Plattenkritik

Patrick Watson - Just Another Ordinary Day

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Release Date: 01.10.2010
Datum Review: 29.09.2010

Patrick Watson - Just Another Ordinary Day

 

Wenn irgendwann die 239847te Singer/Songwriterplatte vor einem liegt, da möchte man doch gerne mal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil irgendwann ja dann doch das Vokabular zu diesem Stil erschöpft zu sein scheint. Was also soll Patrick Watson jetzt so besonders machen?

Zunächst mal hat Patrick Watson eine absolut klassische Musikausbildung, bereits für Filme komponistisch gearbeitet und stand schon mit ganz anderen Größen gemeinsam auf der Bühne. Das hier vorgestellte Album ist irgendwie sein erstes, aber dann doch nicht. JUST ANOTHER ORDINARY DAY wurde bereits 2003 in Eigenregie herausgebracht und nun nochmal für den weltweiten Markt anständig aufgelegt, weil die Nachfolgeralben schon solche Renner waren.

So ganz richtig klassisch Singer/Songwriter ist er auch gar nicht, der Herr Watson und eigentlich handelt es sich hinter dem Namen auch um eine Band, in welcher eben nur eine Person die Fäden in der Hand hält. Patrick Watsons klassischen und vor allem filmmusischen Einschläge klingen durchweg an. Eine Akkustikgitarre misst man auf dem kompletten Album. Das dominierende Instrument heißt Klavier, hat aber mehr als vier Tasten (nämlich 88- um an dieser Stelle mal etwas zur allgemeinen Allgemeinbildung beizutragen). Bläsersätze, Streicher, Drums und Elektronisches dürfen ebensowenig fehlen. Der Sound treibt, erinnert an die frühen, seichteren Stücke von Radiohead. Die Kopfstimme geht eine symbiotische Beziehung mit der Instrumentalisierung ein und erinnert vor allem in der Kombimation mit Klavier stark an den Stil von Maximilian Hecker. Streckenweise etwas Sphärisches, was aber weitaus verständlicher als Sigur Ros tönt. MARY dagegen klingt zu Beginn fast wie ein leichteres, luftiges Kaffeehausstück, bevor SILENT CITY mit fiependen Gitarrensounds passenderweise einen Sound wie in Monsterfilmen entwickelt, in welchen man die Hauptfigur hinter jeder Ecke vermutet und schonmal prophylaktisch zusammenzuckt. Dabei bewegt sich der Sound innerhalb von 7(!!!)Minuten stilistisch von amerikanischer Großsstadt zu arabischem Basar.

Im Großen und Ganzen ein nach besten Stücken der modernen klassischen Kompositionskunst konstruiertes Album. Interessant. Das Saxophon gegen Ende kann sich nicht wahrhaft entscheiden, ob es nun Warmspielübungen oder ein anständiges Stück zusammenblasen soll. Das wars dann aber auch mit Verwirrung oder Zusammenschreien der Ordnung.

Vielleicht ein bisschen aufregender als Lost In The Trees, evtl. wird das auch gerade einfach ein „neuer Trend“ den Singer/Songwritersektor nach der Folkepedemie mit etwas neuem zu füllen. Patrick Watson wäre dafür mit Sicherheit ein gutes Aushängeschild.

Tracklist:
1.Just Another Ordinary Day
2.Woods
3.Mary
4.Silent City
5.Shame
6.Brigitte´s Theme
7.Gealman
8.Fall
9.Sunday

Autor

Bild Autor

Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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