Plattenkritik

KMPFSPRT - Intervention

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Info

Release Date: 18.04.2016
Datum Review: 18.04.2016
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. "Soundtrack zum Aufprall"
02. "Intervention"
03. "Ich hör‘ die Single nicht"
04. "Lichter"
05. "Antithese"
06. "Wir bleiben wach"
07. "2014 24/7"
08. "Löschen.Zurückspulen."
09. "Samstagabendtodeskampf"
10. "Mit Anlauf"
11. "Pamphlet"

Band Mitglieder

 

Richard Meyer - Gesang, Gitarre
David Schumann - Gitarre, Gesang
Dennis Müller - Bass
Nico van Hamme - Schlagzeug

KMPFSPRT - Intervention

 

Wer KMPFSPRT bis dato nur in der "Lieblingsband"-Sparte im Poesiealbum der besten Freundin entdeckt hat, bekommt mit "Intervention" eine letzte Chance zum Nachholen und Aufsitzen. Die Barthaare der Koelner wachsen mehr und mehr in Richtung Posthardcore statt Punkrock, das Quartett selbst aber hat tief im Inneren ganz sicher auch ein Herz fuer Einhoerner und Glitzersternchen.
 
Um das Fass ohne Boden gleich zu Beginn aufzureissen: "Jugend Mutiert" ist und bleibt eines der besten deutschsprachigen Gitarrenalben der letzten zehn Jahre. Vielleicht sogar das Beste - handelte es sich doch zugleich um das LP-Debut der Formation um ehemalige FIRE IN THE ATTIC- und DAYS IN GRIEF-Mitstreiter. Wo der Nachfolger ansetzen soll, wird von Seiten der Band selbstbewusst und bestimmt in den ersten dreissig Sekunden der Platte beantwortet. Danke fuer diese massive Gesangsstimme, Richard. Und fuer die ansteckende Dynamik, die den "Soundtrack zum Aufprall" zum "Soundtrack zum Aufstand" oder "Soundtrack zum Urknall" werden laesst. Feine Parallelen, die der verwoehnten Fresse mit Gedanken an TITLE FIGHT oder HOT WATER MUSIC ein willkommendes Laecheln ins Gesicht zaubern. Das schmeckt und ist sogar dann noch gut verdaulich, wenn bei den cleaneren Vocals ein pubertierender Farin Urlaub zu gruessen vermag. "Und ich schrei, weil es niemand sonst hoert und die meissten schon taub sind / und ich weiss, wir haben nicht soviel Zeit also lass es uns angehen" fordert der Titeltrack und sammelt ohne Umwege nimmersatte TURBOSTAAT-Kids wie auch verkopfte Vollblut-Punker ein. "Wo kein Teller, da auch kein Rand, mach was Neues und schliess dich uns an" waere auch ohne die musikalische Untermalung aus kraeftigen Gitarrenharmonien und RED CITY RADIO-artiger Ansteckungsgefahr ein Pamphlet fuer die noch (schl)immer mutierende Jugend. KMPFSPRT, nicht KLGSCHSSR, DIY vs. PMA. "Wir Bleiben Wach" kann auch nachdenklich - ein melancholischer Rueckblick trifft hier auf schwimmende Stimme und bekoemmliches Picking. Ein willkommenes Pendant, frei von Uebermut oder Kitsch. Auszuteilen vermag der Vierer zuvor mit "Antithese": Wenn polemischer Quatsch den Mageninhalt ins Muesli treibt sind KMPFSPRT bekanntlich die letzten, die den Blick senken. Oft verbindet "Intervention" auch inhaltlich Hookline und Hohlkreuz: "Ich hör' die Single nicht" streift zu Punk und Bleifuss gekonnt den Stumpfsinn der Musikindustrie ab, "Löschen.Zurückspulen." begraebt Alltagsgrau und Stagnation in Riffs, denen sich auch NOTHINGTON oder schnaubende OFF WITH THEIR HEADS dankend annehmen wuerden. "Die Asche vom Haupt, die Zweifel von der Brust / Ich habe keine Zeit fuer Zeitverlust".
KMPFSPRT also koennen gedeihen ohne nachzugeben. "Intervention" statt "dran kaputtgehen" oder noch schlimmer: einfach runterschlucken und wegschauen. Vom eroeffnenden Sammeln und Sortieren mit dem "Soundtrack zum Aufprall" bis zur cleveren Punkrock-Schelle "Pamphlet" lassen Richard, Dennis, David und Nico keine gelben Ampeln zu. "Ploetzlich geht die Tuer auf und Musik setzt ein." Danke, Lieblingsband.
 

Autor

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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