Plattenkritik

Modern Life Is War - Fever Hunting

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 03.09.2013
Datum Review: 07.08.2013
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Old Fears, New Frontiers
2. Health, Wealth & Peace
3. Chasing My Tail
4. Media Cunt
5. Blind Are Breeding
6. Fever Hunting
7. Dark Water
8. Brothers In Arms Forever
9. Currency
10. Cracked Sidewalk Surfer
11. Find A Way

Band Mitglieder

 

Jeffrey Eaton - Vocals
John Paul Eich - Guitar
Matt Hoffman - Guitar
Chris Honeck - Bass
Tyler Oleson - Drums

Modern Life Is War - Fever Hunting

 

Manchmal gibt es sie. Bands, die wie aus dem Nichts auftauchen und bleiben. Bands, die sowohl für eine gesamte Subkultur, als auch für das persönliche Erwachsenwerden zwei überlebensgroße Werke veröffentlichen. Bands, die so überraschend wie sie kamen, auch wieder gehen. Bands, die nicht zu füllende Löcher hinterlassen. Denn MODERN LIFE IS WAR war so eine Band.


6 Jahre sind seit der plötzlichen Auflösung vergangen. 6 Jahre in einer seelenlosen und immer ignoranter werdenden Szene, die eigentlich immer für das Gegenteil einstand. 6 Jahre, in denen Löcher bestenfalls stabilisiert, jedoch keinesfalls gestopft wurden. Doch nun, 6 Jahre später, wiederholt sich die Geschichte: Eine Band, die wie aus dem Nichts auftaucht und (hoffentlich noch lange) bleibt. Eine Band, die versucht, sowohl für eine gesamte Subkultur, als auch für das Erwachsenenleben, ein weiteres, überlebensgroßes Werk zu veröffentlichen. Denn MODERN LIFE IS WAR ist so eine Band.


Old Fears - new Frontiers schallt es da zum Beginn durch die Kopfhörer und könnte bezeichnender für die letzten Jahre nicht sein. Macht unmissverständlich klar, dass diese Menschen in den letzten Jahren keinesfalls mit ihrem Leben zufrieden waren. Accepting myself, accepting my condition. Avoiding attachment and following my vision. The changes I waited for never came, my struggles of yesterday are my struggles of today macht dann eben genau das im nachfolgenden Lied klar. Macht klar wohin die Reise auf "Fever Hunting" gehen soll und macht vor allem auch klar, dass MODERN LIFE IS WAR zurück sind. Zurück nach ihrem überraschendem Ende, der großen Kritik an ihrem bis dato letzten Album "Midnight In America" und den Lobhudeleien für "Witness". Zwei Alben, die in der Retroperspektive, wohl der größte Einfluss für Fever Hunting geworden sind. Wurden sie auf "Witness" noch für ihre geschaffene Atmosphäre und Texte (zurecht) bis in den Himmel gelobt, war dies keine 2 Jahre später vergessen. Natürlich war "Midnight In America" nicht auf einem Niveau wie "Witness" oder "My Love. My Way." aber war dies überhaupt möglich? Wahrscheinlich nicht. Was damals aber leider nur den Wenigsten auffiel war, dass sie es geschafft hatten eine unfassbar Authentizität in ihre neuen Songs zu bringen. Eine Authentizität, die für einen maßgeblichen Anteil von "Seele" verantwortlich war. Eine Authentizität, die die Songs noch direkter und kompromissloser für den Zuhörer machten. Und eben genau diese Kombination aus Atmosphäre, Texte und Kompromisslosigkeit kann man nun auch auf "Fever Hunting" feststellen. Lieder wie "Media Cunt" oder "Fever Hunting" beweisen das recht eindrucksvoll. Die Kraft, Wut und Schnelligkeit eines "D.E.A.D.R.A.M.O.N.E.S." gepaart mit der Tiefgründigkeit eines "Stagger Lee" sorgen schon früh für die ersten Gänsehautmomente. So könnte Media Cunt auch als das Vorreiter Lied für die eben angesprochenen Ängste und die neuen Hürden gesehen werden. Gewohnt selbst- und gesellschaftskritisch agiert Jeffrey Eaton wie in besten Zeiten und geht mit alles und jedem auf Konfrontationskurs. I suspected you’ve been infected by the diseased discharge of the media cunt. So little room to exist between the honest truth and a crippling worldview. Decadent, begging for pleasure. Like a druggie on a hamster wheel begging for forever - alles gesagt. Schlussendlich gipfelt "Fever Hunting" dann in einem Lied, dass so in dieser Form bedenkenlos auch auf "Witness" seinen wohlverdienten Platz gefunden hätte. Ein Lied, was liebevoll auch als "I’m Not Ready Pt. 2" bezeichnet werden könnte. Nicht nur instrumental erinnert es sehr an das besagte Lied, auch textlich ist es sehr nah an dem damaligen Albumhighlight angelegt: And I'm sorry that it took me so long to find the words to write the song that we can all still truly believe in but I truly believe that we can still start again. (I’m Not Ready) If the fear cripples you and you lose your chance to try again you’ll have to live with your own wasted live. (Find A Way)


Abschließend bleibt also wirklich nicht mehr viel zu sagen. Sie wurden schmerzlich vermisst, sind wiedergekommen und haben vieles bis nahezu alles richtig gemacht. Ob sie damit ein weiteres, überlebensgroßes Werk geschrieben haben, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ihre Daseinsberechtigung, die viele nach der Reunion in Frage stellten, haben sie auf jeden Fall bewiesen. Lang lebe MODERN LIFE IS WAR.

