Plattenkritik

Morgan Finlay - Shifting Through The Breakers

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Release Date: 01.01.2007
Datum Review: 10.09.2007

Morgan Finlay - Shifting Through The Breakers

 

Deutsche Musiker, die Songs auf Englisch zum Besten geben gibt es wie Sand am Meer, spielt man das Material einem Muttersprachler vor, hat das so manches Mal ein peinlich berührtes Grinsen zur Folge. Zu merkwürdig die Texte, zu dilettantisch die Aussprache. Umso beachtlicher deshalb der Versuch des kanadischen Singer/Songwriters MORGAN FINLAY nicht nur einen deutschsprachigen Song aufzunehmen („Bei Dir Sein“), sondern das multikulturelle Prinzip völlig auszureizen und die Königsdisziplin in Angriff zu nehmen: Französisch („Mourir D'envie“).Das klingt alles ein wenig schroff und hat (bei genauem Hören zumindest) einen unterhaltsamen Akzent zu bieten, aber letztendlich bleiben die Songs doch liebenswert und feinfühlig.

Liebenswert und feinfühlig hätte auch der Album-Untertitel des inzwischen in Berlin ansässigen Kanadiers lauten können. Schon Opener „(in)Security“ legt die Mitgefühl-Messlatte hoch, das ruhige akustische Stückchen geht langsam über in weisen, späten NICK DRAKE Streicher-Pop. „Security, you wretched scheme…you’ll break my heart before my dream. I’m not sure I’ll get what I paid for“. Zeilen wie gemacht für das anspruchsvollere Poesiealbum. „Merge“ zeigt dann wie es weitergehen soll mit FINLAY, weg vom reinen Konzept des einsamen Sängers mit abgewetzter Gitarre, hin zu akustischem Indiepop, inklusive zackigem Beat und, man höre und staune, Background Chor. Seine Sache macht der Kanadier dabei gut, keineswegs überladen wirkt MORGAN FINLAY mit Band, sondern bleibt mit seiner warmen, rauen Stimme genauso einnehmend wie als One-Man-Show. Wenn dann auch noch die „She’s Leaving Home“ BEATLES Geigen in „Night At The Mercury“ einsetzen, wird es fast schon zu viel mit Liebenswürdigkeit, das hat der junge Mann wohl ebenfalls gemerkt und streut mit „Sound Of Industry“ auch rockigere Songs ein, dreckig, räudig oder gar fies wird es aber nicht. Wer das bei „Shifting Through The Breakers“ erwartet ist definitiv fehl am Platze.

Dafür zeigt dieses zweite Album einen Singer/Songwriter, der anfängt die Grenzen seiner Zunft auszuweiten, nicht mehr nur auf gewohnte Folk-Rock und Americana Rezepte zu vertrauen, sondern sich ganz den mannigfaltigen Möglichkeiten der Musik widmet. Auch wenn es so nasal, ungelenk und unfreiwillig komisch klingt wie „Bei Dir Sein“. Dem Charme tut es keinen Abbruch.

Tracklist:

1. (In)Security
2. Merge
3. Night At The Mercury
4. Sound Of Industry
5. Bei Dir Sein
6. I Meant To Get You Back
7. Mourir D'envie
8. Take The Edge Off
9. Mescaline
10. Blessing And Burning

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Dennis

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