Plattenkritik

JOEY CAPE - Stitch Puppy

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Info

Release Date: 04.09.2015
Datum Review: 17.08.2015
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. Me The Witness
02. This Life IS Strange
03. Gone Baby Gone
04. Spill My Guts
05. St. Mary's
06. Broken
07. Cope
08. Faultlines
09. Moral Compass
10. Tracks

JOEY CAPE - Stitch Puppy

 

Auf seinem dritten Soloalbum dreht und wendet sich JOEY CAPE fleissig weiter - aber findet auch nach einunddreißig verhaltenen Minuten den Lichtschalter nicht. Wo er zuvor noch mit seiner Hauptband bemüht war sich mit alternativer Aufgabenstellung zu fordern, stellen sich auf "Stitch Puppy" immer neue dunkle und schwerere Laster in den Weg des (mittlerweile) Fulltime-Daddys und Parttime-Punkrocksängers.
 
Auch "Stitch Puppy" ist - zumindest vom Titel her - von CAPE´s zuckersüsser Tochter Violet inspiriert. Eine Familienangelegenheit. Wenn Papa die Jahre ins Land ziehen sieht und sich unfreiwillig mit dem Älterwerden auseinandersetzt, kann man Songs wie dem minimal instrumentierten "St. Mary´s" das nicht vorwerfen. "Me The Witness" beobachtet wie ein akustisches LAGWAGON-Intro - seufzend, mürrisch und ganz hinten in der letzten Ecke des Kellers. "I´m coming home, to life unknown" lenkt der Kalifornier ein, bis Streicherarrangements die Stimmung des Opener sogar noch ein bisschen mehr drücken. Gedankenströme dieser Art kann sicher jeder unabhängige Berufsmusiker Ü45 nachvollziehen. "Stitch Puppy" aber steckt nicht den Kopf in den Sand - auch versinkt die 10-Song starke Platte nicht in Verzweiflung oder Schwarzmalerei. "Gone Baby Gone" sitzt mit Piano, Schellenkranz und Whisky an der Bar und erzählt in typischer JOEY CAPE-Manier - und in typischem JOEY CAPE-Tenor. Überhaupt steht vieles auf dem Nachfolger zu "Doesn´t Play Well With Others" still, aber eben nicht im negativen Sinne. Chris Cresswell (der genau wie USELESS ID´s Yotam Ben Horin bei mehreren Stücken aushilft)  greift "Spill My Guts" ganz ungewohnt glatt unter die Arme, zu "Broken" eilt dank Capes Weggefährten Brian Wahlstrom bloss ein gedämpftes Piano herbei, um CAPE aus der Melancholie zu befreien. Familie, Zugehörigkeit, Trauersituationen - gegen all das stellt sich "Stitch Puppy". "Moral Compass" packt noch eine Schippe drauf und beginnt, als hätte man JACK JOHNSON das Surfen und barfuß sein gleichzeitig verboten. Dann klart der Himmel auf, zur Erkenntnis "You were born to panoramic views and any shoes you choose" taucht ein Schlagzeug auf und verleiht sonnigen Fußgängerzonen-Charme. Warum JOEY CAPE die hin und wieder eher zweckmässig statt intensiv anmutende Veröffentlichung zwischen LAGWAGON-Reanimation und internationalem Festival-Reiseplan drückt - ein Blick in den Personalausweis des Capers verrät etwaigen Hang zur Torschlusspanik. "Stitch Puppy" ist JOEY CAPE durch und durch. In manchen Momenten auf musikalischer Sparflamme, aber mitunter menschlich und emotional nachvollziehbar.
 
 

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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