Plattenkritik

Jimmy Eat World - Invented

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 24.09.2010
Datum Review: 25.09.2010

Jimmy Eat World - Invented

 

Na, wer hatte noch so große Hoffnungen in “Invented” gesteckt? Mark Trombino produziert endlich wieder, sogar Tom Linton darf nochmal ans Mikro. Alles klang so vielversprechend. Und dann der Vorab-Song „My Best Theory“. Das ist nicht die Band, die mit „Static Prevails“, (allen voran) „Clarity“ und „Bleed American“ ein Dreierpack an Meisterwerken veröffentlicht hat, das sind nicht mehr diese sympathischen Typen die man sich sonst so gut bildlich hinter den Songs vorstellen konnte. Nein, das passt so gar nicht mehr zu den Boys aus dem „Lucky Denver Mint“ Video, die so sympathisch auf die Fresse bekamen und danach so liebevoll austeilten. Wer jetzt, mit dem siebten Album also das Leid trägt, das sind die Fans, die eben ihre Hoffnung hier herein gesteckt haben.

„Invented“ beginnt dabei unverschämterweise mit einer Lüge: a heart is hard to find singt Jim Adkins da und beweist vor allem: Herz, das hat er noch. Was für ein toller Opener. Vielleicht etwas zu sehr behangen mit einem seichten Glockenspiel, aber sonst doch schon einmal besser als „Chase This Light“ in Gänze. Nachfolgend die Single „My Best Theory“. Klarer Fall für die Skip-Taste, das hier hat nichts mehr mit JIMMY EAT WORLD zu tun. „Evidence“ dann ist ein typischer Fall für diese „Chase This Light“ Platte. Irgendwie natürlich ein guter Song, aber einfach zu beliebig, viel zu glatt und absolut ohne diese Leidenschaft, die man sonst in den JEW-Songs erkannte. Das nachfolgende „Higher Devotion“ besticht durch ähnliche Unhörbarkeit wie die Single, da Jim Adkins seine Stimme mit Hilfe einer Gastsängerin etwas zu hoch hebt. Dabei hätte man mit einer Gastsängerin sicherlich einen besseren Song basteln können. Auch „Movielike“ dümpelt etwas beliebig vor sich her, während „Coffee & Cigarettes“ dank des Refrains wenigstens ins Ohr geht. Leicht macht diese Band es einem nicht. „Stop“, der Song den man bereits von „Chase This Light“ als Demo-Version kannte, wurde auch hier so glatt wie nur möglich gebügelt, ebenso wie das kitschige, dennoch sehr schöne „Littlething“. Und jenes leitet dann auch irgendwie in die starke Seite dieser Platte ein. „Cut“ ist ein ziemlich rührendes und trauriges Lied, besticht durch dichte Instrumentierung und schöne Lyrics. Danach dann die größte Enttäuschung an der ganzen Sache: „Action Needs An Audience“, gesungen von Tom Linton. Der Song an sich erinnert ein wenig an die Rechtfertigung „Nothing Wrong“ von „Futures“, ist aber einfach gestraft von soviel Stadion-Atmosphäre, dass man schon fast vergisst, wie bearbeitet man die Stimme von Linton wahrnimmt. Neben „My Best Theory“ das definitiv schlechteste Lied, welches diese Band jemals aufgenommen hat.
Das Titelstück „Invented“ hingegen ist eine einzige Freude. Die ersten vier Minuten hätten ebenso auf „Bleed American“ gepasst, der Teil, der danach kommt hätte zu den stärksten Momenten auf „Futures“ gehört. Sie können es also doch noch. „Mixtape“ gleicht dann sehr „Shame“, packt aber einmal mehr diesen großartigen Refrain aus, den JIMMY EAT WORLD einfach beherrschen. Und wenn Jim Adkins dann singt: “it’s to late, you can’t walk away now“ dann wird man sich auch wieder dessen bewusst, dass Adkins hier von sich und seiner Band singen könnte.
Denn JIMMY EAT WORLD haben diesen Weg eingeschlagen, sie entschieden sich nach „Bleed American“ für den straighten Weg aus den Herzen in die großen Hallen und meisterten das bis zu „Chase This Light“ ziemlich gut, während sie mit jener Platte arg versagten. „Invented“ läutet zwar nicht das Ende dieser Zeit, somit also den Weg zurück ein, dafür zeigt diese Platte mit seinen 3-4 wirklich großartigen Momenten , dass bei JIMMY EAT WORLD nicht alles verloren ist.
„a heart is hard to find“ – Man weiß eben noch immer wo man suchen kann.

Tracklist:

1. Heart is hard to find
2. My best Theory
3. Evidence
4. Higher Devotion
5. Movielike
6. Coffee & Cigarettes
7. STop
8. Littlething
9. Cut
10. Action Needs Audience
11. Invented
12. Mixtape

Alte Kommentare

von wayne_schlegel 25.09.2010 12:53

ich versuche seit gestern, die platte ins herz zu schließen und die enttäuschung nicht gelten zu lassen. aber da war mehr drin!! gute kritik, hätte ich nicht besser wiedergeben können!

von zutreffend 26.09.2010 14:21

Ja, völlig zutreffend die Rezension. Eine JEW ist grundsätzlich immer ein "besonderes Album", dem man mehr Zeit widmet. Aber so richtig funktioniert diese CD auch nicht bei mir. Manchmal einfach zu belanglos und auch in den für diese CD großen Momenten erreicht es mich einfach nicht mehr. Ähnlich wie bei The Get Up Kids ist bei mir da leider die Faszination etwas verloren gegangen. Schade...

von rolfe 29.09.2010 08:32

hab irgendwie noch keine meinung zu dem ding..

von solea 10.10.2010 17:09

gute Kritik, verstehe aber nicht, dass action needs audience so niedergebühgelt wird. Und movielike finde ich nicht "dümplend" sondern einen der besten songs der Platte :)

von Charlie 12.10.2010 12:12

Also ich finde das Album nicht schlecht. "My Best Theory" ist ein tolles Lied..da ist so richtig Dampf hinter! Ich habe es jetzt schon ein paar mal gehört und es gefällt mir immer mehr.

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Raphael

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