Plattenkritik

Lamb Of God - Resolution

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Release Date: 20.01.2012
Datum Review: 19.01.2012

Lamb Of God - Resolution

 

LAMB OF GOD enttäuschten mich mit dem letzten Album – zumindest soweit, als dass „Wrath“ mit seinem dazu noch so verlockend schnörkellosen Titel als ihr bis Dato rohster Output angepriesen wurde, dem für mich aber nie so ganz gerecht wurde. Da reißt alles und jeder im zugegeben sehr ansehlichen Video in Schwarzweiß-Optik die sprichwörtliche Tapete von den Wänden, dabei haut allein von der Musik her lediglich der Drummer alles zu Klump. Die Saitenfraktion spielt sich nur altbackene Gitarrenspielereien auf den oberen drei Saiten zu, wie man sie schon unzählige Male in über 10 Jahren Bandgeschichte hören durfte – und das alles verpackt in einem streng melodischen und schnell vorhersehbaren Gewand. Wenn man da an Moshparts wie in „Ruin“ auf der guten alten „As The Palaces Burn“ denkt frage ich mich immer noch, wie man das wirklich als brachial empfinden oder bezeichnen kann.

Der Opener vom neuen Album „Resolution“ - so scheint es zumindest – will da für Besserung sorgen, auch wenn die gar nicht metal-medial gefordert war - aber dann wollte man wohl einfach einen drauflegen. Jedenfalls: Ein einziger, ultra-stampfender Breakdown, simpel aber fies – und vielleicht die Überleitung auf das wirkliche „Wrath“, beziehungsweise: die wirkliche Wut. Stattdessen kommt mit dem „wahren“ Opener „Desolation“ ein Song, der vor allem eine auf den letzten paar Alben entwickelte Stärke wieder ausspielt: Das Gefühl für das gewisse Maß subtiler, aber doch bemerkbarer Atmosphäre. Dieses Gefühl machte schließlich auch „Sacrement“ mit Songs wie „Blacken The Cursed Sun“ oder „Walk With Me In Hell“ (wobei letzterer vielleicht weniger subtil), aber eben auch „Wrath“ (mit beispielsweise „In Your Words“) zu insgesamt doch ganz ordentlichen Alben.

Gehen LAMB OF GOD auf Nummer sicher und besinnen sich auf alles, was sie bisher gemacht haben? Sehr richtig – und, wenn man das große Bild vor Augen hat, leider auch ein wenig traurig. Denn wer alles aus der Vergangenheit mitnimmt, nimmt auch die Schwächen mit. Warum beharre ich beispielsweise die letzten Zeilen so sehr auf einzelne Songs? Weil LAMB OF GOD immer schon eine Band war, die vor allem mit einzelnen Songs, nicht aber mit einem ganzen, in sich schlüssigen Album punktete. Auch „Resolution“ hat wieder großartige Songs: Wahnsinn, wie feinfühlig und doch stürmisch „Insurrection“ daher kommt, schön die Vorstellung, wie gut „Visitation“ live gegen Ende eines Sets funktionieren dürfte. Doch dazwischen: Immer wieder gähnend langweiliges Füllmaterial, das höchstens zum Nebenbeihören taugt, geschuldet der eben angesprochenen, immer wieder (wenn auch bei weitem nicht immer) gegebenen Kreativitätsinsolvenz der Saitenfraktion. Klar: Technisch sind das hervorragende Musiker, doch zu oft hören sich zu viele Riffs einfach recycelt an.

Der Wunsch nach mehr Härte wie früher ist da dann doch sehr weit in den Hintergrund gerückt. Viel wichtiger wäre da doch, mal die kleinen, aber nicht zu verachtenden Baustellen im Songwriting wieder einen Besuch zu verschaffen – wäre ja nach so vielen Jahren Bandgeschichte vielleicht mal so langsam Zeit. LAMB OF GOD sind immer noch eine sehr gute, charismatische Band, dessen Stil man zu recht ins Herz schließen kann. Doch solche Schwächen im (Alben-)Songwriting sind der Grund, warum diese Band zumindest für mich noch kein wirklich rundes Album geschrieben hat. Und das, obwohl sie das – gemessen an einzelnen Songs – definitiv könnte.

Tracklist:

1. "Straight for the Sun"
2. "Desolation"
3. "Ghost Walking"
4. "Guilty"
5. "The Undertow"
6. "The Number Six"
7. "Barbarosa"
8. "Invictus"
9. "Cheated"
10. "Insurrection"
11. "Terminally Unique"
12. "To the End"
13. "Visitation"
14. "King Me"

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Olivier H.

Autoren Bio

"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed