Plattenkritik

Miracles - Miracles

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Release Date: 18.01.2013
Datum Review: 18.12.2012

Miracles - Miracles

 

 

Es kann noch lange nicht aller Bärte Abend sein: Damit niemand Hugo Mudie einen drögen Kopierpinsel schimpft, holt er sich für sein „Soloprojekt“ einen vertrauten Bühnendrescher mit ins Boot. So bleiben mehr Zunder fürs Bandinfo sowie zweierlei Erinnerungen am Tag danach – und im Eifer des Gefechts mindestens eine freie Hand für das Getränk der Nacht.

Neuland ist das Schema von MIRACLES für Mudie und den besagten Kollegen Fred Jacques allerdings nicht, denn wo vorher YESTERDAY´S RING draufstand, prangert jetzt MIRACLES. Statt dem Van reicht ein Kombi, statt einer PA die Feuertonne im Hinterhof. Wenn dann „My Worst Enemy“ oder „Don´t Waste Another Sunday“ angestimmt werden, kommen Backgrounds und Trompetenbegleitung fast von selbst hinzu - und was so folkig/punkig/bluesig (oder hier eben kurz bärtig) daherkommt, hat ohne große Übung jeder im Kopf, der sich in den letzten Jahren mit den Solowerken diverser Herrschaften von Ragan über Cape bis Herrera beschäftigt hat.
Aufgrund zuvor genannter Tatsachen kann man „I´ll Marry You Mary“ auch ohne Weiteres YESTERDAY´S RING zuweisen, „Ride Cowboy Ride“ poltert sich hingegen durch die Südstaaten und frühere Gütesiegel der US-Rockmusik. Mit bleischwerer Stimme und doch zartem Blickwinkel hat Mudie / haben MIRACLES „Miracles“ dabei stets fest in der Hand: „Silver And Gold“ hat das Sing-A-Long-Emblem auf die Stirn geklebt und kommt mit handelsüblichem Mundharmonika-Solo im Zwischenteil, „The Fariytale Is Over“ hält im direkten Anschluss den beinahe schon vom Ausleiern bedrohten Country-Touch bereit, den tiefe Bläser Marke Montreal zurück ins Mittelfeld schütteln.

MIRACLES setzen dabei vermehrt auf den nachdenklichen Moment, in dem sich THE SAINTE CATHERINES oder eben YESTERDAY´S RING schon längst eine kalte Auswegs-Büchse genehmigt hätten. Die Stimmung gesetzter, das Behagen melancholischer bis durchdringender – wenige Spuren jedoch von Stärke oder diesen warmen Bauchgefühlen, die selten geworden sind im Folk, der eigentlich Punk sein will – oder eben andersrum. Mudie jedoch behält die Fahne im Wind und diverse Erkenntnisse auf seiner Seite: „I Can´t Have Sex All The Time“ lautet ein Vorschnelles davon, „Gimme A Reason To Be Different“ dann ein Weiteres.
„Miracles“ und seine dreiundzwanzig Minuten Spielzeit allerdings helfen keinem davon bedeutend genug auf die Sprünge.

Trackliste:

01. Fourteen
02. I'll Marry You Mary
03 .Coming Back Home
04 .My Worst Enemy
05 .Silver & Gold
06. The Fairytale Is Over
07. Don't Waste Another Sunday
08. I Can't Have Sex All The Time
09. Ride Cowboy Ride
10. Sad Building
11. L'esprit De L'escalier (For The Kids)

Autor

Bild Autor

Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.