Plattenkritik

Moonsorrow - Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa

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Release Date: 25.02.2011
Datum Review: 26.03.2011

Moonsorrow - Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa

 

Was passiert wenn nur noch eine kleine Gruppe Menschlein auf dem Planeten unterwegs sind? Dieser apokalyptischen Ausgangslage nehmen sich die (Folk)-Black-Metaller MOONSORROW auf ihrem neuen Album an. „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa“ nennt es sich, was auf Deutsch so viel heißt wie „Als Schatten wandern wir im Land des Todes“ - vielleicht ist das leichter zu merken als der finnische Titel.
Anders als auf ihrem letzten Streich „Viides Luku – Hävitetty“, welches aus zwei halbstündigen Songs bestand, haben sich die Nordmänner dieses Mal für mehrere mittellange Lieder entschieden die sich mit kurzen atmosphärischen Interludien abwechseln.
Auf den ersten Blick fehlen MOONSORROW auf „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa“ die großen Melodien, die sich sofort beim ersten Hören ins Gedächtnis brennen, jedoch muss man nach einigen Hördurchläufen feststellen, dass diese Annahme wohl ein Irrtum ist und die Finnen die epischen Momente auf ihrem sechsten Langspieler besser versteckt haben. Wo einem der Opener „Tähdetön“ zu Beginn noch sehr schwerfällig und düster entgegenschlägt entwickeln sich im Laufe des Songs doch die typischen MOONSORROW-Trademarks heraus. Maultrommel, unvergleichlich schöne Harmonien und mitreißender, emotionaler Gesang – alles ist vorhanden, aber nicht so offensichtlich wie auf den Vorgängeralben. Im zweiten richtigen Track „Muinaiset“ gelingt es MOONSORROW gerade zur Mitte hin durch flächiges Keyboard und hymnische Chöre im Hintergrund eine trostlose Atmosphäre zu schaffen, welche die Thematik des Albums wunderbar widerspiegelt. „Huuto“, reguläres Lied Nummer 3, ist wohl das ungewöhnlichste Stück Musik auf „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa“, denn anfangs frohlockt es nur von fröhlichen Melodien und Zugänglichkeit, doch diese Elemente schwinden im Laufe der fünfzehnminütigen Spielzeit und die Stimmung verschiebt sich immer weiter in Richtung Black-Metal, um den Hörer danach hoffnungslose und ausgebrannt zurückzulassen. Im letzten Zwischenspiel „Kuolleille“ hört man den letzten Mensch auf Erden, der sich schließlich unter markerschütternden Schreien selbst richtet und somit wunderbar in „Kuolleiden maa“ - „Das Land des Todes“ - überleitet. In diesem abschließenden Lied zeigen MOONSORROW noch einmal all ihr Können und überzeugen durch ihre gänsehauterzeugenden Melodien, genauso wie mit der Eindringlichkeit die sie in ihrer Musik verpacken. Ja, man glaub ihnen, dass kein Mensch mehr auf Erden weilt, dass dies einerseits traurig, andererseits sehr befreiend zu sein scheint.
MOONSORROW haben mit „Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa“ wohl das facettenreichste, aber auch thematisch düsterste, Album ihrer Karriere geschrieben, welches selbst nach unzähligen Durchläufen noch nicht vollkommen erschlossen ist und immer wieder kleine Details preisgibt. Mit diesem Album können sie sich fürwahr als die Nachfolger der großartigen BATHORY feiern lassen.

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Manuel

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Ich schreibe Artikel. Manchmal schlecht, manchmal gut, immer über seltsame Musik.

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