Plattenkritik

Motorjesus - Electric Revelation

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Release Date: 21.02.2014
Datum Review: 26.02.2014

Motorjesus - Electric Revelation

 

Mit „Wheels of Purgatory“ erwischten mich die Jungs 2010 auf genau dem richtigen Fuß. Auf der Suche nach einem unverbrauchten und dreckigen Stück Musik, kamen mir MOTORJESUS mehr als gelegen – Rock'n'Roll der Extraklasse, der nach Schweiß, Öl und einer fetten Portion Sex klang. Mit diesem Album im Player verwandelte sich selbst die sonst so biedere Familienkutsche in einen Mustang Cabrio.

Leider musste das bestens geölte Bandvehikel dann aber 2012/ 2013 erstmal auf Parkposition geschoben werden, begründet durch die gesundheitlichen Probleme des Sängers. Doch anscheinend ist der Gute, Gott, Satan oder Wem auch immer sei Dank, wieder voll genesen - denn gleich vorweg sei soviel gesagt – das Warten hat sich gelohnt! Und wer die Band bereits abgeschrieben hatte (so wie ich!): bitte einmal vortreten! Diesem sei mit der aktuellen Scheibe einmal links und rechts an die Backe geklatscht. Und zusätzlich noch ans Bein getreten. Totgesagte leben bekanntlich länger und meistens sogar besser.

Ich bin normalerweise kein Freund hochtrabender Pressewaschzettel. Gäbe es einen Rekord hinsichtlich der Benutzung von Superlativen, einige dieser Presseinfos würden direkt ohne notwendiges Lektorat ins Guinness Buch der Rekorde einziehen. Doch diesmal kann man sich getrost auf die Angaben des Waschzettels verlassen, wenn es da heisst: “...Cruisen in der Heavy-Rock-Königsklasse“.

Denn nichts anderes erwartet den Hörer nach einem kurzen Intro, das, oh wunder, mit Motorengeräusch, einer kläffenden Töle und einer Kirchenglocke angereichert ist. Klischees? Aber ja, bitte, mehr davon. Mehr Schweiß, mehr Motorenöl, mehr Dreck und mehr Sex. Denn sind das nicht die kleinen Dinge im Leben, die unseren tristen Alltagstrott bereichern, indem sie uns glaubhaft den Rebellenstempel aufdrücken und uns an Freiheit glauben lassen?

Und auf „Electric Revelation“ bekommen wir mehr, vor allem aber noch mehr Rock. Und ich meine nicht diesen verkopften, zarten Rock! Nein, ich meine den Rock, zu dem wir lauthals grölend mit Bier in der Hand zusammen mit unseren Freunden auf den Konzerten und Parties steil gehen, unsere Fäuste gen Decke recken und der uns für den Moment unbesiegbar macht.

Zwölf Songs lang dauert dieser Moment auf der nunmehr vierten Langrille des Fünfers aus Mönchengladbach; doch Zeit spielt dabei keine Rolle. Denn über Zeit machst Du Dir nur Gedanken, wenn das Songwriting nicht stimmig ist, die Breaks nicht sitzen und die Hooks nicht zünden. Doch MOTORJESUS schütteln sich anscheinend geile Songs aus den Hemdsärmeln, als seien es Schuppen. Kein Song wirkt verkrampft oder lahmt an irgendeiner Stelle. Ob die Band balladeskere Töne wie in „Rust“ anschlägt oder sich in sämtlichen Nebenflüssen des Rock suhlt und dabei stets das Gaspedal des Mustang bis zum Bodenblech durchtritt wie in „Midnight Rider“ oder auch „The Warning“ - die Songs tragen alle den unverkennbaren MOTORJESUS-Stempel, was natürlich auch an der wieder einmal herausragenden Röhre um Frontmann Birx liegt.

Freunden der gepflegten Rockmusik wird hiermit „Electric Revelation“ ausdrücklich empfohlen. MOTORJESUS rocken sich durch 12 Songs, dass es eine wahre Freude ist. Das ist genau der Sound, den Du brauchst, wenn es Montags morgens um 8h Sturm klingelt, Du noch völlig verkatert vom wochenendlichen Frustsuff zur Türe schlurfst und der Gerichtsvollzieher mit einer Aktentasche voller Pfändungen, ohne Deine höfliche Zustimmung abzuwarten, in Deine total versiffte Bude stürmt. Wie viele Schuldscheine er auch auspacken mag, solange dieses Album in Deinem Player rotiert, wird Dich das nicht wurmen, denn Du bist der „Resurrection Man“!

Well done, Boys!!!

Tracklist:
1.The Arrival
2.Trouble in Motor City
3.The Run
4.Speed Of The Beast
5.Back In The Action Car
6.Rust
7.100.000 Volt Survivor
8.Electric Revelation
9.Midnight Rider
10.The Warning
11.Resurrection Man
12.Dead Army
13.The Right Hand Of The Devil

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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