Plattenkritik

Jill Cunniff - City Beach

Redaktions-Rating

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Release Date: 14.09.2007
Datum Review: 17.09.2007

Jill Cunniff - City Beach

 

Es kommt selten vor, dass eine Platte, die so blassrosa, so betont unschuldig und freundlich aufgemacht ist, so begeistern kann. Dabei legt man sich schon die ganzen niederschmetternden Adjektive zurecht: kommerzieller Mädchenpop, lahmes Radiogedudel, uninspirierte Geldmacherei, bösartige Labelpolitik. All das ist JILL CUNNIFF aber eben doch nicht. Und wenn schon, es würde keine Rolle spielen, denn die Sonne scheint und „City Beach“ ist das mit Abstand beste Pop-Album des Jahres.

Dabei hätte man von JILL CUNNIFF nicht unbedingt Pop erwartet. Die langjährige Freundin von Mike D. und Co. war in jungen Jahren Mitglied bei diversen Punk-Bands und hatte ihre Warholschen 15 Minuten Ruhm in den 90ern, als sie auf dem BEASTIE BOYS Label „Grand Loyal“ Bassistin der Alternative-Girl-Band LUSCIOUS JACKSON war, die Trip-Hop Beats und eingängigen Rock miteinander verknüpften. Einige Alben und einen Platz im „Clueless“ Score später, war es dann aus mit „Grand Loyal“ und die Band ging getrennte Wege. Mit „City Beach“ gibt nun CUNNIFF ihr Solo-Debüt und beweist Gespür für großartigen Pop im LUSCIOUS JACKSON Gewand. „City Beach“ versteht sich als Soundtrack für den Sonnenuntergang über den Dächern der Großstadt. Mal verträumt, mal mit einer diebischen Freude an Beats und Melodien und immer wieder einer unheimlich ansteckenden Entspanntheit. Das fängt schon mit „NYC Boy“ an, Trip-Hop Beats, Bläser-Riffs, eine schrammelige Gitarre, Funk und ein Flötensolo. Ein Flötensolo! Wo gibt es das mal wieder? Und es passt auch noch. All das unterlegt mit CUNNIFFS sanft schwebender Stimme ergibt einen wirklich zauberhaften Mix. Kleinere Ausfälle in Richtung Radio-Pop gibt es zwar hin und wieder („Future Call“), aber die fallen erstaunlicherweise nicht auf. Als Referenz mag dienen, dass das Verfassen dieser Zeilen zur Musik von JILL CUNNIFF unnatürlich lange gedauert hat, zu sehr regt „City Beach“ eine Siesta an. Um es mit berühmteren Worten zu sagen: „I know it’s only pop, but i think i like it“

Tracklist:

1. Lazy Girls
2. Happy Warriors
3. NYC Boy
4. Warm Sound
5. Eye Candy
6. Apartment 3
7. Love Is A Luxury
8. Exclusive
9. Kaleidoscope
10. Future Call
11. Calling Me
12. Disconnection
13. Last Summer
14. Pop Lust

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Dennis

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