenkritik

Immolation - Majesty And Decay

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Release Date: 05.03.2010
Datum Review: 26.02.2010

Immolation - Majesty And Decay

 

Man hat sich nicht verändert - nur die um einen. Oder: Es ist egal, ob man vor seinen Kindern da war; irgendwann überholen sie einen trotzdem. IMMOLATION sind dieser altgewordene Papa, der so langsam Probleme mit seinen Gelenken bekommt, und dem das ein- oder andere graue Haar wächst. Und die Kinder? Die haben von Papa alles nötige gelernt – und stehen irgendwann dann auf eigenen Beinen. Doch IMMOLATION sind nicht allein: Mit ihnen altern viele. Hin und wieder schafft es dann auch einer dieser älteren Semester, noch einmal Akzente zu setzen; das gelang zum Beispiel letztes Jahr überraschend taufrisch den Death Metal-Urgesteinen ASPHYX und SUFFOCATION – Alben, welche man in solch einer Intensität wohl kaum erwartet hätte. Wobei: Schon HAIL OF BULLETS (welche trotz ihres Supergroup-Charakters sowas wie der siamesische Zwilling ASPHYXs sind) zeigten ein Jahr zuvor der Jugend, wie man’s macht.

Können das IMMOLATION auch? So richtig noch Akzente setzen? Wie gesagt: Es hat sich nichts verändert – nur die Umstände. Oder so. Jedenfalls, das heiß: IMMOLATION machen Anno 2010 immer noch technischen, leicht vertrackten Death Metal mit Hang zu höllischen Schreckensszenarien - und sie machen es auch immer noch gut. Aber diese „Jungen“ um sie herum – obgleich sie überhaupt ein möglicher Grund für ihre Existenz sind -, diese Jungen spielen das, was IMMOLATION früher mal gemacht haben mittlerweile aus dem FF. Sicherlich nicht (immer) derartig bedrohlich wie beispielsweise auf „Close To A World Below“, aber so sehr man dieser Welle „Extreme“-Metal-Bands Einfallslosigkeit vorwerfen kann, so sehr muss man doch oft auch vor ihren technischen Fertigkeiten den Hut ziehen. Und selbstverständlich gibt es da draußen noch genug, die sowohl mit ihren Instrumenten umgehen, als auch spannende Songs schreiben können.

Und wenn man sich nun so als völlig dahergelaufener (dem Death Metal aber nicht abgeneigter) die neue IMMOLATION gibt – ohne zu wissen, dass diese Band mal qualitativ hochwertig wie einflussreich war -, wie wird man dieses Album aufnehmen? - Man wird es zunächst als „durchschnittlich“ abtun. Natürlich ist es das nicht; das weiß man spätestens nach 3-4 Hördurchgängen. Aber IMMOLATION haben ganz klar an Aussagekraft verloren. Einfach, weil die Szene mitgewachsen ist – nicht, weil sie sonderlich schlechter geworden sind. Das macht „Majesty And Decay“ in seiner Konsequenz irgendwie zu einen zwar soliden und für Fans sicherlich lohnenswerten Stück Musik, gleichzeitig aber auch irgendwie verzichtbar. 7 (der eigentlichen Qualität halber) gerechte Punkte, aber mit komischem Beigeschmack.

Alte Kommentare

von twin 26.02.2010 21:18

gutes review. die szene ist mitgewachsen...ja das stimmt, aber manchmal vermiss ich die zeit in der man ein album wie "non so vile" zum ersten mal hört und total geplättet ist. jetzt hat man irgendwie das gefühl, besonders im deathmetal bereich, alles schon 1000mal besser gehört zu haben.

von Olivier H. 26.02.2010 21:40

Erstmal: "None So Vile" ist sooo gut! ;) Ansonsten: Kann ich verstehen wenn man das so empfindet, und ich kann auch verstehen, wenn sich Leute derartig krass an die 90er klammern, wenn's um Death Metal geht - 8/10 meiner Lieblingsplatten aus dem Bereich, so würde ich mal pauschal sagen, stammen auch aus der Zeit. Aber es gibt schon immer mal wieder noch so Alben, die einen so richtig vom Hocker reißen, z.B. die letzte Ulcerate, die letzte Origin, und wie gesagt auch die letzten beiden Platten von Suffocation und Asphyx, die ich nie im Leben als so gut eingeschätzt hätte! Dazwischen gibt's halt auch viel austauschbaren Müll, aber solchen gab's wohl damals sicher auch!

von twin 26.02.2010 21:59

ja das stimmt wohl, ab und zu kommen bands wie suffocation mit nem riesen stinkefinger ausm studio und zeigen allen jungspunten wo der frosch die locken hat. aber so richtig beeindrucken kann halt irgendwie keiner mehr wie in den "90ern". macht aber nix:) manchmal trau ich mich mir vorzustellen wie death sich entwickelt hätten...und die ganze szene mit ihnen. aber das bleibt wohl für immer utopie

von Olivier H. 27.02.2010 00:19

Waren Death nicht eh aufgelöst, und er (also Chuck) wollte sich nur noch auf Control Denied konzentrieren? Aber ja, denen hätte ich auch noch viel zugetraut, hatten ja von Anfang bis Ende durchweg Klasse geboten und auch die Entwicklung des Death Metals entscheident voran getrieben. Schon komisch, dass dann mit dem Ende von Death auch die Entwicklung des Death Metals allgemein (klammert man mal Deathcore aus) keine Quantensprünge vollzogen hat...

von Arndt 09.03.2010 17:06

schön differenziertes review

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Olivier H.

Autoren Bio

"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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