Plattenkritik

Neverstore - Neverstore

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Release Date: 03.11.2014
Datum Review: 11.01.2015

Neverstore - Neverstore

 

Wer bei Schweden lediglich an die Todesblei-Fraktion denkt, führt wahrscheinlich auch ein Hillbilly-Dasein. Daran ist sicher nichts Verwerfliches, aber sollte man nicht auch von Zeit zu Zeit auch mal aus seiner Höhle rauskommen und einen Blick über den Felshaufen hinweg wagen? Vielleicht stehen da nämlich schon die drei Jungs von NEVERSTORE, um den steinewerfenden und ewig grummeligen Barney Geröllheimer in uns mit duftenden Blumen und einer zuckersüßen Pop-Punk-Melange in ihrem Kosmos willkommen zu heißen.

Und es ist ein auf den ersten Blick keinesfalls abstoßender Kosmos. Mal Hand auf's vom Alltagsdasein geschundene Herz: wer von uns sehnt sich nicht zurück zu der Zeit, als man zu GREEN DAY's „Boulevard of Broken Dreams“ im rebellischen H&M-Misfits-Outfit mit gebrochenem Herzen die unerbittliche Straße zum Erwachsenen entlang schlenderte, dabei Billigbier aus Büchsen vernichtete und sich so anders, missverstanden und allein fühlte. Das waren noch angenehme Probleme, heutzutage geht’s nur noch um Nebenkosten und Steuerbelastung.
Ja, damals waren wir alle noch Anti-Alles! Und wir wollten es bleiben, für immer!
NEVERSTORE haben sich dieses Gefühl, diese Lebenseinstellung bewahrt. Und weil Musik eben schon immer Mauern und Grenzen, sowie leider auch Qualitätsstandards und Credibility-Barrieren einreißen konnte, setzen sie auf der neuen gleichnamigen Langrille alles auf diese Karte.
Guter Rat ist bekanntlich teuer, doch die verkaufsfördernden Ratschläge von durchschnittlichen Marketingabteilungen gibt’s vor allem im Musikbusiness meist gratis gegen nur eine Unterschrift.

Handwerklich zwar solide, aber eben doch schlicht und zuweilen arg lieblos verpackt, schwirren die eingängigen und sehr auf Funktion getrimmten Melodien in den Gehörgängen umher, wollen sich einnisten, fliegen aber wegen Belanglosigkeit und fehlender Substanz zu der gegenüber liegenden Hörmuschel wieder heraus. Die Schwester von Fräulein Nett war eben doch (fast) immer schon einfach nur sch...ähm...Frau Berechenbar-Langeweile.

Und genau diese macht sich eben im Endeffekt beim doch sehr kargen Genuss des nunmehr dritten Longplayers des Trios aus Schweden gepflegt und sehr schnell breit. Alles schon mal gehört. Und auch schon besser. Variabler. Mitreißender, Begeisternder. Da hilft dann auch das obligatorische Klavier beim Rausschmeißer „Lost“ nicht, zeigt es doch nur, mit welch tiefgründiger Berechnung im Hause NEVERSTORE das Thema Songwriting nach Schablone beackert wird.

Sicher, Zucker versüßt und kann gelegentliche geschmackliche Faux-Pas' überdecken; doch zuviel davon, und darin sind sich nicht nur Mediziner einig, ist gesundheitlich bedenklich und kann lebensbedrohlich wirken.


Tracklist:
1. For The Rest Of My Life
2. My Own Paradise
3. Bullets & Quicksand
4. Work Eat Sleep Repeat
5. Unbreakable
6. Got My Heart To The Left
7. Show You The World
8. Degrading
9. Good Time For Disaster
10. Do You Miss Me
11. In My Neighbourhood
12. Lost

Autor

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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