Plattenkritik

Joyce Manor - Of All Things I Will Soon Grow Tired

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 21.09.2012
Datum Review: 26.09.2012

Joyce Manor - Of All Things I Will Soon Grow Tired

 

Eines Tages hat Barry Johnson sich offenbar geschworen, die Motivation für jeden neuen Tag seines Lebens auf keinen Fall aus seiner Musik zu schöpfen. Woraus sonst – und mit welchen Heimarbeiten sich der singende Griesgram einen Abend ganz nach seinem Geschmack gestaltet, erklärt "Of All Things I Will Soon Grow Tired" ungeduldig und über ausartende Albumlänge.

Die dreizehn Minuten, die das zweite „Album“ von JOYCE MANOR aus Los Angeles quasi in der Zigarettenpause zu einer Herzensangelegenheit machen, gestaltet Johnson mit seinem erwiesenem Faible für Grobianrock und einer Grundstimmung, als hätte man ihn plus Band nachts um halb vier mit einer Druckluftfanfare aus dem Bett geholt. „So Don’t You Be My Black Plastic Case For Your Glasses“ quengelt der dürre Frontmann, bevor der Opener „These Kind Of Ice Skates“ noch unter der Minutenmarke seine Aufmerksamkeitsspanne ablegt. Sechzig Sekunden schrammeln und das Ergebnis anschließend hochloben kann jeder. Aber JOYCE MANOR schaffen es, jeden der neun Songs (das hier agil aufgezogene Cover von „Video Killed The Radio Star“ ist wohlgemerkt der Längste - blendet man die Uhr beim Fadeout von „Bride Of Usher“ aus) auf "Of All Things I Will Soon Grow Tired" zu einem (gesunden) Abschluss zu bewegen und ihm die notwendige Portion Leben und grobkörnige Gleichgültigkeit einzuhauchen.
Gerüst oder Tonfall interessiert die Kalifornier dabei nicht die Bohne: „See How Tame I Can Be“ tänzelt durch die fortgeschrittene Indierock-Disco und flieht somit vor „If I Needed You There“ und dessen ungestümer Nietengürtelumarmung. „Violent Inside“ klagt und wimmert „I Feel Violent All The Time Inside Of Me“ - und grüßt zurückhaltend aus Richtung DINOSAUR JR. oder JAWBREAKER, bevor „I´m Always Tired“ hektisch und akustisch die finale Klappe fallen lässt.

Wenig Glanz, mehr gesundes Bauchgefühl und bloß nie zu laut fragen – so grübeln JOYCE MANOR bequem über dem heimischen Couchtisch und wissen zwischen Scheiß-egal-Gitarren und cleverer Kompaktheit trotzdem zu infizieren. Nur übernehmen dürfen sich Barry, Kurt, Matt und Chase nicht – sonst läuft ihre dritte LP ernsthaft Gefahr, als Soundtrack während einer Ampelphase zu verkommen.
In dem Fall müsste Johnson mit der Selbstbegeisterung wieder ganz von vorne beginnen.


Trackliste:

01. These Kind Of Ice Skates
02. Comfortable Clothes
03. See How Tame I Can Be?
04. Drainage
05. Video Killed The Radio Star
06. If I Needed You There
07. Bride Of Usher
08. Violent Inside
09. I‘m Always Tired

Alte Kommentare

von Wecki 27.09.2012 13:03

Ein Bomben Album! ich find die kürze der LP erfrischend.

von +EV Scheiße 05.10.2012 09:46

gestern in köln gesehen! strotzt vor spielfreude die band! großer spaß! :)

von +EV Scheiße 05.10.2012 14:31

reviewt mal die selt-titled! hammerscheibe!

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

Suche

Social Media