Plattenkritik

Letlive. - The Blackest Beautiful

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Release Date: 12.07.2013
Datum Review: 12.07.2013

Letlive. - The Blackest Beautiful

 

 

Wenn Bolzplatzstammtisch, Muckibude oder Marathon nicht mehr helfen, fordern LETLIVE. zu einer neuen Abart des Mannschaftssports heraus. Persönliches Anschreiben, ausgelaugter King und Traumdefekte in Audio – kurzum: Tiefschwarz ist und bleibt Musik am Schönsten.

Die Farbe, die keine ist, zu vertonen schaffte „Fake History“ nicht mit links, aber mit Hilfe einer gehörigen Rechten. Auf „The Blackest Beatiful“ kratzen sich die Kalifornier um den mehr als charismatischen Bandkopf Jason Aalon Butler am Mikrofon erneut und mit polierten Klingen die Haut vom Leib.
Wie marternd und bestialisch Erlebtes vertont werden kann wollen LETLIVE. dabei anderen überlassen. Ihrem aus Geröll und Überresten geformten Schizo-Core gefällt vor allem die schmale Gradwanderung, die „Banshee (Ghost Fame)“ vorneweg genauso wie „Dreamer´s Disease“ zur Schau stellt: Die Drums überschlagen und reißen brettige Gitarren mit sich, Butler verweilt tonal keine halbe Minute am selben Fleckchen. Lieber bedient er Gäste von REFUSED über MICHAEL JACKSON bis SYSTEM OF A DOWN höchstpersönlich und serviert ausgeklügelte Cocktailkreationen, die auf Namen wie „That Fear Fever“ oder „Virgin Dirt“ hören.
Auf eine Überdosis legt es angriffslustige Frontmann geradezu an: „Empty Elvis“ dreht den Pegel zunächst auf progressiven Hardcore, ergibt sich anschließend der eigenen Last und kippt gewollt in die Menge. „We´re Finally Deserving What We Get“ bestätigt „White America's Beautiful Black Market“ dann schadenfroh und groovt zusammen mit „The Dope Beat“ und einigen gezielten Tritten den Kronleuchter von der Decke.
Das dritte LETLIVE.-Album zerrt dabei so genüsslich an Nerven und Eigenanspruch der Band sich stilistisch und charakterlich in keinerlei Fertigwohnwelt niederzulassen. „The Priest And Used Cars“ würgt Chaos, verspricht trotzdem Melodie und Verlangen - und erarbeitet sich den Weg zum Brandherd der LETLIVE.-eigenen Feuertonne.

Ausleihen und Spicken gestattet „The Blackest Beautiful“ großzügig – solange das Ergebnis nicht so unscheinbar und karg klingt, wie sich das Album-Artwork gibt. Die Band aus Los Angeles formt Inhalte und Parolen zu Protestsongs, die ihre Empörung so wenig zurückhalten wie RAGE AGAINST THE MACHINE zur Blütezeit - und sich dabei so kraftvoll und kontrastreich präsentieren wie ein ausgeschlafener John McLane im Strandurlaub.
„Is It Bad That I Never Really Wanted To Get Saved?“ forscht „27 Club“ und schleudert einen finalen siebenminütigen Molotowcocktail in Richtung Selbstverliebtheit. Sitzbänke, isotonische Getränke und ausreichend Handtücher bitte. LETLIVE. haben fertig.

Trackliste:

01) Banshee (Ghost Fame)
02) Empty Elvis
03) White America's Beautiful Black Market
04) Dreamers Disease
05) That Fear Fever
06) Virgin Dirt
07) Younger
08) The Dope Beat
09) The Priest And Used Cars
10) Pheromone Cvlt
11) 27 Club

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.