Plattenkritik

Jupiter Jones - Jupiter Jones

Redaktions-Rating

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Release Date: 25.02.2011
Datum Review: 21.02.2011

Jupiter Jones - Jupiter Jones

 

MUFF POTTER sind tot, um KETTCAR ist es ruhig geworden und JUPITER JONES haben jetzt den Majordeal. Man könnte jetzt lange über diese Tatsache und das „Ich kannte die schon, da spielten die noch in kleinen Clubs“ lamentieren. Klar ist, dass JUPITER JONES im Laufe ihres Daseins immer weicher geworden sind. Der Pathos abgeflacht, die Durchschlagkraft ebenso. So geht es auf dem neuen selbstbetitelten Album weiter. Dafür haben sie definitiv an Radiotauglichkeit gewonnen. Deutschsprachiges auf dem Vormarsch. Nicht erst seit TOKIO HOTEL erfreuen sich Goethe- Instituttaugliche Bands zunehmender Beliebtheit. Es kommt nur eben immer darauf an, wo man seine Prioritäten setzt. Deutlich wird leider, dass der Sound dadurch beliebig wird. Pathos ist massentauglich geworden in Zeiten, in welchen der Trend zum Cocooning geht. Mal schön zuhause schmusen, ob nun mit dem Schatz oder alleine mit dem Selbstmitleid oder -verliebtheit. Die passende musikalische Untermalung liefern JUPITER JONES. Inhaltlich zur Rechfertigung des Tuns und soundtechnisch zum Einrollen. Weichgespülter Punkrock mit Hang zum balladesken, Banjo und Harmonika inklusive. Mit „Still“ geht’s richtig rund in Punkto ordentlich einigeln, „Immerfürimmer“ liefert die Begründung zur selbstgewählten Resignation. Pathos, der sich so sehr aufdrängt, dass man Platzangst bekommen kann. Die Hirnwindungen müssen nicht sonderlich angestrengt werden, um zu verstehen was sie einem mitteilen wollen.

Und sicherlich haben sie uns einiges mitzuteilen. Innenansichten eines normalemotionalen Menschen, Erfahrungen eines Auswanderers, der loszog, das Glück zu finden und Anonymität und Einsamkeit erfuhr, die allzu gut bekannten, schweren Lasten, Alltagsungerechtigkeiten. JUPITER JONES kommen -meiner subjektiven Meinung nach- während der gesamten Platte nicht genug aus dem Gesäß, um einen mitzureißen. Ein Wenig wollen sie uns doch aufrütteln, anschieben, Mut machen, ihre Wut äußern, aber die anfängliche Power verfliegt zu schnell durch zu viel Hamonie und Streicher.

Wir müssen alle weitergehen, auch JUPITER JONES. Das ist der Lauf der Welt, der Geschichte, einer Band, nur die Richtungen sind nunmal oft so unterschiedlich wie die Läufer. Zorn, Aggressionen und Geschrei erst am Ende. „Der Hund, der Stock, die Tür“, als wollten sie alles Vorrangegangene relativieren und sich ihrer Anfänge besinnen.

JUPITER JONES sehen sich, uns, den Hörer defintiv als Teil des ganzen Guten und Bösen und schieben nicht alleine dem großen Unbekannten den schwarzen Peter zu. Soviel Selbsterkenntnis verdient Respekt. Und ja, sie haben irgendwie doch verdammt recht mit all den emotionalen Tiefschlägen. Aber müssen sie einem das so klar und frech ins Gesicht musizieren?

Tracklist:
1.Ansage
2.Hey! Menetekel
3.Immerfürimmer
4.Still
5.Alter Mann wo willst du hin?
6.Vater
7.Sonne? Scheint!
8.Berlin
9.Hier oben (...Jupp)
10.Stück vom Weg
11.Der Hund, der Stock, die Tür
12.Komm bloß nicht nach Bad Bentheim

Alte Kommentare

von waren 21.02.2011 22:56

die früher nicht positiver?

von laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa 22.02.2011 01:08

aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig

von DrFaust 22.02.2011 08:31

Die Platte kann UNMÖGLICH so schlecht sein wie sie hier im Review wegkommt. :< Andererseits geht sind JJ an die Raum um Raum nie mehr so wirklich rangekommen. Da ich aber die Heisterkamp so sehr liebe komme ich sicher auch mit weichgespülten JJ klar. Ich bleibe bester Hoffnungen!

von ugulu 22.02.2011 08:51

pathos?!

von luke 22.02.2011 10:34

schöne rezi, bin gespannt aufs album. aber man ist das cover hässlich!!

von PMA 'til I'm DOA 22.02.2011 19:02

die Raum um Raum ist hammer und auch die "Entweder geht" hat was. aber ich fand dann die Holdiday in Catalonia eigentlich nur mäßig und das Video zu "Still" erinnert mich zu doll an Revolverheld. Der Saft ist wohl raus...

von Manuel F. 23.02.2011 02:42

Ich bin ja fester Zuversicht, dass die mir gefallen wird. "Holiday In Catatonia" halte ich ja (also vermutlich einer von drei Menschen) für ihre Beste.

von Shiwago 23.02.2011 23:57

Holiday in Catatonia ist großartig. Bestes von JJ

von also ich... 26.02.2011 15:17

...würde da ja gerne mal weitere Kommentare zu hören. Das Review sagt mir recht wenig aus. Mir kommt es so vor, als käme die Autorin nicht mit den Inhalten zurecht. "Und ja, sie haben irgendwie doch verdammt recht mit all den emotionalen Tiefschlägen. Aber müssen sie einem das so klar und frech ins Gesicht musizieren?"

von ??? 28.02.2011 23:00

"Der Pathos abgeflacht, die Durchschlagkraft ebenso." ... "Pathos, der sich so sehr aufdrängt, dass man Platzangst bekommen kann." Erst Pathos weg, dann volle Breitseite da? Versteh ich da was falsch, oder widersprichst du dir da selbst? von mir gibt's 8/10... verdient!

von Jule 01.03.2011 05:31

abgeflachter ergo, simpler pathos. probleme, die keine sind, mit einfachster wortwahl dargestellt und das am laufenden meter = aufdrängung. also ich: mit welchen inhalten komme ich nicht zurecht?

von simtz 13.03.2011 17:15

schon wahr was jule sagt, aber mir macht das album trotzdem spaß - und eine beleidigung für den geschmack ist es auch noch nicht

von Joscha 06.05.2011 20:23

Da hat jemand wohl den Vorurteilen den Vorzug gegeben und nicht richtig hingehört..schade eigentlich, denn Jupiter Jones können einem wirklich viel geben und auch zeigen.

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Jule

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wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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