Plattenkritik

Norma Jean - Meridional

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 13.07.2010
Datum Review: 04.08.2010

Norma Jean - Meridional

 

Wo will man NORMA JEAN eigentlich noch einordnen? Nach dem Abgang von Josh Scogin vor 8 Jahren und einem atmosphärischen Ausnahmealbum wie „Bless The Martyr And Kiss The Child“, bei welchen man schnell geneigt ist zu denken: „So ein Album schreibt eine Band nur einmal in ihrer Karriere“, waren doch die beste Voraussetzungen dafür erfüllt, dass diese Band mit den Bach unter geht. Der Gedanke war dabei schon richtig, denn ein zweites „Bless The Martytr And Kiss The Child“ kam auch nicht. Dafür ein Traumalbum nach dem anderem und eine stilistische Entwicklung, die jegliche Kategorisierungsversuche lästig macht.

Und „Meridional“ soll da nicht das Ende einleiten – ganz im Gegenteil. Cory Putman ist als Sänger längst etabliert. Seine Stimme ist zwar ganz anders als die Scogins, Putman neigt viel mehr (oder überhaupt) zum klaren Gesang, klingt aber immer noch genauso roh wie der Sound, den NORMA JEAN ab dem zweiten Album entwickelt haben. Und dieser besticht vor allem durch mal klassisch dissonante, mal wieder sehr freie – aber immer aufregende – Gitarrenarbeit sowie Eingängigkeit, die in immer noch überraschend rohe Songs eingebettet wird. Die kommt mal durch klassische Refrains. Manchmal aber auch einfach durch Gitarrenarbeit, die sowohl eigen als auch ohrwurmtauglich ist.

Und eben diese Tatsache, dass NORMA JEAN sich trotz stilistischen Umbruchs, Sängerwechsel und dem Mut zu Experimenten immer noch irgendwo treu geblieben sind macht diese Band sicherlich auch in der „Putman-Ära“, wie ich sie jetzt einfach mal nenne, interessant. NORMA JEAN wollen nicht auf Teufel komm raus einen Hit schreiben (obwohl sie es dann doch irgendwie immer pro Album oft genug tun), sie spielen auf der einen Seite jederzeit mit den Möglichkeiten und trauen sich auch unkonventionelles, während auf der anderen Seite – wie ganz früher – auch Dissonanzen und Rückkopplungen wie eine alles andere als glattgebügelte Produktion nach wie vor zum Sound dazu gehören.

Aber wie klingt denn nun „Meridional“ selbst? Auch wenn sich das jetzt weit unspektakulärer liest als es das ist: Eigentlich kaum anders als die letzten 2-3 Alben. Oder: Der Entwicklung folgend. Demnach nicht mehr ganz so chaotisch wie auf „O God The Aftermath“ oder „Redeemer“, dafür etwas eingängiger und in seiner Atmosphäre wieder ausgedehnter. Wobei: Ganz so einfach ist das dann doch nicht, denn in vielen Momenten, oder allein im Aufbau des Albums wäre es auch gar nicht so verkehrt, „Meridional“ als Rückbesinnung an „Redeemer“ zu bezeichnen. Ist aber auch egal wie und wo man’s nun einordnet. Fest steht nur dass es immer noch der Sound der letzten paar Alben ist, aber auch dass es immer noch die Qualität der letzten paar Alben ist.

Das Ganze liest sich deswegen unspektakulärer als das Album es ist, weil „Meridional“ immer noch irgendwo auf seine ganz eigene Art aufregend klingt, ja auch seine eigenen Nuancen und Besonderheiten mitbringt. Vielleicht sind’s die Interludes, vielleicht ist’s das (unterbewusst beeinflussende) Artwork, vielleicht sind’s so große Nummern wie „The People That Surround You On A Regular Basis“ oder „Deathbed Atheist“. Und vielleicht sind das alles auch nur Dinge, die jahrelange Fans der Bands erkennen, vielleicht werden andere sagen dass NORMA JEAN seit Alben in ihrem (auch wenn sie das auch zugebenen müssen: mehr als eigenen) neuen Stil stagnieren. Wäre vielleicht alles irgendwo erlaubt oder angebracht anzuführen. Wie man’s aber nun dreht und wendet ist auch „Meridional“ – für alle, die auf diesen Sound stehen – wieder ein absolut herausragendes Album geworden, welches Fans mehr als glücklich machen wird. Und darüber hinwegsehen lässt, was da früher mal mit Scogin und Nummern wie „Pretty Soon, I Don’t Know What, But Something Is Going To Happen“ war. Wobei...

