Plattenkritik

John 5 - God Told Me To

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Release Date: 11.05.2012
Datum Review: 30.04.2012

John 5 - God Told Me To

 

John Lowery ist vielleicht nicht der perfekte Schwiegersohn - mit seinem schaurigen Aussehen, den vielen Tintenbildern und der frechen Horrorvisage dürfte er in der falschen Nachbarschaft für ängstliche Flüstereien und doppelt verriegelte Eingangstüren sorgen. Also verbringt der Musiker aus Michigan den Großteil seiner Vergangenheit einfach mit seiner Gitarre. Diese beschwert sich nie, steht ihm stets verlässlich zur Seite und hilft ihm dabei, sein Leben als wahrer Gniedelpapst zu bestreiten. "God Told Me To" ist ein weiteres Mal die vertonte Stippvisite in der Verstärkerhalle der Frankfurter Musikmesse.

Wer keinerlei Mitgefühl für sein Trommelfell hegt, der erfreue sich dem Dezibelmarathon und dem Wettkampf der selbsternannten Besten der Besten der Besten. Im Gitarre spielen versteht sich. JOHN 5, wie sich Lowery mittlerweile nennt, hat das bereits fünf Soloalben beschert - nun folgt sein sechstes, welches er mit Hilfe seiner Genre-Leidensgenossen aus dem ROB ZOMBIE-, BLACK SABBATH- oder MÖTLEY CRÜE-Umfeld (Bob Marlette, Chris Baseford) erschaffen hat: Vierzig Minuten gnadenloses Saitengerödel in Saus und Braus - von Metalgeshredder ("Welcome To Voilence") über Hardrockpatterns ("KiIllafornia") bis zu akustischer, weltmusikalischer Fingerkunst ("The Castle") hat das ehemalige Vollzeitmitglied der MARILYN MANSON-Familie brav an alles gedacht, was sich selbst und die Saiten, die das Leben bedeuten, großzügig abfeiert. Seine Technik, die spielerische Aspekte aus Country und Metal gewitzt vereint, lässt sich nicht ankreiden. Nicht umsonst unterschreibt ROB ZOMBIE mittlerweile die Gehaltschecks des 42-jährigen, der mit seiner Telecaster und einem handwerklichen Spektrum von spanisch bis satanisch die Ohren jener erfreut, die sich verknüpftes instrumentales "Um-die-Wette-Getappe" inklusive Schulterklopfen auf Albumlänge geben wollen. Zombie selber schüttelt noch einen Pinselstrich aus dem Ärmel - fertig ist auch das Artwork zu "God Told Me To".

Aber vorsicht: Wer nicht nachvollziehen kann, dass man etwa einen eigenen Flugzeugsitz erster Klasse für sein Instrument buchen würde oder denkt, 150.000 Dollar seien zu viel Geld für eine 1950er Broadcaster, der wird sich mit der Arbeit von JOHN 5 gar nicht oder nur auf einer Ebene anfreunden, die derer nicht gerecht wird. Besitzt man jedoch separate Effektboards für Seele und Geist oder joggt nachts im Schlaf mit dem Gehirn über Tonleitern zum "Chicken Pickin´", so darf man besessen sein von "The Hill Of The Seven Jackals" und seinen drögen Drumspuren, die fast wie Soundsamples einfallsloser Equipmenthersteller klingen. Oder zu "The Lie You Live" und seinen akustischen Licks entspannen, wo andere Fahrstuhlmusik enttarnen.
Das höchste der Gefühle gibt es jedoch vor dem akustischen Anstrich des Solowerkes: Die ebenso instrumentale Interpretation von "Beat It" inklusive lobender Huldigung von Eddie Van Halen´s berühmten Solo. Demnächst zu finden als Gratisbeilage einer Fachzeitschrift Ihrer Wahl. Oder unter den Besten der Besten, live und in Farbe - auf der nächsten Musikmesse. An einem Stand Ihrer Wahl.

Trackliste:

01. Welcome To Violence
02. Beat It
03. Ashland Bump
04. Killafornia
05. The Castle
06. The Hill Of The Seven Jackals
07. Noche Acosador
08. The Lust Killer
09. The Lie You Live
10. Creepy Crawler

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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