Plattenkritik

Old Man Markley - Down Side Up

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Release Date: 05.03.2013
Datum Review: 10.03.2013

Old Man Markley - Down Side Up

 

Boah, sieben Leute in der Band: Männlein, Weiblein - und alles trinkfeste Heuballenpunks. Wie soll das im echten Leben gutgehen? Und im Tourbus erst! Schneller wird das Waschbrett zur treffsicheren Waffe, als sich die Zielperson hinter den Blechwannen-Kontrabass retten kann. Alles wahr und so passiert. Höchste Zeit für ein ruhigeres Kapitel in blau, weiss und rot.

Ziemlich einmalig und schmalspurig war der Sound der Band aus dem oberhalb von Los Angeles gelegenen San Fernando Valley schon vor zwei Jahren auf "Guts´N´Teeth". An Katie Weeds spitzfindiger Geige hat sich genauso wenig verändert wie am metallisch purzelnden Banjo von Kollege John Rosen: Bluegrass, Adrenalin-Country und eine Suppenkelle Wahnsinn auf Eis formen auch auf "Down Side Up" den Großteil der Skizzen, die OLD MAN MARKLEY mit mehrstimmigen Gesängen und ansteckender Gang-Note aus der Kutsche prügeln.
"Blood On My Hands" muss nicht übertreiben oder vorgestellt werden - die Band um die ehemaligen YOUTH BRIGADE-Mitstreiter Joey Garibaldi und John Carey hat sich längst weltweit festigen - und zu Hause sogar mit Chartplatzierungen schmücken können.
Jetzt geht das zweite Album der Band einen unauffälligen Schritt in Richtung Feingefühl, Ernsthaftigkeit und Tiefe: Bereits mit "Rehearsal" zappen die Kalifornier von der durstigen Tanzparty rüber auf nachdenklichere Töne und Texte, die es sich im satt instrumentierten Bett aus trockenen Basslines, Vocal-Harmonien und sogar Bläsersequenzen bequem machen. "Come Around Here" weiß Autoharp- und Frontfrau Annie Detemple im Alleingang mit Bravour und vitaler Stimme zu bewältigen, wogegen sich "So Much More" oder "Up Side Down" für belegte Verhältnisse von OLD MAN MARKLEY eher durchs Mittelfeld schubsen.

Die Latte für Melodien und Mitschleifkriterien wurde auf dem Debüt nicht bloß höher angesetzt, sondern auch inständig am Glühen gehalten. Das gelingt "Down Side Up" mit etwa "America´s Dreaming" auch, bevor "Beyond The Moon" aus Xylophon und Gemütlichkeit einen der Albumhöhepunkte zusammenmischt. Waschbrett, Sparschlagzeug und das Bonustrio aus Banjo, Harp und brisanter Fiedel spielen galant gegen die oftmals zwei Hauptstimmen an, die "Fastbreak" aus dem Handgelenk eine Ebene höher heben und "Too Soon For Goodnight" zum Abschied graziös ausklingen lassen.
Aufatmen verkehrt herum: "Down Side Up" trabt musikalisch fröhlich und lebendig umher - aber die dreizehn Songs strecken ihre Hand zum Abklatschen nicht wie bisher mit dem ersten Anlauf aus. Dennoch stellen OLD MAN MARKLEY nach unzähligen Abenden in Bars, Kellern, Arenen und auf internationalen Festivalbühnen sicher, dass Waschbrett und Knochen auf Dauer heile bleiben müssen. Besonders jetzt, wo es Johnnys Gitarre schon so hart erwischt hat.

Trackliste:

01. Blood On My Hands
02. Rehearsal
03. America’s Dreaming
04. Come Around Here
05. Blindfold
06. So Much More
07. Hard To Understand
08. Beyond The Moon
09. Hand Me Down
10. Up Side Down
11. Fastbreak
12. Train Of Thought
13. Too Soon For Goodnight

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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