Plattenkritik

MISS MAY I - Shadows Inside

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 02.06.2017
Datum Review: 30.05.2017
Format: CD

Tracklist

 

01 Shadows Inside
02 Under Fire
03 Never Let Me Stay
04 My Destruction
05 Casualties
06 Crawl
07 Swallow Your Teeth
08 Death Knows My Name
09 Lost In The Grey
10 My Sorrow

Band Mitglieder

 

Levi Benton - Voc
BJ Stead - Guit
Justin Aufdemkampe - Guit
Ryan Neff – Voc, Bass
Jerod Boyd - Drums

MISS MAY I - Shadows Inside

 

Eines gleich vorweg: Ja, ich habe mich dezent verausgabt. Das passiert manchmal, wenn einem sehr viel auf der Zunge brennt.

MISS MAY I veröffentlichen am 02.06.2017 ihr neues Album „Shadows Inside“ via SharpTone Records. Bevor die Songs im Einzelnen besprochen werden, sei Folgendes angemerkt: Die Jungs sind mit (im Schnitt) Ende 20 seit über zehn Jahren im Musikbusiness unterwegs. Vor dieser Karriere, die schon während der High School begann, kann man durchaus den Hut ziehen. Nicht nur, dass sie mit „Shadows Inside“ bereits ihr sechstes Studioalbum auf den Markt bringen, sie blieben dabei auch stets auf dem Boden der Tatsachen.

Kommen wir zu „Shadows Inside“: Zehn Songs beinhaltet die Platte – und die haben es in sich. Am 12.05.2017 erschien das Musikvideo zum ersten selbstbetitelnden Track „Shadows Inside“. Der Song beschreibt bereits in den ersten Sekunden die Charakteristik des Albums: Kraftvolles Geballere trifft auf Leidenschaft. Ein durchgehendes Riff zieht sich bis hin zur Bridge, in der Strophe rücken Levis Screams differenziert in den Vordergrund, bekommen durch die Backingvocals im Hintergrund noch mehr Substanz. Der Stereosound umschließt einen im wahrsten Sinne des Wortes. Dieses Phänomen wiederholt sich auf der ganzen Platte und generiert so einen durchweg einheitlichen Klang. In der Bridge gibt es untermalende „Ohs“ von Basser Ryan Neff zu hören. Oh, sogar mehrstimmig. Die Gitarren von BJ Stead und Justin Aufdemkampe stehen vordergründig für sich. Nach wenigen atmosphärisch-cleanen Klängen einer der beiden schieben die Drums dann wieder ordentlich vorwärts, um den Refrain einzuleiten. Einprägsames Riffing sowie cleane Hookmelodien rücken nicht nur bei diesem Song in den Mittelpunkt. Nach der Bridge geht es sofort mit der zweiten Strophe in gewohnter Manier weiter. Und dieser Hall, wie episch!

„Under Fire“ erinnert mich in den ersten Sekunden fast ein wenig an TRIVIUM, erübrigt sich dann allerdings sofort wieder. Da spricht Hass für sich, oder screamt, je nachdem. Perfekter Live-Song, um die Fäuste in die Luft zu werfen und zu moshen, was das Zeug hält. Woher kommen eigentlich ständig diese genialen Hookideen? Auffallend im Refrain sind außerdem die Drumfills von Schlagzeuger Jerod Boyd, das groovt ordentlich. Ein Gitarrensolo und Gangshouts gibt es obendrauf. Der letzte Refrain bietet Variation an den Drums, bereitet passend dazu auf das Ende des Songs vor. „Never Let Me Stay“ schwebt irgendwie ein wenig über den Dingen, hier wird viel mit getragenen Vocals und Synthies im Hintergrund gespielt. An den Gitarren wird sich, vor allem in den Strophen, eher zurückgehalten. Eine Variation, die dem Song sehr zuträglich erscheint: MISS MAY I sparen garantiert nicht an Einfallsreichtum. „My Destruction“ beginnt mit einer Akustikgitarre, ab Minute 00:18 gibt es das Gleiche noch einmal in voller Instrumentalbesetzung. Liegende Akkorde in der Strophe, Screamvocals im Vordergrund. Auch der Refrain, der eine Wiederholung des Akustikthemas darstellt, wird von Screams dominiert, Cleanvocals begleiten im Hintergrund. Der Akustikpart soll sich in einer Bridge mit Cleanvocals wiederholen. Spannung erzeugen können die Jungs jedenfalls, und das auch noch in gut.

