Plattenkritik

Office Of Future Plans - Dto.

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Release Date: 25.11.2011
Datum Review: 04.12.2011

Office Of Future Plans - Dto.

 

Riddle me this: Darf es so etwas wie lebende Legenden im (Post-)Hardcore überhaupt geben? Hat J. Robbins jemals etwas wirklich Schlechtes (etwas WIRKLICH Schlechtes) geschrieben, veröffentlicht oder produziert? Wozu ein Cello? Erfährt Dischord Records gerade so etwas wie seinen zweiten Frühling?

This is DIS173, recorded and mixed by OFFICE OF FUTURE PLANS at The Magpie Cage, Baltimore MD. Und doch ist das Debüt dieser Veteranen so viel mehr. Wir sehen vier graue Männer in schwarzen T-Shirts, mit lichtem bis überhaupt keinem Haar, teilweise gehüllt in schwarze Oberhemden vor zeitgenössischer Kunst sitzen. Der zweite von rechts formt, die Fingerspitzen beider Hände gegeneinander drückend, eine Ellipse. Klassische Denkerpose, bestimmt so eine in die Jahre gekommene Art-Rock-Band, maunzt der ewig giftende Rezipient. Von wegen. J. Robbins (GOVERNMENT ISSUE, JAWBOX, BURNING AIRLINES, CHANNELS, puh…) hebt mit seiner eigentlich-sollte-das-hier-nie-eine-richtige-Band-werden Band mal eben so sein spannendstes, zerebralstes und gleichzeitig songdienlichstes Projekt seit langer langer Zeit aus der Taufe. Eine Band, deren tiefgründig-unaufgeregtes Fundament sich speist aus Schicksalsschlägen (die progrediente Erkrankung seines Sohnes, Tode ihm nahestehender Menschen) und der Kreativität gestandener Musiker, die genau das ausschließlich sein wollen: Musiker. Hier werden ausfransender Posthardcore ('Salamander'), offene Popsensibilität ('Lorelei') und konzise Minidramen mit Cello-Überbau ('You’re Not Alone') mehr als wirkungsvoll zusammengedacht.

OFFICE OF FUTURE PLAN haben dann auch so ziemlich alles, was man in dieser Höchstform lange nicht gehört hat von Robbins: die scharfkantigen, leicht angeschrägten Gitarren - ohne das Dumpfdrückende von JAWBOX freilich - dafür umso tonangebender. Den Mut zur Lücke, einen präzisionsversessenen Drummer sowie eine Stimme, die sich nicht scheut im Radio gespielt zu werden. Was naturgemäß nicht passieren wird. Dafür windet sich ein Song wie 'Salamander' zu lang (aber auch: eingängig) durch tiefschwarze Seelenlandschaften. Im Königreich des Todes wird mit Sicherheit nicht über die Wetterlage debattiert. Dafür ist ein Song wie 'Ambitious Wrists' zu sperrig, im Sinne von: alte Dischord-Sperrigkeit, geraten. Und J. Robbins klingt stets so besonnen, reflektiert und unaufdringlich, wo er doch so viele gute Gründe hätte wütend zu sein.

Der wirksamste Kontrapunkt in diesem Gewirr aus akzentuiert hämmerndem Schlagzeug und wirren Tönen ('The Loyal Opposition') ist natürlich „the Jawbox cello guy“ Gordon Withers. Im beinahe folkig beschwipsten 'Your Several Selves' bringt er das Eiernde des Songs immer wieder in seine Form. Überhaupt ein sehr programmatischer Songtitel: OFFICE OF FUTURE PLANS verfügen nämlich ebenfalls über so einige Selbste. 'Abandon' ist wesentlich mehr als die abgründige Quotenballade. Der Song ist vielmehr Bindeglied zwischen J. Robbins musikalischer Vergangenheit und modernen Pathos-Schwerenötern wie BIFFY CLYRO. Auch wenn diesen Vergleich wahrscheinlich niemand lesen möchte, zumal in diesem vor Wahrhaftigkeit nahezu überbordenden Dischord-Kontext. Dennoch: OFFICE OF FUTURE PLANS befrieden hier gleichermaßen J.Robbins-Apologeten, Post-Hardcorehörer und bestimmt den ein oder anderen BIFFY CLYRO/FOO FIGHTERS-Fan. Sie beweisen sich als große Songwriter, ausgestattet mit einem 360-Grad-Blick auf diverse Genres. Das Bemerkenswerte: das war mit Sicherheit nie ihr Plan. Our plans they are in the future…8,5

Tracklist:

01: Salamander
02: Lorelei
03: Harden Your Heart
04: Ambitious Wrists
05: The Loyal Opposition
06: Your Several Selves
07: Abandon
08: You’re Not Alone
09: The Beautiful Barricades
10: Fema Coffins
11: Dumb It Down
12: Riddle Me This

Alte Kommentare

von simon 05.12.2011 09:15

einfach nur lahm!

von manatarms 09.12.2011 10:03

Bestes Review seit langem!

von simtz 14.12.2011 23:02

die EP war auch sehr klasse

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René

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