Plattenkritik

Joey Cape - Doesn´t Play Well With Others

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Release Date: 22.06.2012
Datum Review: 18.06.2012

Joey Cape - Doesn´t Play Well With Others

 

Die fotogene Ballerina aus dem Wohnzimmer sieht kaum aus wie Mitte vierzig, spätestens aber nach Sichtung des Lebenslaufes von Mister Joseph Cape werden die Hochs und Tiefs, die der kalifornische Punkrock-Papa bereits genießen durfte bzw. musste, entschlüsselt. Zuerst mit Baggyshort, dann doch solo, dann wieder LAGWAGON, auf einmal SCORPIOS - oder mit ME FIRST & THE GIMME GIMMES – wofür braucht der Mann überhaupt noch ein so großes Wohnzimmer?

Mindestens für das Spielzeug seiner Tochter Violet, die „Doesn´t Play Well With Others“ nicht nur mit gebührender Unterstützung eröffnet, sondern mit ihrer niedlichen Gaststimme bei „It´s Always Sunny“ auch für einen der wenigen großen Aha-Momente des zweiten CAPE´schen Soloalbums sorgt. Die zwölf neuen Songs aus der Feder des fröhlichen Familienvaters (zuvor bereits einzeln als monatlicher Download erschienen) sind weder banal noch dröge – auch wenn sich der Kalifornier mittlerweile leicht durchschauen lässt. Ob auf der frischen (Nachfolge-)Split-LP mit Kollege und Kumpel Tony Sly an alten Klassikern schraubend oder hier bei ruhig arrangierten Songs wie „Uniform“ oder dem flächigen „I´m Not Gonna Save You“ – JOEY CAPE und seine sofort einzuordnende Stimme verstecken keine Ostereier – sondern legen „Going For The Bronze“ und „No Mirror“ lieber gleich ohne Geschenkpapier unter den Baum. Zu Teilen tut „Doesn´t Play Well With Others“ das auch gut – trotz den sich komplett auf die Akustikgitarre konzentrierenden Stücken poliert der sympathische kleine Sänger an den richtigen Stellen mit dichten Chören, Cello oder sogar Akkordeon und Horn herum.

Bei „Montreal“ klingt das nicht annährend überladen – im Gegenteil: Der persönliche Beigeschmack in Verbindung mit eher unalltäglichen Instrumenten lässt die Ohren spitzen und die Stimmung wallen – in Gedanken sieht man schon die nächste Café-, Keller- oder Galeriebühne, die JOEY CAPE entert und ein weiteres Mal erfolgreich verlässt. Nicht immer will „Doesn´t Play Well With Others“ zünden oder fesseln – dank dem Rundumschlag, den „The Greatest Generation“ sehr vorsichtig, „The Fish-Rods From The Head-Case Down“ umso aufbrausender einleiten, schafft die Platte trotzdem eine einheitliche, knapp vierzigminütige Spazierfahrt von Folk bis Pop.
Und nachdem man Joey nun auch in seinem liebsten und persönlichsten Heim-Dress kennt, muss man dem „eher-weniger“ Workaholic mindestens den bronzenen Platz auf dem Treppchen zuweisen.

Trackliste:

01. Going For The Bronze
02. Okay
03. It’s Always Sunny
04. The Fish Rots From The Head-Case Down
05. Montreal
06. Drag
07. Uniform
08. The Greatest Generation
09. The Mirror
10. I’m Not Gonna Save You
11. A Song For The Missing
12. I Always Knew This Was Going To End Badly

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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