Alte Kommentare

von Nori 08.08.2013 08:40

Sehr sehr gutes Review: Macht neugierig und ist packend geschrieben. Release ist erst im September - Puh!!! Die Rezi kam hier viel zu früh - mit welchen Platten soll ich denn die Wartezeit noch überbrücken? ;)

von Ray 08.08.2013 08:57

@Nori hör dir doch einfach den offiziellen Stream der Platte an ;-) diese ist btw richtig richtig stark geworden. 2013 scheint das Jahr der großen Comebacks zu sein wenn ich da noch an Misery Signals und Shai Hulud denke.

von Sören 08.08.2013 11:01

Ich habe mir als Vorgeschmack das Album digital bei Deathwish gekauft (bevor die LP nächsten Monat zu bekommen ist) und ich bin begeistert. Richtig starke Songs, einfach MLIW...

von bEn 08.08.2013 11:23

schönes review und sehr gut beschrieben!

von nori 08.08.2013 12:32

irgendwie werde ich meine oldschool-haltung wohl bald nicht mehr durchziehen können. bisher habe ich immer bis VÖ gewartet und die platte dann ganz altmodisch im zimmer zelebriert - aber ja, ich schätze diesmal werde ich schwach! wut für die geld und das auch noch für kleines geld!

von War vor 6 Jahren 08.08.2013 12:34

noch zu jung, um auf sie aufmerksam zu werden. Die Platte dient mir nun als rückwärts gewandter Einstieg in die Diskographie. Richtig stark! Und Fabian: tolle Rezension! Da ist das Ding: http://pitchfork.com/advance/174-fever-hunting/

von moritz 08.08.2013 15:06

cover ist scheisse - warum sagt das niemand in zeiten der "designer generation?"

von nicht moritz 08.08.2013 16:12

Weil Geschmäcker unterschiedlich sind.

von jensen 08.08.2013 18:12

Ich mag das Cover. Schönes Grün, schön schlicht. Musikalisch ist es sowieso 'ne Bombe. Hatte die Platte bis vor ein paar Tagen gar nicht auf dem Radar und dann ist sie aber so was von eingeschlagen, mein lieber Scholli. Jahresbestenlistenmaterial, würde ich sagen.

von ... 08.08.2013 21:30

........... wow! Kaum ist das Album zu hören schon ist hier das Review da XD Starkes Album! Starkes Review! Lang lebe MLIW!!! 10/10

von Steven 08.08.2013 23:34

Sehr coole Review! Auch wenn unsere Meinungen zuletzt bei Defeater auseinander gingen: Du schreibst hier bei Allschools die besten Reviews! Mit viel Herz und nötigem Tiefgang. Bei der Platte und MLIW stimme ich Dir zu 100% zu...

von Tobe 09.08.2013 08:32

stream zur hälfte gehört, album gekauft. mal sehen ob das gut geht :)

von JollyRogger 09.08.2013 11:41

nur noch highlights!!! august: oathbreaker/jungbluth september: modern life is war oktober: afi wow!

von @JollyRogger 09.08.2013 14:52

Hahahaha. Das sind deine Highlights??? Peinlich!

von @@JollyRogger 09.08.2013 14:58

du geh einfach weiter Eskimo Callboy hören.

von @JollyRogger 09.08.2013 17:57

Du hast Touche Amore vergessen :)

von Thomas R. 14.08.2013 13:22

Wohl das beste Review auf dieser Seite. Danke Fabian.

von JollyRogger 16.08.2013 20:47

Und jetzt bitte noch mal für mich: Wieso ist das peinlich?

von Lutz Jahoda 16.08.2013 21:07

@Jolly Rogers: Lass sie doch labern.

von @Jolly Rogers 17.08.2013 07:04

@Jolly Rogers: stimmt, lass die Typen reden, da war nix peinlich dran. Aber hey, wer Nasty & Co. hört, dem kann man eh nicht mehr helfen ;)

von daltonbrother 09.09.2013 20:12

was eine wahnsinns platte!!!! ich wünsche dieser HC-Szene endlich wieder die SEELE, die sie verdient!

von seit 86 dabei 14.10.2013 23:30

definitiv die hardcore-platte des jahres!

von Norrin Radd 26.04.2014 23:28

find die platte eher mäßig. mit health, wealth & peace, brothers in arms forever und blind are breeding 3 sehr geile songs, aber der rest...naja. freu mich trotzdem aufs groezrock! :)

von haha 04.05.2014 00:50

jemandem, der die band norrin radd gut findet, sollte man was plattenreviews angeht, eher nich vertrauen

von Norrin Radd 29.05.2014 20:31

ich wusste gar nicht, dass es ne band namens norrin radd gibt. erkundige dich nochmal! es gibt nen weitaus bekannteren norrin radd! ;)

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Fabian

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