Plattenkritik

Lucero - Women & Work

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Release Date: 09.11.2012
Datum Review: 09.11.2012

Lucero - Women & Work

 

Jedes Mal, wenn sich die Leber krächzend aufbäumt und sich selbst Entzug und Regeneration schwört, haben LUCERO ein neues Album veröffentlicht. Jedes Mal, wenn zwischen Wüste und zerflossener Einsamkeit Alltagsstrapazen vertont werden, sind LUCERO dabei, gerade ein neues Album zu veröffentlichen. Und jedes Mal, wenn Ben Nichols die Gitarre zur Hand nimmt und über die Wahrheiten seiner Umgebung in Kneipensprache philosophiert werden LUCERO hoffentlich bald ein neues Album veröffentlichen.

Ein Tatsachenbericht: „Women & Work“ ist Nummer acht im Stall der Band aus Memphis - der man Memphis so sehr anhört wie es die musikcharakteristische Stadt in Tennessee verdient hat. Hier pellt sich „Downtown“ langsam aus seiner Pianobarhülle und spätestens mit Nichols´ einsetzender Stimme schraubt sich der Whiskeyshot nicht nur freiwillig sondern auch perfekt temperiert die trockene Kehle herunter. LUCERO. Wie ein frischer Kissenbezug oder die Bonussammelmarken im Supermarkt. Die „Nobody´s Darlings“-Zeiten sind mittlerweile noch stärker ausgewaschen, die sechs- bis achtköpfige Band macht ihre Hausaufgaben jetzt unter Beaufsichtigung von Bläsersektion und Americana-Moderne, was nicht stetig für Sitzfleisch und Treuestempel sorgt. „Juniper“ swingt bloß aufgesetzt statt locker, „I Can´t Stand To Leave You“ schon fast zu harmlos für LUCERO.
Brennen kann die hölzerne Ladefläche des Pick Ups jedoch, wenn der Titeltrack zum „Honky Tonk“-Dosenstechen aufruft oder „When I Was Young“ melancholisch aus der Ferne schluchzt. Nichols und sein gestiefeltes Gefolge kratzen dabei zusammen mit Produzent Ted Hutt (u.a. THE GASLIGHT ANTHEM, FLOGGING MOLLY) noch warme Soul-Partikel und klebrige Suff-Romantik aus jeder Ritze, die sich an der Wand der Fernfahrerpinte finden lässt. „ The Way You Brush Your Hair Back Lookin' Towards The Door, Every Time It Opens Your Heart Breaks A Little More“ heißt das in einfacher, aber ehrlicher Südstaaten-Machart, die nicht um Anerkennung bettelt, sondern sich diese via akustischem Augenaufschlag erspielt.

Mit „Women & Work“ treten LUCERO einen weiteren Schritt aus ihrem schlicht geprägten Working-Class-Schatten heraus und bewegen sich in Sequenzen wie „Sometimes“ frappant aber nicht zu extravagant Richtung Landstraßensoundtrack. Eine Rückkehr nach Memphis – und somit zum Ursprung – ist jedoch stets fest eingeplant auf Lebenstafel und Tourplan – diese elf Tracks halten ein weiteres Mal quasi als treuer Schwur dafür her.

Trackliste:

01. Downtown (Intro)
02. On My Way Downtown
03. Women & Work
04. It May Be Too Late
05. Juniper
06. Who You Waiting On?
07. I Can't Stand To Leave You
08. When I Was Young
09. Sometimes
10. Like Lightning
11. Go Easy

Alte Kommentare

von Batzen 11.11.2012 06:17

Für mich übelst enttäuschend. Noch am überlegen ob logische Weiterentwicklung oder einfach nur schlechter Mongo-Rock. Nicht, dass das Album inhomogen wäre ... ist sogar recht konsequent. Aber Overton Park war irgendwie "punkiger" von der Ausrichtung her. Das hier wirkt nach wie vor einfach nur wie ne übelste Bar-Band... "I Can't Stand To Leave You" ist einer der srätksten IMHO, der erst kackt ab gegenüber sowas wie "What Are You Willing to Lose?". Natürlich nicht übelst kacka. Wertung/Review haut auf jeden Fall hin. Schade.

von Batzen 11.11.2012 06:19

Grammatik, oh yeah. Don't like it.

von Batzen 11.11.2012 06:23

Glatt nochma ... "I Can't Stand To Leave You" zu harmlos ... kann man so und so sehen. Finde dieses "harmlose" in dieser Form absolut genial, man vergleiche nur mal "The weight of guilt" von der 'Rebels, Rogues & Sworn Brothers". IMHO einer der genialsten Tracks ever.

von @Batzen 11.11.2012 10:02

Mongo-Rock?

von ben 15.11.2012 13:37

geht seit Rebels, Rogues & Sworn Brothers leider nur noch berg ab. wieso beraubt man sich seiner stärke undersetzt sie durch so bescheuerte 0815 albumtitel inkl. austauschbarem kneipen-rock

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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