Plattenkritik

Memory Tapes - Seek Magic

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Release Date: 14.05.2010
Datum Review: 13.05.2010

Memory Tapes - Seek Magic

 

Was in den ersten Sekunden nach MY BLOODY VALENTINE‘s typischen, romantisierenden Gitarren klingt, entwickelt sich zu einer Odyssee durch ein Pop-Zeitalter, beginnend bei den 80ern und den bereits erwähnten Mitstreitern, geht über die 90er und seinen Techno, hält aber stets den Hund an der Leine und spaziert auch gerne mal durch die Turnhalle, bis es endlich im Jetzt, dem Dream-Pop angekommen ist. „Seek Magic“ ist die personifizierte Abwechslung und natürlich, wie so oft in letzter Zeit, das Werk eines Produzenten. Dayve Hawke ist 26 Jahre alt, veröffentlichte unter abgewandelten Namen wie MEMORY CASSETTE oder WEIRD TAPES verschiedene Remixe, bis er auch schnell Aufträge bekam. TAKEN BY TREES, YEAH YEAH YEAHS und sogar MICHAEL JACKSON wollten was von dem Stubenhocker hören und dementsprechend schnell schellten seine Songs durch die Blogs. Kein Wunder also, dass er sich nun an einem eigenen Album versucht.

Und jenes ist so wundervoll, dass man es gar nicht in Worte fassen kann. Wenn „Bicycle“ gegen Ende mit diesem himmlischen Chor aufwartet, gleichzeitig Bass und Gitarre a la THE CURE einsetzen und erwähnte Chöre sich gar nicht beruhigen möchten, ist man gefesselt. Komplett. Die Beats im Hintergrund sorgen dabei für die Tanzbarkeit, für den Rhythmus, der auf „Seek Magic“ stets einwandfrei und atemberaubend eingehalten wird. Wobei wir uns bei „Seek Magic“ ja stets auf dem ruhigen Tempo bewegen. Hawke möchte lieber zeigen, was er drauf hat, zeigt sich verspielt, baut bei der wundervollen 80er Hommage, die mit französischem Pop-Anleihen aufwartet, Geräusche aus der Turnhalle ein, lässt Schuhe quietschen und Bälle kullern. Großartig. „Pink Stones“ beginnt dann fast genau so, wie letztes Jahr auch das Album der GOLDENEN ZITRONEN begann, was sich natürlich nicht weiterführt. Vielmehr wandelt das Stück sich in ein verspieltes Technolied, welches viel zu schnell wieder vorüber ist. „Stop Talking“ hingegen ist dann genau das, was man heutzutage in den Clubs hören möchte und baut sich nach und nach auf in ein pures Zitat-Gewitter zwischen den PET SHOP BOYS und ROYKSOPP, während der Song inzwischen die ganz große Leinwand bedient. „Plain Material“ ist dann wieder genau das, was MY BLOODY VALENTINE beeinflusst haben, bevor Hawke anfing, sich in Techno zu verlieben. Dass dabei dann nur eine verträumte Variante höchst moderner Popmusik herauskommt ist logisch, aber großartig verfasst.

Alte Kommentare

von Timo 14.05.2010 09:53

schöne review, die wirklich lust drauf macht die platte zu hören.

von Raphael 14.05.2010 10:20

bin mir zieml. sicher, dass dir das teil gefällt. hör es dir an. haut um, echt.

von Timo 15.05.2010 18:09

wow, ich muss einfach mal wow sagen bzw. schreiben. ist jetzt schon das 2 "chillwave"-album (was auch immmer mir dieses genre sagen will) dass mich erst auf den 2. blick so richtig gekickt hat. schon bei toro y moi hatte es n bisschen gedauert, aber irgendwann hat mich die stimme dann gekickt. bei memory tapes war's eher so, dass ich das album nach allgemeiner begeisterung angehört hatte und es hat und hat mich nicht bekommen, schien mir irgendwie blutleer und kraftlos. dann hat die review hier so viel lust gemacht doch noch mal rein zu hören und plötzlich... wie gesagt "wow". wunderbares stück dream-(electro)pop. jetzt soll aber auch bald ein album von washed out kommen - und wehe das wird nicht noch besser

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Raphael

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