Plattenkritik

Jeff Rowe - Bridges I Divides

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Release Date: 21.09.2012
Datum Review: 19.12.2012

Jeff Rowe - Bridges I Divides

 

Auch wenn es eng wird: Sobald sich die Türen des vergilbten Reisebusses schließen und die Münder der Insassen vor Erwartungshaltung offen stehen – irgendwo kann sicher noch jemand aufrücken und etwas Platz machen für einen weiteren, gar nicht mehr so einsamen Barden aus dem Norden über Boston. Muffiges Hemd? Alkoholfahne? Eh! JEFF ROWE hat sich über die Jahre dran gewöhnt.

Die Butterfahrt, die dem Westerngitarrenpunker den Boden unter den Füßen wegzerrt, muss erst noch geboren werden. Zuvor überbrachte dieser voller Stolz – aber mitunter auch beklemmterer Note die „Barstool Conversations“, zwei Jahre später ist Rowe um einige Mitmusiker und hell aufgeregte Geschichten reicher. „Adella“ berichtet zwar mit wackeliger, aber deutlicher Stimme und bedient sich der Turner´schen Trickkiste: Mehr ist oft mehr. „Bridges / Divides“ klotzt daher auch mal mit Schlagzeugfülle statt Thekennickerchen („Penny Sake“) – oder drolliger AGAINST ME!-Schleifspur, wie „State Of Loneliness“ sie nicht abstreiten kann.
JEFF ROWE ist dabei weder geleckter Popstarklopfer noch dauerbreiter Asselpunk – der ehemalige BOXING WATER-Kopf setzt auf Kumpeltyp und schafft so mit den zehn Songs um das energische „Flying Lessons“ und die ergebene Story in „40 Hour Second Best“ den Anschluss an seine Mitreisenden: Wo FRANK TURNER zwar schon hellwach, TIM BARRY aber noch zu extrovertiert verärgert ist - hat der gelernte Bierbrauer aus Massachusetts schon die Badehose an und türmt Richtung Lebensmitte. Dabei schreckt er nicht vor der verzerrten Gitarre zurück, die „Irish Goodbye“ einen Lautstärkeakzent verleiht – noch weniger interessiert sich Rowe für ein „links“ und „rechts“ neben „Simple & Fair“.

Wie ein gutes Bier – so scheint es JEFF ROWE in beiderlei „Karrieren“ gelernt zu haben – braucht auch „Bridges / Divides“ Zeit zum sacken, zum sich setzen und rund werden. Zweifel an der dünnen, sich oft in den Vordergrund (d)rückenden Stimme können so beständiger und einstimmiger beseitigt werden – und sich stattdessen den Inhalten der kleinen Geschichten aus dem Leben, dem Damals und dem „Was-wenn“ zugewandt werden. Diese tragen zumindest alle Male mehr Potential in sich als ein ganzer Bus voll ausflugsgeiler Rentner.

Trackliste:

01. Penny Sake
02. Irish Goodbye
03. Flying Lessons
04. Housekeepers Son
05. The Absence
06. Simple & Fair
07. State Of Loneliness
08. 40 Hour Second Best
09. Adella
10. Lonely Blood

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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