Plattenkritik

MAYDAY PARADE - Black Lines

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Info

Release Date: 09.10.2015
Datum Review: 21.10.2015
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. One Of Them Will Destory The Other
02. Just Out Of Reach
03. Hollow
04. Letting Go
05. Let’s Be Honest
06. Keep In Mind, Transmogrification Is A New Technology
07. Narrow
08. Underneath The Tide
09. All On Me
10. Until You’re Big Enough
11. Look Up And See Infinity, Look Down And See Nothing
12. One Of Us

Band Mitglieder

 

Derek Sanders (vocals)
Jeremy Lenzo (bass)
Alex Garcia (guitar)
Jake Bundrick (drums)
Brooks Betts (guitar).

Read More: 10 Things You Didn't Know About Mayday Parade | http://popcrush.com/10-things-you-didnt-know-about-mayday-parade/?trackback=tsmclip

MAYDAY PARADE - Black Lines

 

Für das fünfte Album seiner Poppunkband hat sich Derek Sanders diverse Vorhaben zurechtgelegt. Den zeitlosen Schwarzweißfotografien will er ab sofort auch musikalisch gerecht werden. Den Ansprüchen und der Etikette seines Stammlabels möchte er in vollem Maße entgegenkommen. Und: seine immense Sammlung an Freundschaftsbändern wird er frühestens zum Nachfolgealbum oder Nachfolger des Nachfolgealbums abschneiden. Chapeau, Dererk. Was auch sonst.
 
Ob das Label mit der Band oder die Band mit dem Label wächst, ist im Falle der Veröffentlichungsehe von MAYDAY PARADE schnell geklärt. Seit ihrem Debüt 2007 gehen die Jungs aus Florida mit den Damen und Herren von Fearless Records aus Kalifornien Hand in Hand. Die Pubertät und ihre kippeligen Musikertraeume scheinen acht Jahre spaeter ueberstanden. "Black Lines" da schlicht als eine "erwachsen gewordene" oder "reifere" Version der naiven Popp(unk)er von damals anzupreisen, wäre die einfache und naheliegendste Lösung.
Im Falle der zwölf neuen Stücke allerdings ist es auch die wahrhaftige. So klingen MAYDAY PARADE auf dem Nachfolger zu "Monsters In The Closet" nicht immer nach der greifbarsten Lösung. Gleich im Opener holt sich Sanders Verstärkung von REAL FRIENDS- und Labelbuddy Dan Lambton an seine Seite und bastelt einen Hybriden aus wasserdichtem Bombastrock, der Nachdenklichkeit von THE DANGEROUS SUMMER und dem jugendlichen Drive der Poppunkgeneration 2.0. "Play it faster, there's company to keep / A little louder just to tear a hole in me / I admire the desire that comes out of your mouth / You're always saying that you've got it all figured out" presst der zierliche Frontmann seine Strophe ins Mikro, bevor die Leidenschaft im Refrain glaubhaft über ihn hereinbricht. Auch "Just Out Of Reach" klingt eher nach einer nachdenklichen, ernstzunehmenden Bestandsaufnahme der Gegenwart als nach käsigem Romantik-Abo. Wer sich hier stur wegdreht, darf auch den stilistischen Sprung der aktuellsten THE WONDER YEARS-Platte nicht unkritisch abfeiern.  Apropros Soupy Campbell: "Keep In Mind, Transmogrification Is A New Technology" beginnt mit befangener Gitarre und gesenktem Haupt, malt die nachfolgenden fünf Minuten jedoch den Himmel in allen auffindbaren Farben an. Dazu passt ein Doubletime-Schlagzeug ebenso wie die hymnische Hemdsärmeligkeit im Chorus. "All we need is a place we can be alone / Just with you and with me and without all this desperate weight that I have".
 
Zu "Hollow" tritt knallige Snare gegen geschluderte Emo-Stimme an, dann brechen verhallte Gitarren das Eis. So nachzulesen etwa in der Rezeptesammlung BRAND NEWs - wobei Jesse Lacey hinsichtlich Emotionen und Explosionen mindestens zwölf Semester weiter ist. MAYDAY PARADE aber können retrospektiv auch helle und nicht nur schwarze Linien zeichnen: "Let’s Be Honest" greift und umklammert wie ANBERLIN oder mittelalte FALL OUT BOY, dazu schwimmt trotzdem viel persönliches und markantes mit auf der Inhaltswelle. Aus "Black Lines" bloss oben genannten Pickelpop oder das oberflächige Partyluder herauszufiltern aber gestaltet sich dank Titeln wie dem offen getraeumten "Letting Go" oder "Until You’re Big Enough" als gar nicht so einfach.
MAYDAY PARADE steht ihr Heranwachsen gut - zumindest besser als die Kluft aus Radiorock und kindlicher Zuckerschnute. Man mag dem Fünfer aus Tallahassee modische Anpassung nachsagen - die Songs auf "Black Lines" fügen sich trotzdem. "March along / Don't forget to tell the ones you love they matter / When you break the bend / Fall off again / You'll find your love where it's always been". So ganz ohne Schnulze kann Sanders dann doch nicht. Zu "One Of Us" duerfen sich 15- und 45-jaehrige also in den Armen liegen und das Leben bis dato passieren lassen. Chapeau, MAYDAY PARADE.

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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