Plattenkritik

No Hawaii - Snake My Charms

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Datum Review: 15.06.2010

No Hawaii - Snake My Charms

 

Sphärische Arrangements, eine unaufdringliche, sich in ihrer 6-minütigen Monotonie in einen hineinbohrende Gesangs- und Gitarrenmelodie (inklusive so etwas, was ich mal vorsichtig als „Chöre“ bezeichnen würde): „E=mc2 (Kaospilot)“ wirkt als letzter Song wie das Ende einer langen Reise. Und die muss nicht mal grundauf von Düsternis geprägt sein, obwohl sich diese wie jede andere Nummer auf „Snake My Charmes“ etwas in Melancholie wälzt. „No Hawaii“ ist zwar „Snake My Charmes“ durchaus, aber eben doch nicht das komplette Gegenteil davon.

Genauso wenig wie „Snake My Charmes“ auf nur eine Emotion, auf ein Gefühl ausgerichtet ist ist auch die stilistische Komponente bei NO HAWAII alles andere als reduziert. Klar: NEUROSIS müssen da als Vergleich fallen, ebenso MASTADON wenn’s um so manch Gitarrenmelodie geht („Tunnel“ lässt da beispielsweise Assoziationen aufkommen). Doch schon stimmlich gehen NO HAWAII andere Wege, setzen ihr Augenmerk nicht nur auf genretypische tiefere Stimmlagen, sondern auch auf – man höre und staune – klaren Gesang (wobei wir da schon wieder fast bei MASTADON wären). Interessant wirkt da beispielsweise der Kontrast aus ultraschweren Gitarren und eher rockiger Stimme auf „Chuck Noir“ – und interessant wird’s, wenn sich die sich langsam errichtenden Songbauten wie in „Isaul“ in bester THE OCEAN(auf „Aeolian“)-Manier mit der Impulsivität eines Sturms wieder zerstören. Ansonsten buddelt „(blank“) zwischendurch Löscher, dessen Tiefe das gesamte Material mit einer gewissen Schwärze färbt. NO HAWAII wirken dann wie der Soundtrack postapokalyptischer Szenarien, wo keine Menschenseele, dafür aber willkürlich verstreuter Schutt und Asche das Szenario bestimmen - obwohl das bei NO HAWAII eben nur wieder eine Facette des Ganzen ist.

Das alles schrammt dann durchaus irgendwo an irgendeiner Stelle das Gemüt, hinterlässt Spuren. Bis auf einige (viele) Höhepunkte lassen sich diese Emotionen und Gefühle jedoch nicht über die gesamte Distanz des Albums tragen, was unter anderem der gewissen Heterogenität, welcher dem Album inne wohnt, geschuldet ist. NO HAWAII machen zwar an den richtigen, notwendigen Stellen einen Punkt, verfallen dazwischen aber gerne auch mal in etwas belanglosere Sphären. „Snake My Charms“ ist somit nicht unbedingt die rundeste Angelegenheit; aufregend (und eben berührend) ist das Ganze letztendlich aber doch geworden.

Tracklist: (52:14)

01. A Lovely Breed (7:28)
02. Chuck Noir (5:22)
03. Tunnel (7:20)
04. (blank) (3:12)
05. Isaul (5:59)
06. Radio Magellanes (10:09)
07. Technical Difficulties (1:17)
08. Unleash the Kuru (5:01)
09. E=mc2 (Kaospilot) (6:26)

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Olivier H.

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"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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