Plattenkritik

Narrows - New Distances

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Release Date: 12.05.2009
Datum Review: 29.04.2009

Narrows - New Distances

 

Eine kleine Philosophie der Entfernungsüberbrückung mittels intelligentem Krach: Allstar ist an NARROWS' Albumdebüt in erster Linie das Verquirlen sämtlicher Post(Punk)-Genres zu einem Soundmix, der eine wahre katastrophische Sogwirkung entfaltet. Bullig, vertrackt, fordernd, schwebend, enervierend. The shape of punk to come for 2009? Könnte durchaus sein…

„Denken wir zusammen, was nach normalen (gewohnten) auditiven Maßstäben nicht zusammen gehört. Gründen wir eine Band, im Wissen darum, höchstens äußerst sporadisch gemeinsam in schwitzigen Clubs die Tonalverstörer zu geben. Drucken wir unser Logo in hippen Regenbogenfarben und Sci-Fi-Fraktur auf unser Merchandise, um zu symbolisieren „Seht her, so könnte sich die Zukunft anhören!“. Lassen wir scheinbar unangestrengt eine Menge zeitgenössischer Krachschläger verdammt affektiert aussehen.“

So oder so ähnlich würde sich wohl der Masterplan, der aus ehemaligen BOTCH-, gegenwärtigen THESE ARMS ARE SNAKES- und Ex-UNBROKEN-Krachschlägern bestehenden Band lesen. Unterschreiben? Ja bitte… Bereits die im letzen Jahr erschienene Debüt-EP ließ ja auf Großes hoffen. "New Distances" wischt den Angstschweiß schmalschultriger Chaos-Exegeten nun gelassen weg. Ryan Frederiksen und Jodie Cox duellieren sich mit flirrender, schräger, bedrohlicher und stets innovativ-überdrehter Gitarrenklangkunst, Rob Moran sorgt für ein transparent-groovendens Bassfundament und über allem thront Vokalbeserker Dave Verellen, der seinen Mitmusikern jedoch eine Menge Raum zur Entfaltung lässt. Wo 'Chambered' angenehm unvermittelt nach vorne prescht (das haben sie von Hardcore/Punk gelernt) und trotzdem tonale Widerhaken bereithält, loten 'A Restoration Effect' (ohne Gesang) sowie 'Marquis Lights' (auch hier: kein Gesang) Tiefen aus, von deren atmosphärischer Existenz andere Bands nicht einmal ahnen. Zwischendurch ein Jazz-Break ('I Give You Six Months'), welches sämtliche Moshblagen nichtsblickend „Kunstscheiße!!!“ gen rot angemaltem Himmel kreischen lässt. So soll es sein. Das hier ist schließlich nicht der Soundtrack für motorische Experimente im Mittelstands-Pit. 'Changing Clothes' verdichtet genannte Stärken schließlich, obschon die Gitarren im Schlussteil frappierend an TOOLs 'Schism' erinnern. Der Trick: NARROWS sind eigentlich (noch) härter, als sie im ersten Moment erscheinen. Und sie wirken nach.


Tracklist:

01: Chambered
02: Sea Witch
03: A Restoration Effect
04: I Give You Six Months
05: Changing Clothes
06: Newly Restored
07: The Fourragere
08: Gypsy Kids
09: Marquis Lights

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René

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