Plattenkritik

Parachutes - Blueprints

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Release Date: 05.10.2012
Datum Review: 28.09.2012

Parachutes - Blueprints

 

Wenn Gott gewollt hätte, dass die Menschen fliegen können, hätte er ihnen Fallschirme in den Nacken genäht. Stattdessen aber finden sich Hände, mit denen musiziert, Köpfe, in denen kreiert und Füße, mit denen vorgetreten werden kann am Durchschnittsleib. So ein handelsüblicher Mensch ist auch Nate Anderson.

Einhundertzweiundneunzig Sekunden dauert die Aufwärmphase von „Blueprints“ - und mit ihr endet auch schon der beinahe intensivste Teil des Albums, welches um das zehnjährige Bandjubiläum der Saarländer und um eben jenen fiktiven Charakter kreist. Nate Anderson. Architekt, Familienmensch, Hinterfrager. Was Anderson (er)lebt und fühlt, vertonen PARACHUTES mit Hilfe bekannter Strukturen aus Postcore-Gitarren und schallendem Schlagzeugpunch - als ob sich FUNERAL FOR A FRIEND in der eigenen Vergangenheit spiegeln würden.
„Let Me Build A Bridge And Tear It Down“ zimmert den mächtigen und schwebenden Chorus dahinter, „Mirror Universe“ liefert die Wärme und das Auftauvermögen, mit dem THRICE ihr Mittagessen zubereitet hätten, bevor sie der eigene Herzschlag in musikalische Fernen getrieben hat. Den PARACHUTES hingegen scheint die Sonne noch aus demselben Loch, das „The Working Horse“ vor zwei Jahren mit anderer Besetzung und einem enger geschnürten Hang zur Trendablage ausspuckte: „Screamo“ kann man „Blueprints“ nicht unbestraft unterstellen. Dafür ist „The Downfall“ zu intelligent und verschwommen, die deutsch betitelten Instrumental-Interludes zu hemmend und der (leider manchmal sehr akzentbenetzte) Gesang von Stefan Kinn zu impulsiv.
Auch wenn Melancholie und Zeitlupe helfen, das Textgewand um Anderson mit den Stadionfacetten in Einklang zu bringen, harren Spannung und befreiende Momentaufnahmen zu oft auf der Ersatzbank. „All I See Is That The Light Is Still A Part Of Me“ versprechen die PARACHUTES noch bei „Through The Mist“ – und halten auch später Wort: „The Wind Blows, The Sun Shines, No Anger At All“ („Let Me Build A Bridge And Tear It Down“). Der Zähler tickt und „Blueprints“ holt aus, atmet ein, bäumt sich auf.
Letztlich dreht „Aluminous Black“ den Hahn ein letztes Mal auf – Fläche und Volumen treffen eher schwammig auf bewusstes Zögern, die PARACHUTES tragen die dreizehn Songs auf Händen und mit Köpfchen ins Ziel. Den Fuß für den entscheidenden Schritt nach vorn einzusetzen sollten die fünf Musiker aus Saarbrücken nächstes Mal auch noch wagen.
„Blueprints“ ist der Beweis, dass sie alle Mühen lohnen.


Trackliste:

01. Through The Mist
02. Comas
03. Let Me Build A Bridge And Tear It Down
04. Dark Waters
05. Mirror Universe
06. Cascades Of Light
07. Shard Collector
08. Gezeitenwechsel
09. The Downfall
10. Arcane
11. Javelines
12. Kammerflimmern
13. Aluminous Black

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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