Plattenkritik

Navel - Loverboy

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Release Date: 08.02.2013
Datum Review: 11.01.2013

Navel - Loverboy

 

Dem ergrauten, aber stolzen Pferd, das unter „Loverboy“-Flagge unerschrocken durch die Steppe trabt, kann man leicht ans Bein pinkeln. Würde man den Kaleidoskopeffekt aus der Szenerie streichen oder das Ross zwingen, sich langsam und unnatürlich fort zu bewegen etwa. Oder, indem man den Gaul einfach als „Retro“ beschimpft und zu den Akten legt.

Um dem entgegen zu wirken, veröffentlichen NAVEL mit viel Noise, aber eigentlich bloß garstigem Bluesrock, ein Album mit dem Abbild der Unschuld auf dem Cover. Der kleine Junge zeichnet zwar nicht verantwortlich für die schwebenden Gitarren, die psychedelischen Songstrukturen und die trockenen 70er Naturen, die von „Barrels Of Love“ über das Highway-liebende „The Sun For Me“ bis hin zum beklagenden „I Burry My Luck In This Town“ reichen und so uramerikanisch daherkommen, wie der Ketchup zu den Fritten. Jedoch täuscht der glimpfliche Anblick, den die Schweizer mit neuer Besetzung bloß auf die äußere Hülle ihrer Veröffentlichung drücken. Drinnen, wo es warm und mindestens genauso lebendig ist, warten fuzzige Gitarrren und lodernde Gesänge („Sweetest Song“) auf das blau gestreifte Chaos, was „Love Her (Before She´s Gone)“ mit tollwütigen Riffs und marschierendem Schlagzeug ausspuckt.

NAVEL sind auf der Hut und wählen ihr Gepäck für den Trip durch die Wüste und Dürre sorgfältig: Effektboard und Schellenkranz müssen mit, falls es unterwegs wiederzubeleben gilt, eignen sich das eröffnende „Cold Blood“ genauso wie das bratzige „This Is The Youth“. Muffig oder verwelkt klingt die Band aus Basel dabei selten - dennoch hält der Nachfolger von „Neo Noir“ einige Momente an der zu langen Leine, die unter Scheppern und Schnaufen nach dem möglichen zu Hause oder der passenden Richtung suchen.

„Loverboy“ – dem fraglichen Prädikat stimmt der verwirrte Bub auf dem Titel vielleicht bedingt zu. Allerdings nur solange, bis „Shine On“ nach elf wallenden Minuten das Weite sucht, der nackte Frechdachs im Finale seinen blanken Hintern präsentiert und sich die Musik von früher wieder wirklich (so) anfühlt: wie früher.

Trackliste:

01. Cold Blood
02. The Sun For Me
03. Loverboy
04. I Bury My Luck In This town
05. Barrels Of Love
06. Sweetest Song
07. Hollow Sky
08. Love Her (Before She´s Gone)
09. This is The Youth
10. Right To The Next Fire
11. Shine On

Alte Kommentare

von Anonymous 16.01.2013 12:36

Der eine Song klingt ziemlich Black Keys mäßig... Und das ist nichts schlechtes. Werde dem Album mal ne Chance geben.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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