Alte Kommentare

von John Fire 04.08.2010 23:19

Das Album ist der Hammer geworden, hab ich nie gedacht, das das SO gut wird. Und nicht alle von den "letzten Paar Alben" waren so gut. The Anti Mother war doch schon größtenteils nur durchschnitt, manchmal sehr viel besser, aber zu oft eben auch schlechter. Das hier klingt am ehesten wie eine Mischung aus Redeemer und Bless The Martyr. Aber besser als beide Alben. An O' God... kommen sie nie mehr ran, das wissen sie auch selbst und schreiben auch deshalb nichtmehr solche Songs, aber das hier ist Teilweise schon genau so gut.

von molch 05.08.2010 04:02

grandiose platte, einer band, die keine schlechte songs schreiben kann. dauert, wie mit jeder neuen platte, erst ein paar durchläufe, aber wenn mans geschafft hat, sich da reinzuhören, lässts einen auch nicht mehr los! @john fire: versteh nicht, warum alle immer anti mother schimpfen, fand das album, songtechnisch, besser und eingängiger als redeemer.

von progpunker 05.08.2010 15:53

finds komisch das "the anti mother" nie erwähnt wird..oder hab ich da was übersehen?

von Alex G. 05.08.2010 16:02

Hab´s zuletzt noch zu nem Kumpel gesagt: Hätte nie gedacht, dass ich das mal über n Norma Jean Album sage, aber das hier ist mein Sommeralbum 2010!

von Fin 05.08.2010 16:27

Villt. weil die Latte nach den Alben davor richtig schön hoch war & Antimother diese nicht erfüllen konnte ... Wer hätte das gedacht, Norma Jean bringt die Platte des Jahres raus... Absoluter Abriss!

von steigi 05.08.2010 16:59

Ist bis jetzt mein Album des Jahres!

von Olivier H. 05.08.2010 17:49

verkehrte welt: für mich ist "the anti mother" die beste norma jean NACH "bless the martyr and kiss the child". "o god the aftermath" hingegen macht mich von allen norma jean platten am wenigsten an, wobei ich da auch nie so sehr den zugang gefunden habe wie zu den anderen alben.

von carnap 05.08.2010 20:44

Danke, danke, danke norma jean! Das was ich vom neuen Album gehört habe ist einfach zu gut. Könnt mein liebstes von ihnen werden.

von skullz 05.08.2010 22:29

Schon lange kein Album mehr gehört bei dem wirklich jeder Song so mitreisst, wie bei "Meridional". Mit dieser Produktion und diesem Sogwriting haben Norma Jean wirklich ein Top Album geschaffen.

von Haschpferdchen 06.08.2010 14:53

Nicht zu glatt, nie zu stumpf. Schön emotional whiskeygetränkte Stimme ohne zu weinerlich zu sein und letztlich große, abwechslungsreiche, auf atmosphäre getrimmte Songs. Hier stimmt einfach alles und hebt das Album weit über die Standardkost hinaus.

von weihnachtsmann 10.08.2010 12:55

richtig große platte. sehr abwechslungsreich, viele ideen und innovation - super.

von requos 10.08.2010 14:21

Gutes Album, ich bin überrascht

von Enno 10.08.2010 18:11

Für mich ein heißer Anwärter auf das Album des Jahres.

von Elin 12.08.2010 01:12

Die Platte in zwei Worten zusammengefasst: *knüppel, quietsch* Seit 10 Jahren das immerselbe Prinzip.

von m. 13.08.2010 12:58

da fand ich die anti mutter besser

von Enno 13.08.2010 17:40

@ Elin Das kann man ganz einfach als falsch bezeichnen.

von twin 14.08.2010 16:04

ich warte ja noch auf das heat fetish review, das find ich nämlich um einiges besser, wenn der vergleich erlaubt ist.

von Martin Weißflog 27.09.2010 17:49

Man man man. Ich weiß nicht, wie die das machen, aber den Mannen um "Norma Jean" ist wieder ein weiteres Meisterwerk gelungen! Nach dem der Stilwechsel auf "Redeemer" eintrat, konnte ich erstmal nichts mehr mit der Band anfangen. Zu anders und zu schwer zugänglich war der neue Sound. Erst nach mehrmaligem anhören erschloss sich mir dann die neue Welt des "Norma Jean"-Universums. Da der Sound nun weitaus komplexer und abwechslungsreicher ist, gefallen sie mir sogar besser(ja BESSER) als je zuvor! Nachdem ich dann auch "The Anti Mother" rauf und runter gehört habe, und es zu keiner Zeit langweilig wurde, musste ich mir die neue Platte "Meridional" natürlich holen. Und ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht!! Also Leute: Um Gottes Willen holt euch dieses Album!! Ihr werdet es, sofern ihr auf härtere Musik steht, nicht bereuen! Und jetzt werde ich wieder "Meridional" in meinen CD-Player legen, und träumen...

von Reitende Leiche 07.11.2010 04:46

Der Opener

von Reitende Leiche 07.11.2010 04:47

Der Opener der Opener...was ein Lied. Was ein Brett.

von awesom-o 22.11.2010 11:35

kA wie das album ist, werds mir wohl nicht anhören... denn den einzigen song, den ich bisher gehört hab war ein nahezu 1:1-riphoff von thrice's "under a killing moon" -.-

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Olivier H.

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"They said, Do you believe in life after death? I said I believe in life after birth" - Cursed

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