Plattenkritik

Morning Glory - Poets Were My Heroes

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Release Date: 28.08.2012
Datum Review: 30.08.2012

Morning Glory - Poets Were My Heroes

 

Ezra Kire freut sich schon morgens auf den Feierabend. Wenn in New York City die Lichter angehen, die ersten Divebars die Pforten öffnen und überall in der Stadt die Schlipsträger gen Abendbrottisch hetzen, ist es Zeit für Kire, Skapunk Skapunk sein zu lassen. Und seine andere musikalische Direktorenrolle ins Rampenlicht zu drücken.

Denn wenn bei LEFTÖVER CRÄCK der Hammer fällt, hat der schlaksige New Yorker endlich Zeit für MORNING GLORY. Seit 2003 war das nur selten der Fall - erst Jahre später wird der Haufen um Drummer Early Gates, “Metal” Chris und Gitarrist Lucky Strano wieder zusammengetrommelt und mit Adam Schrager an der zweiten Gitarre aus dem Koma in den Proberaum verfrachtet. Dort lauert Ezra bereits mit allem, was nicht niet- und nagelfest in einer Schublade verankert wurde: „Shelter From The Spoon“ bringt das Piano in einer klassischen Punkrocknummer unter, „Everything´s A Song (To Me)“ hebt die Hand zum Schwur: Zwischen SWINGIN UTTERS-Sound pfercht das zirkusreife Gespann ausschweifende Gitarrensoli, Bläserakzente und groovendes Chaos. „March Of Asylum“ oder „Touch“ treten weit aus und formen von Metal über Indieballade mit Orgelfundament oder Call-And-Response-Army-Marsch ein Album, was überall reinschnuppert, wo auch nur ein Türspalt zu erahnen ist.

Punkrock und Ska kennt Ezra wie seine Westentasche, „Poets Were My Heroes“ will auch in andere interessante Sparten ein Häkchen malen. Deswegen muss die Gitarre krächzen und quietschen, und der Schlagzeuger gerne inbrünstig das China-Becken missbrauchen dürfen. Mal gehen MORNING GLORY den kürzesten Weg und stumpf geradeaus, wie im vergleichsweise strukturierten „Divide By“. Die Chorusmelodien, bei „Life´s A Long Revenge“ hochnäsig unter´s Straßenpunkgewand geschoben, schaffen unter Kires Organ öfter den Schritt weg von „räudig“ und „porös“ – hinein in die schlichte, weiße Rockschublade. Trotzdem atmet „Orphan´s Holiday“ Punk durch beide Lungen - „Poets Were My Heroes“ in seiner Gesamtheit vielleicht sogar zu nervös.
Natürlich sind Grenzen zum Einreißen da. MORNING GLORY markieren mit ihrem Debütalbum eine Schmerzvariante, bei der dieses „Einreißen“ schnell plump oder überladen wirken kann. Es braucht also ein „aufnahmefreudiges“ Punkerohr, um dem dreckig vertonten NYC-Koloss Tribut zu zollen. Oder vorab eine intensive Aufwärmphase in einer lokalen Divebar, damit einen der Anblick des am Klavier sitzenden Ezra Kire nicht unvorbereitet trifft.

Trackliste:

01 – Stevie Dinner
02 – Everything’s A Song (To Me)
03 – Shelter From The Spoon
04 – Poets Were My Heroes
05 – March Of The Asylum
06 – Quemar Las Fronteras
07 – Divide By
08 – Orphan’s Holiday
09 – Touch
10 – Patiently
11 – Life’s A Long Revenge
12 – Another Way (Outside The Walls Of Eden)
13 – Born To December
14 – Care Of Me

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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