Plattenkritik

Kinzki - Dto.

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Release Date: 16.09.2009
Datum Review: 04.10.2009

 

Neue Bands müssen ja oftmals diversen Vergleichen standhalten, die nur indirekt mit ihnen zu tun haben. Da hat man gerade die erste Platte veröffentlicht und schon hört man sich an wie die, die und die. Aber so läuft der Hase nun mal und auch KINZKI wird es da wohl nicht anders ergehen.

Da kommen also vier Herren aus Köln daher und schmeißen im Frühherbst ihr erstes Album auf den Markt der Möglichkeiten. Beim ersten Hören denkt man: MUSE!!! Aber in ganz lieb. 'Motion Picture Suicide' ist der perfekte Dosenöffner für eine Platte. Der Hörer wird gleich mitgerissen, Zehenspitzen wippen mit und man lässt sich durch die verschiedenen Tempi des Songs tragen, wie man es beispielsweise von BLOC PARTY kennt. Die Instrumentalisten geben diese vor, die Stimme des Sängers schwankt zwischen Protest, Verzweiflung und stumpfer Erkenntnis. Eine kleine Vorstellungsrunde, in der jedes Bandmitglied mal das Sagen hat. Hallo!
'The Golden Half' dann zum Weitertreiben. Es wird deutlich, dass hier gemacht wird, was der gewogene Indiehörer an solchen Bands liebt: solides Handwerkszeug mit einer Prise Verspieltheit aufpoliert. Es sind einmal mehr die Feinheiten, die das Ohr anspitzen. Basslines, die mehr sind als Rhythmus. Fast schon eine eigene Melodie wird hier gemalt. Keyboardeinlagen, die das Gesamtkonstrukt auflockern und die Gitarrensätze mit unzähligen Schnörkeln verzieren. Verspielt? Verziert? Mädchenmusik? Ganz und gar nicht. KINZKI sind ziemlich bodenständig, nur eben mit Liebe zu den Feinheiten, die man eben auch hörbar machen kann.
Das wird spätestens bei "I´m Just Broke" deutlich. Bodenständiger geht es fast gar nicht mehr. Tief wird gespielt, aber nicht tief gestapelt. KINZKI wollen raus, treiben weiter. Der Rhythmus macht hier die Musik. Offbeats und rasante Wechsel lassen keine Gelegenheit auch nur einen Gedanken an Langeweile zu verschwenden. Teilweise hört man ein wenig Timid Tiger raus. Kein Wunder, wenn man beachtet, welcher Produzent hier die Finger mit im Spiel hatte.
Die Platte geht vorwärts. Wenn auch in insgesamt gemächlicherem Tempo. "A Cloudy Day In The Desert" rast an einem aber vermutlich auch nicht vorbei wie ein D- Zug. Da darf dann auch mal Luft geholt werden.
Und wovon singen sie eigentlich? Von der Hoffnungslosigkeit des Lebens aus welcher es auszubrechen gilt. Aber auch von Hoffnungsschimmern, den klitzekleinen Dingen, die das Leben so liebenswert machen. Detailverliebtheit eben. "Wake up" ist dann auch der Aufwecker. Zumindest textlich für den Kopf. Aber Aufwachen in einer Erkenntnis, die man nicht wahrhaben will, lässt einen eben liegen bleiben. Was sollen KINZKI da noch musikalisch machen? Texte die zur Musik passen und umgekehrt, das können sie auch noch.
"Red Traffic Light" macht dann doch wieder mehr Krach. Einmal kurz möchte man an Favez denken. Nur um noch einmal die Bodenständigkeit unter Beweis zu stellen. Gitarren können so tief hängen.
Und um noch einen weiteren Vergleich hinterherschieben zu können, folgt kurz vor Schluss noch ein Song mit dem Titel "Morning Machine", in welchem sich die Klänge in den Raum ergeben und Appleseed Cast mal kurz vorbeiwinken.

Rome(O) sagt dann Auf Wiedersehen und es ist ganz leise vorbei.


Tracklist:

01: Motion Picture Suicide
02: The Golden Half
03: I’m Just Broke
04: 100 Times
05: A Cloudy Day In The Desert
06: Wake Up
07: Red Traffic Light
08: Morning Machine
09: Rome (O)

by Jule



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Jule

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wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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