Plattenkritik

Jr. Juggernaut - Wake

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Release Date: 28.08.2012
Datum Review: 20.08.2012

Jr. Juggernaut - Wake

 

Tiefkühlpizza und Radiergummis geben zum richtigen Zeitpunkt unantastbare Alltagsretter ab. Warum es sie gibt, woher sie kommen oder was sie fühlen, während sie wie selbstverständlich Zunichte gemacht werden, würde höchstens ein Dreijähriger hinterfragen. Mike Williamson, Wal Rashidi und Mario Framingheddu musizieren nicht etwa dem Niveau von Fertig-Food oder Büromaterial hinterher – trotzdem sind Platten wie „Wake“ unabdingbar und zeitlos. Und auf ihre eigene Art vollkommen.


Rockmusik aus Los Angeles kann man zu „Wake“ auch sagen. Prädikat und Herkunft werden´s schon richten. Welcher definitive Moment JR. JUGGERNAUT und ihren Nachfolger zu „Ghost Poison“ aus den Angeln heben sollte, ist schwer zu sagen: Sind es die zahlreichen J MASCIS-Gedächtnissoli, die Williamson seiner wunderbar 90er-belasteten Gitarre entlockt – oder die schlichten, aber dennoch fesselnden Indierockmomente wie „Heaven Knows My Name“ oder das an den staubigen Süden angelehnte „Nothing Lasts“ mit seinem schunkelnden Nachmittagsgefühl? Vielleicht auch die trockene, aber gutmütige Stimme, die z.B. bei „Tonight, Come Home“ zwischen Vernunft und humaner Unsicherheit wankt. Unwichtig.
Wie beim bequemen Dinner für Singlehaushalte kommt es auch hier auf die richtige Zusammenstellung der Komponenten an: Schlagzeug und Bass halten über die elf Songs Stellung und bewegen ab „Sleeping Softly“ mit erhobenem Haupt, brechen während „This Is Love“ kontrolliert aus und beschützen sogar die sechs Minuten von „Breath On Bone“ mit Haut und Haaren. In Gedanken verabreden sich LIMBECK mit PAVEMENT und finden auf dem Weg ins Wochenende eine bedrohliche Whiskeyflasche am Straßenrand. Diese missbraucht JR. JUGGERNAUT-Frontmann Mike dann als Zepter und Grundlage für seine Songs - als ob „The Revolution“ mit vielen kleinen HÜSKER DÜ-Atemzügen nicht schon anmaßend genug wäre.

Der Zähler läuft und „Wake“ mit ihm. Das Gitarrensolo schreit und klingelt – und „Wake“ mit ihm. Was zur Stoßzeit von DINOSAUR JR. Schon funktioniert hat, kann heute mehr denn je treue Gemüter mit ehrlicher Rockmusik ernähren. Im Falle des zweiten Albums dieses kalifornischen Trios kommt unterm Strich sogar ein spürbarer Genuss bei raus. Eine Tatsache die auch nach 50 Jahren Markterfahrung keine Selbstverständlichkeit bei11 gefrorenen Studentenmahlzeiten darstellt.


Trackliste:

01. Sleeping Softly
02. Heaven Knows My Name
03. The Revolution
04. Give Me My Son
05. Night Shift
06. Breath On Bone
07. Tonight, Come Home
08. This Is Love
09. Older Than My Father
10. Nothing Lasts
11. Heart Attacked

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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