Plattenkritik

Maybeshewill - I Was Here For A Moment, Then I Was Gone

Redaktions-Rating

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Release Date: 23.09.2011
Datum Review: 18.09.2011

Maybeshewill - I Was Here For A Moment, Then I Was Gone

 

Manchmal täuscht man sich einfach. In allem. Da ist diese Platte, die legst du mit einer gewissen Erwartungshaltung ein. Die wird nicht erfüllt. Und dann? Du ziehst den Stempel. Drückst ihn drauf und legst die Platte beiseite. Wenn sie Glück hat kramst du sie noch einmal raus. Weil du ja musst. Du musst immerhin einen Text verfassen. Und dann kommt dieser Moment – vielleicht ist es auch einfach nur der richtige – in dem sie dich gefangen nimmt. Einfach so. Und dich nicht mehr loslässt. MAYBESHEWILL haben nachgelassen, so dachte ich. Sich selbst kopiert und ihre Stärken dabei außen vor gelassen. Dachte ich zumindest. Dass es eigentlich ganz anders ist, erkenne ich erst jetzt.

Denn während mir „Opening“ und „Take This To Heart“ anfänglich nur ein müdes Lächeln auf´s Gesicht zauberten, schlug die kompositorische Kraft und Finesse in Form von Piano und Streichern, gepaart mit abartig guten Melodien plötzlich und umso härter zu. Sie hatten mich. Und dann so richtig. Der Chor im Hintergrund erledigte sein Übriges. Erster Gänsehaut Moment und es sollte nicht der letzte bleiben. Denn MAYBESHEWILL nehmen an Fahrt auf. Überschlagen sich vor Ideen und setzen immer wieder einen drauf. Kracher, wie das allseits bekannte „Not For Want Of Trying“ sucht man vergebens. Die braucht es nicht. Wofür auch, wenn man es doch ganz ohne Brachialgewalt, nur durch ausufernde Schönheit innerhalb der Kompositionen schafft, einen Hörer mitzureißen anstatt ihn niederzureißen. Und so nimmt „I Was Here For A Moment, Then I Was Gone“ seinen Lauf. Von Stagnation im Postrock keine Spur. Hier werden andere Register gezogen und völlig neue Saiten aufgespielt.

Und manchmal kommt sie doch durch, die Härte, die man sich vielleicht wünscht („An End To Camaraderie“). Aber nur kurz, denn gleich im Anschluss werden von den Streichern wieder versöhnliche, fast melancholische Töne angeschlagen, die einen in Luftpolsterfolie wickeln und beschützen möchten. So erreicht der Wechsel von laut und leise eine neue, gar wunderschöne Dimension, die selbst das aktuelle Output von EXPLOSIONS IN THE SKY alt aussehen und fast mit Links im Schatten stehen lässt („Words For Arabella“). MAYBESHEWILL sind über sich hinausgewachsen, auch wenn man das gleich zum Anfang nicht erkennen möchte. Das Album braucht seine Durchgänge, bis sich die Schönheit entfaltet und vollkommen zündet. Ist das aber erst einmal passiert, wird man „I Was Here For A Moment, Then I Was Gone“ für eine lange Zeit nicht mehr aus dem Player verbannen. Besonders dann nicht, wenn man mal wieder die Ruhe in sich sucht und sie in der düsteren Welt da draußen einfach nicht zu finden vermag.

Tracklist:

1. Opening
2. Take This To Heart
3. Red Paper Lanterns
4. Critical Distance
5. Accolades
6. An End To Camaraderie
7. Words For Arabella
8. Farewell Sarajevo
9. Relative Minors
10. To The Skies From A Hillside

Alte Kommentare

von maybeiwill 18.09.2011 21:52

pure schönheit. das album reist einen wirklich mit und lässt nicht mehr los. der weg in eine andere welt den jeder der ihn auf sich nimmt, nicht bereuen wird.

von requos 20.09.2011 20:45

Grandios!

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Alex G.

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