„Casualties“ zähle ich – bis auf den Refrain – zu einem der schwächeren Songs der Platte. Wobei wir hier von Meckern auf hohem Niveau sprechen. Nennenswert sind hierbei das Wabern und Schieben durch Bassdrum, Gitarren und Bass. Verstärkt wird das noch einmal durch technoartige Synthies, die (dezent eingesetzt) vor dem Refrain ihren Platz finden. Alles in allem trotzdem ein solider Coresong. So abrupt „Casualties“ endet, so atmosphärisch beginnt „Crawl“, der sechste Song der Platte. Wir kommen nach einem schwächeren Song zu einem absoluten Glanzstück, Ryan Neff ist auf dieser Platte hörbar gut geworden. Durch Levis Flüstern im Hintergrund und die zurückgenommene Instrumentalfraktion wird Ryans Stimme in Szene gesetzt. Der Refrain: Eine Oktave höher, die Cleanvocals halten lange Töne und platzieren sich passend zu den Akkorden. Auch die eingebetteten Synthies tragen ihren Teil zum einprägsamen Refrain bei. Ab Minute 02:04 ändert sich die Songstimmung, es wird düster, Levi ist am Zug. Nicht nur die Drums schieben, ein tightes Gitarrenspiel bereitet auf den letzten Chorus vor. Der Höhepunkt des Songs mündet in Mehrstimmigkeiten an Vocals und Gitarren, bevor er mit gehaltenem Akkord direkt via Einzähler in den siebten Song, „Swallow Your Teeth“ übergeht. Das ist großes Kino, Freunde. Djentig wird es an den Gitarren und ich muss mich erneut fragen: Woher zur Hölle kommen diese Hookideen? Obwohl ein „Ohhohhohh“ sehr wohl schnulzig klingen kann, tut es das hier definitiv nicht. Weiter geht es mit „Death Knows My Name“ – klingt in den ersten Takten auch durchaus melancholisch. Es wird mit der ein oder anderen Dissonanz in Moll gearbeitet. Nach dem Intro hört man Ryan bewusst seine Falsettstimme im Pre-Chorus einsetzen. Einer der abwechlungsreichsten Songs von „Shadows Inside“.

Das offizielle Musikvideo zum vorletzten Song „Lost In The Grey“ wurde bereits am 14.04.2017 veröffentlicht. Passend zum - extra für das Video gebauten - Wald im Indoor-Studio vermittelt der Song auch eine gewisse Düsterheit. Einmal mehr beweisen MISS MAY I, dass Mehrstimmigkeiten im Instrumentalbereich sowie bei den Vocals sehr gut in Kombination funktionieren. Auch die Simultanität von Cleangesang und Screams sind typisch für die Band. Mit „My Sorrow“ wird ein würdiger Abschluss der Platte eingeleitet. Erneut beginnt es ruhig in den ersten Sekunden und wieder knallt es gleich danach umso heftiger. Als kleines Extra in der Bridge gibt es noch einen Mini-Sprechpart von Levi (ab 00:39), durchaus und denkbar ausbaufähig. Zum Abschluss melodische „My Sorrow“-Wortwiederholungen, die in Variation mit einem Fade-Out enden. Ich beende diesen Durchlauf mit einem Lächeln im Gesicht.

Was hat mir nun nicht gefallen an der Platte? Die anfängliche Begeisterung für die Dopplungen, Gangshouts, Ballerparts, Stereo-Screams und Mehrstimmigkeiten flachen rückwirkend etwas ab. Stellenweise kommt es mir dann doch sehr gut gemeint vor. Dahingehend ist weniger manchmal mehr. In den meisten von allen Fällen trotzdem mehr als nur songdienlich. Grundsätzlich bin ich mit den Popelementen und den einprägsamen Riffmelodien der Platte einverstanden, viel mehr dürfte es in meinen Ohren allerdings nicht sein. Wir meckern hier allerdings nach wie vor auf hohem Niveau. Ihre Die-Hard-Fans werden MISS MAY I dennoch nicht verlieren, mit ziemlicher Sicherheit werden auch neue Hörer an der Platte Gefallen finden. Abschließend sei noch zu erwähnen, dass die Jungs persönlich einen sehr sympathischen Eindruck auf mich machen und sich dieser auch in der Platte widerspiegelt. Ein ehrliches Statement von noch jungen Musikern, die auch nach über zehn Jahren den Spirit ihrer Experimentierfreudigkeit nicht verlieren. Bleiben wir gespannt, was sie sich als nächsten einfallen lassen werden.

Wer allgemein noch mehr Info zum Album, ihren aktuellen Musikvideos sowie weitere interessante Fakten über Levi Benton und Ryan Neff im Speziellen bekommen möchte, dem sei das Interview von GRASSER PRODUCTION vom 01.05.2017 ans Herz gelegt. 

 

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Kristina

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Kristina lebt den Metal, und das nicht nur als Fan und Konzertbesucherin, sondern auch mit ihrer Metalband KAFKAESQUE. Bands, die sie inspirieren: In Flames, Gojira, Meshuggah, Beartooth, Twelve Foot Ninja, Shinedown, Jinjer, etc. www.kafkaesque.de kristina@allschools.de

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