Plattenkritik

In Solitude - Sister

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Release Date: 27.09.2013
Datum Review: 24.09.2013

In Solitude - Sister

 

Erarbeiteten sich IN SOLITUDE mit ihren ersten beiden Alben „In Solitude“ und „The World. The Flesh. The Devil“ den Ruf eine großartige, von MERCIFUL FATE inspirierte, Heavy-Metal-Band zu sein, haben sie diesen Einfluss auf ihren dritten Album fast komplett abgestreift. Statt Twin-Gitarren durchzieht „Sister“ ein fast Post-Punkiger Vibe, der den finsteren Songs der fünf Schweden vortrefflich steht. Ob diese Veränderung nur daher Tatsache geschuldet ist, dass IN SOLITUDE den Songwriting-Prozess zu „Sister“ drastisch gekürzt haben, bleibt offen. Fakt ist jedoch, dass das Resultat auch nach unzähligen Durchläufen noch frisch klingt und allerlei Überraschungen bereithält.

Das akustische „He Comes“ leitet dabei perfekt in das Album ein und setzt den Hörer schon früh der dichten Atmosphäre des Albums aus. Übergangslos geht es mir dem straighten „Death Knows Where“ weiter, das ähnlich wie „Lavender“, ein gutes Beispiel dafür ist, dass IN SOLITUDE trotz ihres leichten Stilwechsels nichts an ihrem Talent eingebüßt haben. Weiterhin präsentieren sie vielschichtige Lieder, die einen mit ihren Melodielinien bis in den Alltag verfolgen. Vielleicht benötigt „Sister“ ein paar Durchläufe mehr als die beiden Vorgängerscheiben bis man die wirkliche Größe dieser Lieder erkennt und feststellt, dass IN SOLITUDE auch ohne MERCIFUL-FATE-Kante funktionieren.
Eine ganz neue Facette des Schaffens zeigt man auf „A Buried Sun“. Dieses wirkt fast schon introvertiert und lässt Metal-Elemente fast gänzlich vermissen. Gemächlich baut sich dieser Monolith vor dem Hörer auf, um schließlich in einem großen Nichts wieder zu zerfallen. Die unterschwellige Wut der Vorgängeralben ist hier, wie auch auf dem restlichen Material des Albums, nahezu komplett Melancholie gewichen. Doch IN SOLITUDE haben sich nicht nur in Sachen Musik verändert, auch Sänger Pelle "Hornper" Åhman singt auf „Sister“ besser und facettenreichen als je zuvor. Hatte er schon immer eine sehr ausdrucksstarke und markante Stimme, ist es ihm gelungen, seine Präsenz noch einmal zu verbessern - „Horses In The Ground“ (Mit Gastbeitrag der großartigen JARBOE) sollte hier als Anspiel-Tipp dienen.
Den letzten Schliff bekommt das Werk durch die rohe, authentische Produktion, die dem Album Volumen gibt, die einzelnen Instrumente perfekt in Szene setzt und die einzigartige Atmosphäre zu dem noch einmal unterstreicht.

Gelang es IN SOLITUDE schon auf ihren bisherigen Werken eingängige Melodien mit interessanten Strukturen zu kombinieren, haben sie nun ihre eigene kleine Nische fernab von BLACK SABBATH und MERCYFUL FATE zu besetzen. Es ist nicht auszuschließen, dass das Quintett mit „Sister“ eine große Anzahl von Fans verschrecken oder gar verlieren wird. Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist es IN SOLITUDE nicht hoch genug anzurechnen, dass sie Genre-Grenzen rigoros überschreiten und mutig neue Wege betreten.



Tracklist:

01. He Comes
02. Death Knows Where
03. A Buried Sun
04. Pallid Hands
05. Lavender
06. Sister
07. Horses in the Ground
08. Inmost Nigredo

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Manuel

Autoren Bio

Ich schreibe Artikel. Manchmal schlecht, manchmal gut, immer über seltsame Musik.

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