Plattenkritik

Okkervil River - I Am Very Far

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Release Date: 06.05.2011
Datum Review: 17.06.2011

Okkervil River - I Am Very Far

 

Willkommen in der bunten, weiten Welt der Musik. Fieberhaft bin ich seit Wochen auf der Suche nach dem legitimen Nachfolger von ARCADE FIRE's "The Suburbs", dem Nachfolger des Indie- und Sommeralbums des vergangenen Jahres. Die hochgehandelten The Antlers überraschten mich zwar positiv, konnten aber wie schon auf dem Vorgänger bei mir keine wirklichen Emotionen hervorrufen. Mein nächster Halt auf dieser bunten Reise war das neue Album der Alleskönner OKKERVIL RIVER. Von der Presse stets schon vorab geadelt, genießt die Truppe einen international exzellenten Ruf. Herausstechend in ihrer Karriere, auch die letztjährige Kooperation mit der Altlegende ROKY ERICKSON, auch wenn dieser Musiker wohl leider nur den Wenigsten ein bekannter Begriff ist. Aber ich schweife ab.

Zu Debützeiten waren OKKERVIL RIVER noch nahezu minimalistisch im Country- und Folkbereich unterwegs, vor allem im Vergleich zu ihrem heutigen Schaffen. Und so hat sich "I Am Very Far" schon früh bei mir einen Spitznamen erspielt: das Album der vielen Instrumente. Der "Chef" Will Sheff (Achtung Wortwitz!), einzig verbliebenes Gründungsmitglied der Band, nimmt dabei fast alles in die eigene Hand. Nicht nur die Songs sind "Sheff-Sache", inzwischen auch die Produktion. Dabei pendeln OKKERVIL RIVER geschickt zwischen vielen Stühlen. Der famose Opener "The Valley" ist eine agressive Rockhymne mit gewaltigem Drumming. Dabei schöpfen die oben bereits erwähnten Instrumente aus dem Vollen. Teilweise bis zu sieben Gitarren und zwei Schlagzeuge definieren den Begriff "Wall Of Sound" noch von Grund auf neu. Dabei spielt sich die Band in einen ekstatischen Rausch, Geiger treiben Will Sheff zu immer neuen gesanglichen Höhepunkten.

"I Am Very Far" ist ein Abenteuer. Und wem wilder Chor-, Orchester- und Streicherarrangements noch nicht abenteuerlich genug sind, den überzeugen spätestens fliegende Aktenschränke oder Soli aus vor- und zurückspulenden Ghettoblastern. Ja, das gibt es alles auf "I Am Very Far" zu hören. Die ungemein authentische Produktion sorgt für ein intensives Live-Feeling.

Die Perfektion erreichen OKKERVIL RIVER dabei freilich nicht. Aber eines der besten Indie-Alben des Jahres ist "I Am Very Far" auf jeden Fall. Schließlich bieten Will Sheff und seine Jungs eine Reise durch eine schillernde Americana-Welt zu einer Achterbahn der wildesten wie fremdesten Gefühle. Inwiefern diese Platte mit "The Suburbs" oder der eigenen Diskographie konkurrieren kann, wird die Zeit zeigen. Doch wichtig ist: ich freue mich auf diese Zeit. Ich freue mich noch oft dieses kreative Album einer noch kreativeren Band um einen der kreativsten Köpfe dieses Planten zu hören. Deshalb überlasse ich Will Sheff auch ganz uneigennützig das Schlusswort:

"...our friend stands bleeding on the late summer lawn, a slicked-back bloody black gunshot to the head, he has fallen in the valley of the rock and roll dead"
„We need a myth, a path through the mist“


Wiedersehen.

Tracklist:

1. The Valley
2. Piratess
3. Rider
4. Lay Of The Last Survivor
5. Wihte Shadow Waltz
6. We Need A Myth
7. Hanging From A Hit
8. Show Yourself
9. Your Past Life As A Blast
10. Wake And Be Fine
11. The Rise

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Enrico

Autoren Bio

Je ne sais pas. Ein Hoch auf meine Standardantwort im Französischunterricht in der Schule.

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