Plattenkritik

King Cannons - The Brightest Light

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Release Date: 22.06.2012
Datum Review: 15.06.2012

King Cannons - The Brightest Light

 

"Bescheidenheit ist der Anfang aller Vernunft" kam es einem österreichischen Schriftsteller Ende des 19. Jahrhunderts in den Sinn. Wie sich die Zeiten auch ändern – manche Erkenntnisse tun es nicht. Auch wenn die Menschheit beinahe täglich einen Gegenbeweis zu erbringen weiß. Bedarf es wirklich einem Blick ans „andere Ende“ der Welt um simple, (zwischen-)menschliche Werte und Ideen in den Tag hinein zu leben? Oder diese – noch besser – in ehrliche Songs zu verpacken und den Schalter des Gehirns in Zeiten von Model-Core und Popwahnsinn mal wieder zu betätigen?

Die KING CANNONS aus Melbourne jedenfalls leben weiter wunderbar natürlich in den Tag hinein – vor allem musikalisch. Nach ihrer selbstbetitelten EP und wochenlangem Touren im Anschluss verfeinern sie ihren herzensguten Working-Class-Rock auf „The Brightest Light“ noch um einige Nuancen – was Anhängern von BRUCE SPRINGSTEEN, THE HOLD STEADY oder THE CLASH gleichermaßen gefallen dürfte. „Too Young“ oder „Too Hot To Handle“ jedenfalls sind geradlinige Oden an den Boss, die handfesten Rootsrock atmen und sich sympathisch freilaufen, um die vielleicht einzige Chance im Leben nicht zu verpassen. Textlich und stimmungsbedingt puckert stets Ge- oder Erlebtes durch die Songs von Frontmann Luke Yeoward, der Musik sein Dasein nennt, seit er sich erinnern kann.
Mit bestem Beispiel schreitet der Titeltrack selbst voran, nach dessen erstem Vers man Yeoward bereits umarmen und mit ihm aufs Leben anstoßen möchte. „So Crawl Out From Under That Thumb, We Are Bound For The Sea – It´s Magic That Makes Us Feel Like We Are Standing In The Brightest Light Of The Week“ posaunt dann der blühende Chorus. Auch wenn hier das Mundharmonikasolo mit Klischees jongliert, blättert das Sextett aus Australien mit cleverer Percussion und souligen Backgrounds, trockenen Riffs und aufflammend hymnischen Refrains den einen oder anderen Gänsehautmoment aus dem Blaumann. „Our Time Is Short, So Keep Hanging On / We Aint Sitting Here With Our Head In The Sand...“ weiß das gemächlich marschierende „On Our Own“ und an dem straighten „Shot To Kill“ will sich einfach rein gar nichts zum herummäkeln finden.

Auch mit ernster Ader voll kochendem Blut passt „The Brightest Light“ in den Sommer, zu jeder Tageszeit und bietet Beiträge für viele Stimmungen – vom kräftig-melancholischen „Ride Again“ bis zum glitzernden „Call For Help“ mit seinen Strand-Trommeln und Trillerpfeifen fahren Yeoward und seine MitstreiterInnen gleichzeitig und ohne zu kippeln auf mehreren Gleisen, auch wenn nicht jeder Moment des Debütalbums zwingend und packend ist.
Wäre Ludwig Anzengruber seiner Zeit selbst in den Genuss dieser zwölf Titel (plus Bonus) gekommen - „KING CANNONS sind die Bescheidenheit und die Vernunft“ – hätte es vielleicht heißen können.

Trackliste:

01: Stand Right Up
02: Too Young
03: The Brightest Light
04: Too Hot To Handle
05: Call For Help
06: Shot To Kill
07: Ride Again
08: Charlie O
09: The Cool Change
10: On Your Own
11: Everyman's Tale
12: The Last Post

Bonus:

13: 131 Bop
14: Take The Rock

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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