Plattenkritik

Mayday Parade - Monsters In The Closet

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Release Date: 11.10.2013
Datum Review: 28.10.2013

Mayday Parade - Monsters In The Closet

 

Wenn auch Ihr schon immer wissen wolltet, was eine Band mit dem formidablen Schnulzenepos Titanic gemein hat, dann bitte greift zu „Monsters In The Closet“. Der unbezahlbare Vorteil dieses Longplayers besteht allerdings darin, dass es nach knapp über 40 Minuten schlicht vorbei ist, während man bei dem sinkenden Sündenschiff ungefähr 200 Minuten ausharren muss, bis der Butterkutter mit Mann und Maus abgesoffen ist.

Zugegeben, mir fehlen auch ein wenig die Worte, was ich sonst großartig über diese wertvolle Platte berichten soll. Seit 2005 macht diese Band in mehr oder minder regelmäßigen Abständen von sich reden, kommt doch fast im Jahresrhythmus entweder eine EP oder ein komplettes Album auf den Markt. In unseren Breitengraden haben sie Gott sei Dank noch nicht großartig punkten können, was sicherlich zumindest ein wenig mit dem musikalischen Dargebotenen zu tun hat. Denn optisch sind Schwiegermama's Lieblinge wie geschaffen für das Cover der nächsten Bravo, allein ihre Songtitel sprechen eigentlich auch schon Bände. Da trieft der Schmalz und der Herzschmerz aus zwölf nicht enden wollenden Songs, dass es den geneigten Hörer lawinenartig trifft und in die dunkelsten Zeiten der jugendlichen Ängste zurück katapultiert. Baah...

Schade, ja fast ärgerlich ist, dass sämtliche durchaus vorhandenen Lichtblicke, seien sie auch noch so atomar, im Keim erstickt werden. Handwerklich könnten die fünf Mannen aus Florida sicherlich einiges mehr, zumal man für sich die Genres Rock/Emo/Indie als zutreffend auserkoren hat. Doch liebe Leute, habt Ihr überhaupt eine Ahnung, was Rock ist? Was Indie ist und auch Emo? In MAYDAY PARADE'schen Kontext verkommen diese Begriffe alle aber zu bloßen Beschimpfungen!
Warum?
Diese Bezeichnungen stehen im günstigsten Fall für etwas Bewegendes, Mitreißendes, Ansprechendes. Mitunter ein mutiger Ausbruch aus einer Routine. Bei MAYDAY PARADE aber ist das ein übles Anbiedern an radiotaugliche Standards in Verbindung mit bereits millionenfach durchgekauten Themen. Denn genau das ist auch die Zielgruppe der Band. Ein Hoch auf den Marketing-Instinkt des Fünfers.
Zuckersüße Melodien, die direkt in die Hyperglycämie führen, werden mit pseudodramatischen lyrischen Ergüssen vermischt und hie und da mit fast schon queenesken Backgroundchören unterlegt. Das Schlagzeug ist nicht der Rede wert, an der Schießbude wird größten Wert auf poppunkige Rhythmen gelegt. Das muss mitnichten schlecht sein, allerdings sollte man auch nicht allzu geizig mit so leidigen Themen wie Spannung umgehen.

Anstelle Poppunk könnte man auch College-Rock für „Monsters In The Closet“ definieren; der Effekt bliebe der Gleiche, umschreibt aber ganz treffend die vierzigminütige Soundleier der Band. Das tut nicht weh und ist in etwa so nichtssagend und authentisch wie das Glaubensbekenntnis des Limburger Bischofs. Auf einigen CDs pappt auch heute noch der „Parental Advisory“ Sticker, nicht so hier, jedoch fehlt mir persönlich auf dem aktuellen Output von MAYDAY PARADE der Warnhinweis, dass die Musik für Narkoleptiker gänzlich ungeeignet ist.

Schliessen wir also mit einer weiteren Gemeinsamkeit zwischen Titanic und diesen süßen Jungs hier: es fehlen die Baywatch-Nixen, die einem zumindest optisch das Leiden hätten mindern können.

Tracklist:

1.Ghosts
2.Girls
3.Last Night For A Table For Two
4.12 Through 15
5.The Torment Of Existence Weighen Against The Horror Of Nonbeing
6.Even Robots Needs Blankets
7.Repent And Repeat
8.Demons
9.Sorry, Not Sorry
10.Nothing You Caan Live Without, Nothing You Can Do About
11.Hold Onto Me
12.Angels

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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